Bachelorarbeit, 2024
71 Seiten, Note: 2,1
Die vorliegende Bachelorarbeit zielt darauf ab, die Potenziale migrationsbedingter Mehrsprachigkeit im schulischen Unterricht aufzuzeigen und ein Sprachbewusstsein bei Schüler*innen zu fördern, das Offenheit für verschiedene Sprachen, Menschen und Kulturen begünstigt. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie Critical Language Awareness dazu beitragen kann, dass türkischstämmige Schüler*innen sowohl gleichberechtigte Anerkennung als auch eine kompetente Aneignung der deutschen Bildungssprache erreichen.
2.1 Bildungssprache: Konzeptionelle Grundlagen im Kontext der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit
Die Beantwortung der Forschungsfrage wird durch die Theorien zur Bildungssprache von Gogolin und Feilke gestützt. Feilkes Ansatz kann einer multidisziplinären Perspektive zugeordnet werden, die sich auf die Sprachentwicklung und Sprachförderung mehrsprachiger SuS konzentriert.
Bredel und Feilke (2021) betonen im Bericht zur Lage der deutschen Sprache, dass das Problemfeld Bildungssprache in den letzten 15 Jahren stark in den Fokus gerückt ist. Ein Grund hierfür sind vor allem Schulleistungsstudien, die deutlich gemacht haben, dass ein wachsender Teil der SuS, unabhängig davon, ob Deutsch ihre Erst- oder Zweitsprache ist, nicht über die erforderlichen sprachlichen Fähigkeiten für das Lernen verfügt (S. 16). Die Bildungssprache umfasst eine Vielzahl sprachlicher Ausdrucksformen, deren adäquate Beherrschung als grundlegend für den Lernprozess angesehen wird. Dennoch erfolgt keine explizite Vermittlung dieser sprachlichen Elemente im schulischen Kontext (Feilke, 2012, S. 4). Die Bildungssprache ist keine Sprache der alltäglichen Kommunikation, sondern beinhaltet „besondere sprachliche Formate und Prozeduren", die in schulischen und akademischen Bereichen verankert sind. Zu diesen gehören verschiedene methodische Ansätze wie Beschreiben, Vergleichen, Erklären, Erörtern (ebd., S. 5). „Bei der Bildungssprache geht es um historisch einzelsprachlich ausgeprägte Sprachmittel. Diese Ressourcen haben sich über mehrere Jahrhunderte ausgebildet und gehören zum Sprachsystem ... " (Feilke, 2012, S. 6). Gemäß Feilke (2012) ist ein fundiertes Verständnis der Bildungssprache unerlässlich. Er argumentiert, dass Sprache als Mittel der Kommunikation dient, indem sie Bedeutungen symbolisch festhält und für künftige Gespräche zugänglich macht. Dieses Prinzip erstreckt sich auch auf die Bildungssprache, die im Laufe der Zeit signifikante Entwicklungen dokumentiert und bewahrt hat. Personen, die nicht mit der historischen Entwicklung einer Sprache vertraut sind, könnten die Strukturen und Elemente oft nur schwer verstehen, da diese ein abstraktes Verständnis voraussetzen (Feilke, S. 11). Die Bildungssprache fungiert nach Feilke (2012) sowohl als Inventar sprachlicher Mittel für Bildungsprozesse als auch als Träger von bereits vorhandenem Vorverständnis. Daher ist sie einerseits ein wertvolles Bildungskapital, andererseits aber auch eine potenzielle Barriere für das Verständnis (ebd.). Der Autor kritisiert zudem, dass obwohl eine Beschreibung der sprachlichen Eigenschaften der Bildungssprache vorliegt, es an Überlegungen mangelt, wie diese sprachlichen Formen die kognitiven Funktionen fördern können (ebd., S. 10). Ferner verweist Feilke (2013) darauf, dass Bildungssprache als kulturelles Kapital nach Pierre Bourdieu (1974, S. 192) ungleich verteilt ist (Feilke, 2013, S. 119). Zum einen wird bildungssprachliche Kompetenz durch den primären Spracherwerb „sozial vererbt" und somit nicht schulisch erworben. Zum anderen dient Bildungssprache als Werkzeug, das als Potenzial für bestimmte Handlungstypen zur Verfügung steht. Dies verleiht der Bildungssprache einen differenzierenden Habitus (ebd.). Bildungssprache dient als wesentliche Vermittlungssprache zwischen Fach- und Alltagssprachen in der Schule. Sie unterstützt nicht nur die kommunikativen Sprachhandlungen, sondern ebenso die kognitiven Funktionen und sprachabhängigen Leistungen wie die Lesefähigkeit (Feilke, 2012, S. 16-17). Sprachliche Formen sind konstant in kulturell verwurzelte Sprachpraktiken und Einstellungskompetenzen eingebettet und deren Förderung sollte beachtet werden. Somit können bildungssprachliche Fähigkeiten nur dann in ein Kapital umgewandelt werden, wenn die Personen ein Verständnis dafür entwickeln, wie und wofür sie genutzt werden können (ebd., S. 12). Die Einbettung der Sprachanforderungen in passende Kontexte ist elementarer Ausdruck der bildungssprachlichen Didaktik. Es ist von entscheidender Bedeutung, Kontexte zu schaffen, in denen der Gebrauch sprachlicher Formen sowie deren Reflexion lösungsorientiert motiviert sind. Dabei ist eine angemessene Integration anzustreben, während die Trennung bildungssprachlicher Formen vermieden werden sollte, wie beispielsweise bei der isolierten Behandlung des Passivs (ebd.). Feilke (2012) unterstreicht zudem die Notwendigkeit für alle Schulfächer, die implizite schul- und bildungssprachliche Natur ihrer Inhalte und Anforderungen zu überdenken. Des Weiteren sollte der Deutschunterricht dafür genutzt werden, nicht nur die Bildungssprache zu reflektieren, sondern auch die Möglichkeit zur Förderung dieser Sprachform zu erörtern (Feilke, 2012, S. 12).
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem ein, betont die Notwendigkeit einer gerechteren Förderung und stellt die Forschungsfrage zur Rolle von Critical Language Awareness (CLA) vor.
Kapitel 2 Theoretischer Rahmen: Hier werden zentrale theoretische Konzepte wie Bildungssprache, BICS und CALP nach Cummins, Critical Language Awareness und Pierre Bourdieus Konzept der symbolischen Macht detailliert erläutert, um die Grundlagen der Forschungsfrage zu legen.
Kapitel 3 Sprachenvielfalt: Die verborgene Stärke der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit im Kontext der Türkischen Sprache: Dieses Kapitel untersucht das Potenzial der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit, insbesondere am Beispiel der türkischen Herkunftssprache, und diskutiert, wie CLA als Schlüsselkompetenz zum Bildungserfolg beitragen kann.
Kapitel 4 Mehrsprachigkeit als Schlüssel zur Förderung der Bildungssprache: Beispiel Naturwissenschaften: Es wird erörtert, wie Mehrsprachigkeit die Förderung der Bildungssprache unterstützen kann, beleuchtet Differenzkategorien im Kontext der Bildungssprache und analysiert die Verknüpfung von symbolischer Macht, sozialer Diskriminierung und Sprache.
Kapitel 5 Praxisbeispiele für Mehrsprachigkeit im Schulunterricht: Dieses Kapitel präsentiert konkrete Projekte wie FörMig und TraMiS, die sich der Förderung von Mehrsprachigkeit im Schulunterricht widmen, und zeigt deren positive Auswirkungen auf den Bildungserfolg auf.
Kapitel 6 Diskussion und Reflexion: In diesem Abschnitt werden die gewonnenen Erkenntnisse kritisch reflektiert und im Kontext der Forschungsfrage analysiert, wobei die Rolle von CLA und die Herausforderungen der Implementierung mehrsprachiger Ansätze beleuchtet werden.
Kapitel 7 Fazit, Ausblick und Limitation: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen, betont die Komplexität der Thematik, skizziert Limitationen der Untersuchung und gibt einen Ausblick auf weitere Forschungsbedarfe im Bereich der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit.
Mehrsprachigkeit, Bildungssprache, Critical Language Awareness, Türkische Sprache, Migration, Chancengleichheit, Diskriminierung, Symbolische Macht, Bilingualismus, Spracherwerb, Schulsystem, Interkulturelle Bildung, Sprachförderung, Soziale Gerechtigkeit, Sprachbewusstsein
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und das Potenzial migrationsbedingter Mehrsprachigkeit für den Bildungserfolg, insbesondere von türkischstämmigen Schüler*innen, und wie Critical Language Awareness (CLA) dabei helfen kann, gleichberechtigte Anerkennung und kompetente Aneignung der deutschen Bildungssprache zu erreichen.
Zentrale Themenfelder sind Bildungssprache, Critical Language Awareness, Mehrsprachigkeit (fokussiert auf Türkisch), sozioökonomische Ungleichheiten und Machtstrukturen im Bildungssystem sowie praktische Ansätze zur Sprachförderung.
Das primäre Ziel ist es, die Möglichkeiten der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit im schulischen Unterricht aufzuzeigen und ein Sprachbewusstsein zu entwickeln, das Offenheit fördert. Die Forschungsfrage lautet: „Wie kann Critical Language Awareness dazu beitragen, dass türkischstämmige Schüler*innen sowohl die gleichberechtigte Anerkennung als auch die kompetente Aneignung der deutschen Bildungssprache erreichen?“
Die Methodik dieser Arbeit beruht auf einem Literatur-Review. Dabei werden relevante wissenschaftliche Publikationen und Studien gesichtet sowie analysiert, um ein umfassendes Verständnis des Themas zu entwickeln und die bestehenden Forschungsergebnisse kritisch zu bewerten.
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Rahmen (Bildungssprache, BICS/CALP, CLA, Bourdieus symbolische Macht), die Sprachenvielfalt am Beispiel der türkischen Sprache, Mehrsprachigkeit als Schlüssel zur Förderung der Bildungssprache und Praxisbeispiele für Mehrsprachigkeit im Schulunterricht.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Mehrsprachigkeit, Bildungssprache, Critical Language Awareness, Türkische Sprache, Migration, Chancengleichheit, Diskriminierung, Symbolische Macht, Bilingualismus und Spracherwerb.
Cummins unterscheidet zwischen BICS (Basis interpersonal communicative skills), den alltäglichen Sprachfähigkeiten, und CALP (cognitive academic language proficiency), der Bildungssprache. Dieses Konzept erklärt, warum mehrsprachige Kinder trotz guter mündlicher Erstsprache in schulischen Zweitsprachenaufgaben schlechter abschneiden können.
Projekte wie das KOALA-Projekt zielen darauf ab, eine positive Beziehung zwischen den Sprachen und Kulturen der Schüler*innen herzustellen und einen bewussten Umgang mit Zweisprachigkeit zu vermitteln. Studien zeigen, dass solche Projekte zu besseren Leistungen führen und den Erwerb der deutschen Sprache nicht behindern.
Bourdieus Konzept der symbolischen Macht verdeutlicht, dass Sprache nicht nur Kommunikationsmittel ist, sondern auch ein Instrument zur Sicherung von Macht und zur Schaffung sozialer Hierarchien. Bestimmte Sprachformen gelten als „wertvoller“, was zu Diskriminierung und Ungleichverteilung von Bildungschancen führen kann.
Menschen mit türkischem Migrationshintergrund bilden die größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland. Diese Fokussierung ermöglicht eine differenzierte Analyse spezifischer Herausforderungen und Potenziale dieser Gruppe im Kontext der deutschen Bildungssprache.
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