Bachelorarbeit, 2010
59 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Begriffliche Vorverständigung
2.1 Genese
2.2 Definition
2.3 Kontroversen
2.3.1 Die Frage der Historisierbarkeit
2.3.2 Anthropologie versus Soziologie
2.4 Modelle der Geschichtskultur
2.4.1 Das Geschichtskulturmodell nach Rüsen
2.4.1.1 Definition
2.4.1.2 Dimensionen
2.4.1.3 Abgrenzung der Dimensionen
2.4.2 Das Geschichtskulturmodell nach Schönemann
2.4.2.1 Definition
2.4.2.2 Dimensionen
2.5 Funktionen der Geschichtskultur
3. Das europäische Museumsprojekt in Brüssel und die europäische Geschichtsbuchkooperation als Phänomene der Geschichtskultur
3.1 Das europäische Museumsprojekt in Brüssel
3.1.1 Zum Museum im Allgemeinen
3.1.1.1 Kurzer historischer Abriss
3.1.1.2 Aktuelle Definition
3.1.1.3 Über die Bedeutung von Museen für die Gesellschaft
3.1.2 Die Idee des europäischen Museums
3.1.3 Institutioneller Rahmen
3.1.4 Verwendete Medien
3.1.5 Mitwirkende Professionen
3.1.6 Rezipienten
3.1.7 Inhaltliche Konzeption
3.2 Das europäische Geschichtsbuch
3.2.1 Zum Geschichtsbuch im Allgemeinen
3.2.1.1 Kurzer historischer Abriss
3.2.1.2 Aktuelle Definition
3.2.1.3 Über die Bedeutung von Schulgeschichtsbüchern für die Gesellschaft
3.2.2 Die Idee des europäischen Geschichtsbuches
3.2.3 Institutioneller Rahmen
3.2.4 Verwendete Medien
3.2.5 Mitwirkende Professionen
3.2.6 Rezipienten
3.2.7 Inhaltliche Konzeption
4. Vergleich des Museums und des Geschichtsbuchs
4.1 Institutionen
4.2 Medien
4.3 Professionen
4.4 Rezipienten
4.5 Inhalt
5. Zusammenfassung der Ergebnisse
Die Arbeit untersucht, inwiefern das europäische Museumsprojekt in Brüssel und die europäische Geschichtsbuchkooperation als neue Repräsentanten einer beginnenden europäischen Geschichtskultur die Funktionen der Identifikation und Legitimation in Bezug auf die Europäische Union erfüllen können.
3.1.1.3 Über die Bedeutung von Museen für die Gesellschaft
Seine erste gesellschaftliche Relevanz wurde dem Museum offiziell im Jahre 1970 in der Museumsdefinition des ICOM konstatiert, in der das Museum als eine Institution „in the service of the society and of its development“ charakterisiert wurde. Bis dahin war der gesellschaftliche Aspekt weitgehend ausgeklammert worden. Heute versteht sich das Museum mehr und mehr als Bestandteil der Gesellschaft und fungiert innerhalb dieser als Bedeutungsträger.
Zum einen ist da die Bedeutung als Bildungs- und vor allem Unterhaltungsstätte zu nennen, in der verschiedenste Thematiken für den Laien verständlich aufgearbeitet und einem breiten Publikum lehrend und unterhaltend zur Verfügung gestellt werden. Michael Heyman, ehemaliger Direktor des Smithonian Institut in Washington, spricht in diesem Zusammenhang vom Museumsbesuch als eine „[…] meaningful leisure activity […]“, doch ist der gesellschaftlichen Bedeutung des Museums damit noch lange nicht Genüge getan. So vermutet Heyman weiter: „[…] museums have come to be places of validation in a society that has seen the erosion of many social institutions traditionally representing trust an authority […].”
Heyman vermutet also eine wichtige Bedeutung des Museums in der Wertevermittlung und in der Repräsentation von Kontinuität in einer sich immer schneller verändernden Gesellschaft. Dass Heyman mit dieser Vermutung nicht alleine steht, beweist auch die Tatsache, dass deutsche Museumswissenschaftler zu ähnlichen Schlüssen kommen. Exemplarisch sei hier unter anderem auf die Musealisierungsthese von Hermann Lübbe oder die Ausführungen von Heiner Treinen verwiesen. Lübbe sieht die gesellschaftliche Bedeutung von Museen in der Kompensationskraft, mit der sie einem gesellschaftlichen wandlungs- und veränderungsbedingten Vertrautheitsschwund begegnen. Indem sie Erinnerungen speichern und vor dem Vergessen bewahren, schaffen Museen in einer Welt, die einem permanenten Wandel unterliegt, den Bedingungsrahmen für Kontinuitätserfahrungen. Jan Assmann spricht in diesem Zusammenhang vom Museum als Ort eines kulturellen Gedächtnisses, in dem der Wissensvorrat einer Gesellschaft gespeichert und zur Ausbildung einer kollektiven Identität herangezogen wird. Folglich kann dem Museum zugleich eine gesellschaftliche Bedeutung im Hinblick auf die Herausbildung von Identität konstatiert werden.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Geschichte für die Identitätsstiftung ein und formuliert die Forschungsfrage, ob neue europäische Geschichtskultur-Phänomene Identifikation und Legitimation für die EU leisten können.
2. Begriffliche Vorverständigung: Dieses Kapitel erarbeitet das theoretische Gerüst, insbesondere die Konzepte der Geschichtskultur nach Rüsen und Schönemann, sowie die zentralen Kontroversen und Dimensionen.
3. Das europäische Museumsprojekt in Brüssel und die europäische Geschichtsbuchkooperation als Phänomene der Geschichtskultur: Die beiden konkreten Beispiele werden entlang der vier Dimensionen (Institution, Medien, Profession, Rezipienten) sowie ihrer inhaltlichen Konzeption analysiert.
4. Vergleich des Museums und des Geschichtsbuchs: Die Ergebnisse aus Kapitel 3 werden gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der funktionalen Ausgestaltung (Identifikation, Legitimation, Unterhaltung) herauszuarbeiten.
5. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Projekte die Identifikations- und Legitimationsfunktion erfüllen, jedoch mit unterschiedlichen medialen Strategien und inhaltlicher Tiefe operieren.
Geschichtskultur, Geschichtsbewusstsein, Europäische Union, Europäische Identität, Museumsprojekt, Geschichtsbuch, Identifikation, Legitimation, Jörn Rüsen, Bernd Schönemann, Geschichtsdidaktik, Integrationsgeschichte, Musealisierung, kollektives Gedächtnis, Europa.
Die Arbeit untersucht, wie zwei spezifische Projekte – ein europäisches Museumsprojekt in Brüssel und eine europäische Geschichtsbuchkooperation – zur Schaffung einer europäischen Identität und zur Legitimation der Europäischen Union beitragen.
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Geschichtskultur, die Analyse von Geschichtsdidaktik im Wandel sowie die Rolle von Museen und Schulbüchern als Instrumente zur Vermittlung kollektiven Geschichtsbewusstseins.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern diese Phänomene die geschichtskulturellen Funktionen der Identifikation und Legitimation erfüllen oder ob andere Funktionen (wie Unterhaltung) eine stärkere Rolle spielen.
Die Arbeit nutzt einen komparativen Ansatz, bei dem das europäische Museum und das europäische Geschichtsbuch anhand der geschichtskulturellen Dimensionen nach Bernd Schönemann (Institutionen, Medien, Professionen, Publika) systematisch verglichen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Geschichtskultur, die detaillierte Analyse beider Beispielobjekte hinsichtlich ihrer Entstehung, Konzeption und Zielgruppen sowie einen direkten Vergleich dieser Aspekte.
Wichtige Begriffe sind Geschichtskultur, europäische Identität, geschichtsdidaktische Vermittlung, Identifikation, Legitimation, sowie die theoretischen Ansätze von Jörn Rüsen und Bernd Schönemann.
Die Autorin stellt fest, dass das Brüsseler Museum durch den Einsatz von modernster Inszenierungstechnik gezielt ein erlebnisorientiertes Publikum anspricht, das Geschichte eher konsumiert als kritisch reflektiert.
Die Autorin argumentiert, dass das Geschichtsbuch eine differenziertere Darstellung bietet, die auch historisch trennende Elemente und Krisen der europäischen Geschichte einbezieht, während das Museumsprojekt zu einer geschönten Darstellung neigt.
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