Examensarbeit, 2009
80 Seiten, Note: 1,7
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2 GABENTHEORIEN
2.1 Die Gabe als vernachlässigtes Thema der Geschichtswissenschaft
2.2 Die Gabe aus dem Blickwinkel anderer Wissenschaftsdisziplinen
2.2.1 Geben - Annehmen - Erwidern
2.2.2 Redistribution und Formen reziproker Leistungen
3 DER RITUELLE GABENTAUSCH ALS EIN MEDIUM DER SYMBOLISCHEN KOMMUNIKATION IM MITTELALTER
4 REGELN DES GABENTAUSCHS IM BEREICH DER OTTONISCHEN KÖNIGSHERRSCHAFT
4.1 Untersuchungsgegenstand
4.2 Die Quellen und das Problem der Perspektivität
4.3 Methode
4.4 Gabensituationen bei Rangungleichheit der Akteure
4.4.1 Der Ranghöhere reicht die größeren Gaben
4.4.2 Einem Herrscher muss die Möglichkeit eingeräumt werden, aus den dargebrachten Gaben nur Weniges auszuwählen
4.4.3 Die dargebrachten Geschenke für einen König müssen seinem Rang entsprechen
4.4.4 Zuerst schenkt der Rangniedere, worauf die Gegengabe durch den Ranghöheren erfolgt
4.5 Gabensituationen bei Ranggleichheit der Akteure
4.5.1 Zwischen Ranggleichen muss der Gabentausch in allen seinen Teilen balanciert gestaltet werden
4.6 Agonaler Gabentausch
4.6.1 In der Gabe liegt die Möglichkeit zu einer verdeckten Herausforderung und zur Provokation, ein Potenzial, das in agonalen Gabensituationen vielseitig genutzt wurde
5 FAZIT
5.1 Bewertung der Geschenksituation zwischen Boleslaw Chrobry und Otto III. vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse
5.2 Ausblick
6 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
6.1 Quellen
6.2 Literatur
Die Arbeit untersucht das Phänomen des rituellen Gabentauschs im Rahmen der ottonischen Königsherrschaft. Ziel ist es, das hochmittelalterliche Schenkverhalten als zentrales Medium symbolischer Kommunikation und als regelhaftes, soziales Interaktionsinstrument zu systematisieren, um die historische Glaubwürdigkeit spezifischer Quellenberichte kritisch zu hinterfragen.
Nachdem nun Boleslaw vom Kaiser so glanzvoll zum König erhoben war...
Nachdem nun Boleslaw vom Kaiser so glanzvoll zum König erhoben war, übte er die ihm (von Natur) mitgegebene Freigebigkeit dadurch aus, daß er an den drei Tagen seiner Weihe ein Festmahl wie ein König und wie ein Kaiser feierte, an den einzelnen Tagen alle Gefäße und alles Tischgerät auswechselte und noch verschiedenes andere und viel Wertvolleres darreichte. Dann am Ende des Festmahls ließ er Mundschenken und Speiseträger die Gold- und Silbergefäße - solche aus Holz gab es nämlich nicht -, und zwar Becher und Pokale, Schüsseln, Platten und Trinkhörner von allen Tischen der drei Tage einsammeln und schenkte dies dem Kaiser als Ehrengeschenk, nicht als fürstliche Abgabe.
Ähnlich ließ er von den Kammerleuten breite Stoffgewebe und Wandbehänge, Teppiche, Decken, Tischtücher, Handtücher und alles, was zur Bedienung dargereicht wurde, einsammeln und in die Kammer des Kaisers schaffen. Darüber hinaus verschenkte er auch andere Gefäße in großer Zahl, und zwar solche aus Gold und Silber von unterschiedlicher Arbeit, buntfarbige Mäntel, Schmuckwerke unbekannter Art, Edelsteine, und er zeigte so viel und so Großes solcher Art, daß der Kaiser diese Geschenke für ein Wunder hielt. Die einzelnen Fürsten des Kaisers beschenkte er so großartig, daß er sie aus freundlich Gesinnten als seine besten Freunde gewann. Wer aber wird imstande sein aufzuzählen, was für Geschenke und wie große er den Vornehmen gab, zumal doch nicht einmal ein einziger Diener von einer so großen Zahl ohne Geschenk nach Hause zurückkehrte? Der Kaiser aber ging mit reichen Geschenken froh in sein eigenes Land zurück, Boleslaw aber erneuerte, nunmehr als König, den alten Zorn gegen die Feinde.
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik des "Akt von Gnesen", Darstellung des Forschungsstands und Vorstellung der Vorgehensweise zur Analyse von Gabenritualen.
2 GABENTHEORIEN: Erläuterung theoretischer Grundlagen des Gabentauschs unter Einbeziehung soziologischer und ethnologischer Konzepte wie Reziprozität, Potlatsch und Redistribution.
3 DER RITUELLE GABENTAUSCH ALS EIN MEDIUM DER SYMBOLISCHEN KOMMUNIKATION IM MITTELALTER: Einordnung des Schenkens als rituelle Handlung, die soziale Machtverhältnisse und Rangordnungen innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft öffentlich kommuniziert.
4 REGELN DES GABENTAUSCHS IM BEREICH DER OTTONISCHEN KÖNIGSHERRSCHAFT: Detaillierte Herleitung der Spielregeln für Geschenksituationen, differenziert nach Rangungleichheit, Ranggleichheit und agonalem (herausforderndem) Austausch.
5 FAZIT: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Anwendung der identifizierten Regeln auf den Bericht des Gallus Anonymus, um dessen Glaubwürdigkeit kritisch zu bewerten.
6 QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten mittelalterlichen Quellenberichte und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur.
Gabentausch, Ottonische Königsherrschaft, Symbolische Kommunikation, Reziprozität, Rituale, Mittelalter, Boleslaw Chrobry, Otto III., Potlatsch, Rangordnung, Herrschaftskommunikation, Schenken, Amicitia, Agonaler Gabentausch, Politische Interaktion.
Die Arbeit untersucht das Schenkwesen im ottonischen Mittelalter und wie dieses als rituelles Mittel diente, um politische Beziehungen und Rangordnungen zwischen Herrschern zu festigen oder herauszufordern.
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Gabentauschs, der symbolischen Kommunikation in der Ottonenzeit sowie der Analyse historischer Quellen hinsichtlich der Spielregeln für Geschenksituationen.
Das Ziel ist es, ein System von Regeln für den mittelalterlichen Gabentausch zu identifizieren, um damit die Glaubwürdigkeit des Berichts von Gallus Anonymus über den "Akt von Gnesen" kritisch zu prüfen.
Es wird eine historisch-kritische Quellenanalyse angewandt, die durch soziologische und ethnologische Theorien zum Schenkverhalten (insbesondere von Marcel Mauss und Marshall Sahlins) theoretisch gerahmt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Einordnung des Gabentauschs in die symbolische Kommunikation und eine systematische Untersuchung von Fallbeispielen, unterteilt in Situationen von Rangungleichheit, Ranggleichheit und agonalem (konflikthaftem) Schenken.
Zentrale Begriffe sind Gabentausch, Reziprozität, Symbolische Kommunikation, Rituale, Ottonische Königsherrschaft, Agonaler Gabentausch und Amicitia.
Die Szene verstößt laut Analyse gegen das Prinzip, dass der Ranghöhere die größeren Gaben geben muss, und ignoriert zudem das Recht des Herrschers, aus den Gaben eine Auswahl zu treffen, was die Schilderung eher als anekdotische Übertreibung erscheinen lässt.
Dieser Begriff bezeichnet Situationen, in denen Geschenke bewusst zur Provokation oder zur Infragestellung von Rangpositionen eingesetzt wurden, wobei oft die üblichen Regeln des rituellen Schenkens gebrochen wurden.
Reziprozität beschreibt die zwingende Erwartung, dass eine Gabe erwidert werden muss, um soziale Bindungen, Verträge oder Friedensbündnisse aufrechtzuerhalten oder zu bekräftigen.
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