Magisterarbeit, 2007
119 Seiten, Note: 1,0
I. Tanzeffekte: Einleitung
II. Tanzbegriffe – Tanz begreifen
2.1. Tanzen als menschliches Phänomen
2.1.1. Von der Schwierigkeit, Tanz zu beschreiben
2.1.2. Unterscheidung von Bewegung und Tanz
2.2. Tanz als Gegenstand ethnologischer und religionswissenschaftlicher Forschung
2.2.1. Bestimmung religiöser Tänze
2.2.2 Die kommunikative Dimension von Tanz
2.3. Aktualität der Tanzforschung: Definition und Methode
2.3.1. Annäherung der Geistes- und Naturwissenschaften
III. Tanz als performative Praxis
3.1. Der performative turn in den Kulturwissenschaften
3.1.1. Tanz zwischen Erfahrung und diskursiven Einschreibungen
3.1.2. Das Ritual als Ausgangspunkt von Performanztheorien
3.1.3. Aufführung und Wirkung – Effektivität von Performanzen
3.1.4. Bewertung von Performanzen
3.2. Theatralität des Rituals
3.2.1. Unterschiede und fließende Grenzen zwischen Theater und Ritual
3.2.2. Berührungspunkte von Theater und Ethnologie
3.2.3. Neurologische Ebene des Darstellens
3.3. Rituale als transformierende Performanzen
3.3.1. Ästhetische Erfahrung als Schwellenerfahrung
3.4. Transformation als sinnliche Erfahrung
3.4.1. Verkörperung und Präsenz im Tanz
3.4.2. Der Körper als „Ort des Erlebens“
IV. Transformatives Potential im Tanz
4.1. Tanz als Mittel zur religiösen Transformation
4.1.1. Ästhetische Dimension im Tanz
4.1.2. Die Ästhetik von Stimmungen im Klassischen Indischen Tanz – Die Transformation der Gefühle
4.1.3. Rausch – Ekstase – Besessenheitstänze: Trance im und durch Tanz
4.1.4. Transformation als Voraussetzung für die Kommunikation mit den Göttern – Der estado de santo im Candomblé
4.2. Die Eigendynamik des Tanzes als Transformation
4.2.1. Wirkzusammenhänge im Tanz – Die Vermittlung zwischen „Kopf“ und Körper
4.2.2. „Tanz als Ventil“ – Die Möglichkeit der Katharsis
V. Zusammenfassung und Ausblick
VI. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht religiösen Tanz als rituelle Performanz mit Fokus auf sein transformatives Potential für Tänzer und Zuschauer. Unter Rückgriff auf kulturwissenschaftliche, ethnologische und religionswissenschaftliche Ansätze wird analysiert, wie Tanz durch körperliches Erleben und ästhetische Inszenierung Sinn vermittelt und Prozesse der individuellen sowie gesellschaftlichen Transformation anstößt.
3.1.1. Tanz zwischen Erfahrung und diskursiven Einschreibungen
Das Spannungsverhältnis von Performativität und Textualität ist mit dem oben dargestellten Paradigmenwechsel nicht aus der Welt geräumt. Kulturelle Handlungen und Ereignisse tragen immer textuelle Aspekte in sich, insofern ihnen Bedeutungen zugeschrieben werden können. Doch die dabei immer auch beteiligten, teilweise sogar dominierenden performativen Aspekte wurden von der Forschung bis weit in die neunziger Jahre überwiegend vernachlässigt. Dabei begründen diese performativen Züge durchaus eine eigenständige Weise der (praktischen) Bezugnahme auf bereits existierende (oder für möglich gehaltene) Wirklichkeiten und verleihen den erzeugten kulturellen Handlungen und Ereignissen einen spezifischen Wirklichkeitscharakter. Tanz bewegt sich zwischen Erfahrung und diskursiven Einschreibungen. Ausgehend vom Konzept der Performativität bestimmen Klinge und Leeker das Verhältnis von Diskurs und Praxis als eine Erfahrung der Praxis mit Zeichen, Medien, symbolischen Repräsentationen und kulturellen Einschreibungen. Da es sich beim Tanz um ein (unter anderem) körperliches Phänomen handelt, das zwischen den individuellen Erfahrungen und diskursiven Einschreibungen liegt, wird später der Körper als „Ort des Erlebens“ thematisiert.
Die Meinung, dass der Körper und körperliche Phänomene sich der Beschreibbarkeit entziehen, wird auch im performative turn neu diskutiert. Es ist eine in verschiedenen Epochen in je unterschiedlicher Ausprägung wiederkehrende Ansicht, dass Tanz als Kunst der Bewegung und des Körperlichen jenseits einer Erfassung durch symbolische Repräsentationen liege, also jenseits des Sprachlichen und Begrifflichen. Gemeint wurde damit zum einen, dass im Tanz – als einem flüchtigen und nicht rückgängig zu machenden Ereignis – mehr Bedeutungen liegen, als sowohl die Tänzer als auch die Betrachter erfassen können. Zum anderen wird der Körper als ein Phänomen ins Spiel gebracht, das mehr ist als das, was Sprache erfassen kann. Der Körper liege jenseits symbolischer und diskursiver Ordnungen, war lange vorherrschende Meinung. Neuere Diskussionen in der Tanzforschung zeigen, dass diese Meinung überholt ist, trotz immer noch existenten analytischen Problemen. Dennoch gibt es, so betonen Klinge und Leeker, eine gewisse „Widerstandsfähigkeit des Tanzes gegen eine Vereinnahmung im Kontext eines bloßen Abbildungsverhältnisses zwischen symbolischen Repräsentationen und körperlichen Praxen“ (Klinge; Leeker 2003: 3).
Tanzeffekte: Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Tanz als soziales und religiöses Medium ein und formuliert das Ziel, dessen transformatives Potential anhand der aktuellen Performanzdebatte interdisziplinär zu untersuchen.
Tanzbegriffe – Tanz begreifen: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Schwierigkeiten bei der Definition von Tanz als menschliches Phänomen und untersucht ihn als Gegenstand ethnologischer Forschung.
Tanz als performative Praxis: Hier wird der theoretische Rahmen durch den „performative turn“ in den Kulturwissenschaften abgesteckt und das Ritual als Ausgangspunkt für Performanztheorien beleuchtet.
Transformatives Potential im Tanz: Dieser Hauptteil analysiert, wie Tanz als Mittel zur religiösen Transformation fungiert, unter anderem am Beispiel des Klassischen Indischen Tanzes und der Candomblé-Rituale, und beleuchtet die Eigendynamik des Tanzes.
Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert die Bedeutung des körperlichen Erlebens für das transformative Potential im Tanz und lädt zu weiteren Forschungen über die aktuellen Entwicklungen im religiösen Tanz ein.
Tanzforschung, Performanz, Transformation, Ritual, Körperwissen, Religion, Klassischer Indischer Tanz, Candomblé, Performativität, Verkörperung, Trance, Ekstase, Katharsis, Körperlichkeit, Kulturanthropologie.
Die Arbeit untersucht religiöse Tanzpraktiken aus kulturwissenschaftlicher Perspektive, wobei Tanz nicht nur als ästhetische Form, sondern vor allem als wirkmächtige performative Praxis zur Transformation von Subjekten und gesellschaftlichen Strukturen betrachtet wird.
Zentrale Felder sind die Tanzethnologie, die Ritualforschung, der "performative turn" in den Kulturwissenschaften, das Körperwissen sowie die neurophysiologischen Grundlagen tänzerischer Erfahrung.
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für das transformative Potential religiöser Tänze zu entwickeln und aufzuzeigen, wie Tanz als Medium der Sinnstiftung und als Instrument zur Veränderung der Wahrnehmung dient.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der kulturwissenschaftliche Theorien mit ethnologischen Feldforschungsbeispielen und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen verbindet.
Im Hauptteil werden Konzepte wie der "performative turn", Theatralität im Ritual, die Verkörperung (Embodiment) sowie spezifische Transformationsprozesse wie Ekstase, Besessenheit und Katharsis analysiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Performativität, Transformation, Verkörperung, Ritual, Körpergedächtnis und rituelles Handeln bestimmt.
Er dient als primäres Fallbeispiel für die gezielte Transformation von Gefühlen durch hochstrukturierte Ästhetik (rasa-Theorie) und verdeutlicht die komplexe Interaktion zwischen Tanz und religiöser Philosophie.
Das Candomblé-Ritual wird analysiert, um die Rolle des "estado de santo" und die Bedeutung von Besessenheitstänzen für die direkte Kommunikation mit dem Göttlichen und die soziale Stabilität innerhalb der Gemeinschaft aufzuzeigen.
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