Examensarbeit, 2010
94 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vorbedingungen des modernen „Primitivismus“
2.1. „Die Expansion des Abendlandes“
Exkurs: Entstehung einer Wissenschaft, vom Kuriositätenkabinett zur Ethnologie
2.2. Ordnung der Dinge
Von Evolutionismus und Kulturkreisen
2.3. Ethnologie
Die Entstehung einer Wissenschaft
3. „Primitiv“ und „Primitivismus“ in der Kunstgeschichte
3.1 Paul Gauguin
3.2. Der Fauvismus
3.3 Die „Entdeckung“ der Stammeskunst
4. „Primitivismus“ im deutschen Expressionismus
4.1. Expressionismus
4.2. Künstlergruppen im deutschen Expressionismus
4.2.1. Der Blaue Reiter
4.2.2. „Die Brücke“
4.3. „Primitivismus“ in der "Brücke"
4.3.1. Palau-Hausbalken und Afrikanische Impulse
4.4. Ernst Ludwig Kirchner
4.4.1. Kurzbiografie
4.4.2. „Primitivismus“ bei Kirchner
Exkurs: Atelierprimitivismus
4.5. „Die Brücke“ in der Südsee
4.6. Emil Nolde
4.6.1. Kurzbiografie
4.6.2. „Primitivismus“ bei Nolde
4.6.2. Noldes Reise in die Südsee
4.7. Hermann Max Pechstein
4.7.1. Kurzbiografie
4.7.2. „Primitivismus“ bei Pechstein
5. Begriffskritik und Schluss
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung des künstlerischen „Primitivismus“ innerhalb des deutschen Expressionismus, insbesondere der Künstlergruppe „Die Brücke“. Dabei wird analysiert, wie die Auseinandersetzung mit außereuropäischer Kunst und der Wunsch nach einer Rückkehr zum Ursprünglichen als ästhetischer und lebensphilosophischer Gegenentwurf zur modernen Industriegesellschaft fungierte.
3.3 Die „Entdeckung“ der Stammeskunst
„Auf dem Weg zu Gertrude Stein kaufte Matisse im Herbst 1906 ein 'Negerobjekt' für wenige Francs. Die Statuette hinterließ bei dem ebenfalls eingeladenen Picasso Eindruck und öffnete ihm wohl die Augen für die klaren Formen der afrikanischen Plastik. Es war der Beginn einer großen Liebe, ohne die 1907 seine 'Demoiselles d'Avignon' so nicht entstanden wären.“
Die modernen Strömungen der Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts und ihre immer weiter fortschreitende Loslösung von objektiv optischer Wahrnehmung hin zu mehr geistigen Konzepten bedeutet eine wichtige Voraussetzung für die Aufnahme afrikanischer und ozeanischer Einflüsse. Betrachtet man das Interesse der Zeit an außereuropäischer Kunst, so stellt die Aufnahme der Stammeskunst einen weiteren logischen Schritt in der Erweiterung der Quellen des künstlerischen Schaffens dar. „Die Auseinandersetzung mit Objekten aus fremden oder alten Kulturen und die Frage, in welches Verhältnis man sich zu diesem Erbe an 'Weltkunst' setzt, beschäftigt die Kunst- und Literaturkritik um 1900 ebenso, wie es Thema damaliger Kunstgeschichte ist.“
In diesem Kontext, und in der Folge verschiedener Strömungen wie des Orientalismus oder Japonismus, ist die Beschäftigung mit der Kunst Afrikas und Ozeaniens als logische Entwicklung zu sehen. Die afrikanische Kunst ist damit „eingebettet in ein auf alle sogenannte 'primitive' Kunst gerichtetes Interesse der Künstlerkreise.“
Und trotzdem stellte die Kunst der „Stammeskulturen“ eine besondere Herausforderung an die Sehgewohnheiten des angehenden 20. Jahrhunderts.
1. Einleitung: Definiert den kunsthistorischen Begriff „Primitivismus“ und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Entwicklung dieses Phänomens im deutschen Expressionismus aufzuzeigen.
2. Vorbedingungen des modernen „Primitivismus“: Beleuchtet die historische Expansion des Abendlandes, die Entstehung der Ethnologie und die museale Erfassung außereuropäischer Kulturgüter.
3. „Primitiv“ und „Primitivismus“ in der Kunstgeschichte: Analysiert die historische Verwendung des Begriffs sowie die Rolle von Paul Gauguin und den Fauvisten als Vorläufer und Wegbereiter.
4. „Primitivismus“ im deutschen Expressionismus: Untersucht die künstlerische Umsetzung und Rezeption durch die Gruppen „Blauer Reiter“ und „Die Brücke“, mit Fokus auf Kirchner, Nolde und Pechstein.
5. Begriffskritik und Schluss: Reflektiert die ideologischen Kontroversen um den Primitivismus-Begriff und dessen Bedeutung für die moderne Kunstentwicklung.
Primitivismus, Expressionismus, Die Brücke, Stammeskunst, Avantgarde, Ethnologie, Kolonialismus, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Hermann Max Pechstein, Südsee, Afrikanische Plastik, Moderne, Kunstgeschichte, Kulturrelativismus.
Die Arbeit untersucht, wie und warum Künstler des deutschen Expressionismus, insbesondere der Gruppe „Die Brücke“, außereuropäische „Stammeskunst“ in ihre eigene künstlerische Praxis integrierten.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Primitivismus-Begriffs, dem Einfluss ethnographischer Museen, der Faszination für das „Ursprüngliche“ als Gegenentwurf zur Moderne und der individuellen künstlerischen Auseinandersetzung führender Expressionisten.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Avantgarde durch die Rezeption außereuropäischer Kunst neue formale und inhaltliche Ausdrucksweisen entwickelte, um akademische Traditionen zu überwinden.
Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die eine Literaturanalyse mit der Auswertung von Primärquellen (Briefen, Manifesten) und einer vergleichenden Bildanalyse kombiniert.
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Rolle der Künstlergruppen, den Reisen von Nolde und Pechstein in die Südsee sowie dem Einfluss spezifischer Objekte, wie der Palau-Hausbalken, auf das Werk von Ernst Ludwig Kirchner.
Die zentralen Begriffe sind Primitivismus, Expressionismus, Stammeskunst, kulturelle Identität, Avantgarde und die spezifische Bedeutung des „Ursprünglichen“ für die klassische Moderne.
Die im Dresdner Völkerkundemuseum ausgestellten Balken dienten Kirchner als zentrales Studienobjekt, deren flächige und kantige Formensprache er in seinen Holzschnitten und Malereien in eine eigene, moderne Bildsprache übersetzte.
Nolde verband die Suche nach dem Ursprünglichen stark mit einer spirituellen Komponente und empfand die Kolonialisierung als Bedrohung für das, was er als „Urnatur“ verklärte, wobei seine Arbeit im Missionar-Bild eine starke kritische Anklage gegenüber der kolonialen Einflussnahme darstellt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

