Magisterarbeit, 2007
91 Seiten, Note: 1,8
I. EINFÜHRUNG
II. FÄUSTE, KEHLEN, BEINE - DIE KLEINE STADT: EIN SCHAUSPIEL?
1. Als noch Langeweile und wenig Bewegung den Ort beherrscht: Ausgangssituation und szenisch-dramatische Grundlagen für ein kleines Welttheater
2. Ein komisches Spiel im komödiantischen Spieltrieb
2.1 Semantische Komödie und komische Katharsis
2.2 Ars comica – die Kunst der sprachkomischen Kombination und Variation
III. OPERA IN MUSICA: DIE KLEINE STADT ALS MUSIKALISCHES WERK?
1. Vivere d’aria e d’amore
2. Chorische Interaktionen
3. Vom adagio zum staccato
IV. SCHLUSSBEMERKUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich Manns Roman "Die kleine Stadt" unter dem Aspekt der "opera in musica". Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie musikalische Strukturen und Prinzipien der italienischen Oper das gesellschaftliche Leben, die Sprache und das Handeln der Romanfiguren in Palestrina als "kleines Welttheater" organisieren und demokratisierende Prozesse sowie eine "enthusiastische Wirkung" erzeugen.
I. EINFÜHRUNG
Wohlverstanden habe ich ihn von jeher als den Urheber, nicht nur des leidenschaftlichsten Gesanges, auch des gehobenen Gefühles seiner Mitwelt empfunden. Es ist folgenreich, eine einzige ‚kleine Stadt’ singend zu machen: in meinem so benannten Roman tut es der Dirigent Enrico Dorlenghi. Der Maestro Puccini hat es für eine Welt getan.
Giacomo Puccini ist bekannt als einer der bedeutendsten Komponisten in der Nachfolge Verdis, der es versteht, mit stimmungsvoller Atmosphäre, emotional ausdrucksstarken Arien und farbig vielfältigen Orchesterklängen einen großen Eindruck in der italienischen Oper zu hinterlassen. Durch neue Mittel gelingt es ihm, sich von romantisch-fantastischen Ansätzen zu distanzieren, einen für ihn stereotypen Stil zu finden und eine eigene Tonsprache zu schaffen: „Im Mittelpunkt seiner Opern steht immer die Gesangslinie, die er vor allen Dingen in den Frauenrollen edel und strahlend gestaltet.“ Außerdem werden „Spannung und dichte Atmosphäre [ ] durch die Anwendung von Leit- und Erinnerungsmotiven erzielt.“ Heinrich Mann verspürt für seine Musik eine große Faszination, die erstmals im November 1900 bei einer zufälligen Begegnung entflammt, und welche sich ihm als unvergessliches Datum einprägt:
Mir war nichts bewußt, als ich [...] auf der hinteren Plattform einer langsamen Pferdebahn von Florenz bergan nach Fiesole fuhr. Ich fuhr oder ging dort alle Tage, dieses Mal spielte am Weg ein Leierkasten [...], der mich mit dem Maestro Puccini bekannt machte. [...] Die wenigen Takte, die ein Wind mir trug, veranlaßten mich, von meinem Tram abzuspringen. Ich stand und ließ mich entzücken.
Dieses Gefühl der Entzückung vermag nicht nur die Begeisterung für eine sinnlich geprägte Melodik auszulösen, sondern gleichermaßen die Inspiration für ein neues Romankonzept zu sein. Überträgt Puccini nach Ansicht Manns sowohl Leidenschaft als auch ein gehobenes Gefühl auf seine Mitwelt, scheint der deutsche Schriftsteller diese beiden Motive auf ein komprimiertes Wirkungsfeld zu projizieren: auf eine
I. EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel etabliert das theoretische Fundament der Arbeit, indem es die Faszination Heinrich Manns für Puccini und die italienische Oper als Inspiration für das Romankonzept herausarbeitet.
II. FÄUSTE, KEHLEN, BEINE - DIE KLEINE STADT: EIN SCHAUSPIEL?: Hier wird die Inszenierung des Romans als "kleines Welttheater" untersucht, wobei Mimik, Gestik und komödiantische Spieltriebe als Grundlagen für das gesellschaftliche Agieren analysiert werden.
III. OPERA IN MUSICA: DIE KLEINE STADT ALS MUSIKALISCHES WERK?: Dieser Hauptteil widmet sich der zentralen These, dass die Romanstruktur selbst opernhaften Prinzipien ("opera in musica") folgt, vom solistischen Ausdruck bis zur chorischen Interaktion.
IV. SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend wird die Synthese von Kunst und Leben im Roman bestätigt und die "opera in musica" als innovatives Konzept zur Darstellung einer leidenschaftlichen Gemeinschaftsbewegung gewürdigt.
Heinrich Mann, Die kleine Stadt, Opera in musica, Welttheater, ars comica, Musikdramatik, Opernästhetik, Gesellschaftsmodell, Mimik, Gestik, Chor, Italien, Demokratisierung, Puccini, Ästhetik.
Die Arbeit untersucht Heinrich Manns Roman "Die kleine Stadt" unter dem speziellen Blickwinkel der "opera in musica". Es wird analysiert, wie opernhafte Strukturen und musikalische Prinzipien genutzt werden, um das kleinstädtische Leben als "Welttheater" zu inszenieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Verschränkung von Literatur, Theater und Musik. Analysiert werden die komödiantischen Spieltriebe der Bewohner, die Funktion von Musik als Ausdrucksmittel für Emotionen und die demokratisierende Kraft, die von diesem kollektiven "operesken" Handeln ausgeht.
Das Ziel ist es zu belegen, dass "Die kleine Stadt" nicht nur inhaltlich musikalische Themen behandelt, sondern in ihrer formalen Struktur und Erzählweise eine "opera in musica" darstellt, in der Sprache und Handlung wie in einem musikalischen Werk organisiert sind.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die insbesondere auf musikdramaturgische Konzepte, die Komik-Theorie und Bachtins Konzepte zur Dialogizität und zum Karnevalesken zurückgreift, um die spezifische Struktur des Romans zu erschließen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des "Welttheaters" (Mimik, Gestik), die Rolle der "ars comica" als komödiantisches Prinzip sowie die detaillierte Analyse der opernhaften Struktur (Solistisches, Chor, Rhythmik und Dynamik) im Roman.
Zu den zentralen Begriffen zählen: Heinrich Mann, Die kleine Stadt, opera in musica, Welttheater, ars comica, Musikdramatik, Demokratisierung und das Prinzip der "Pastiche".
Ihr repetitives, überzogenes Verhalten fungiert als stilisierte Regieanweisung. Ihre tiermetaphorisch beschriebenen Auftritte markieren das "Welttheater" und machen das Inszeniertsein der kleinstädtischen Handlungen durch die Verbindung von körperlicher Mimik und Lautmalerei deutlich.
Der Rhythmus wird als strukturierendes Element analysiert. Er steuert das Tempo der Ereignisse (vom adagio zum staccato) und spiegelt das kollektive Lebensbewusstsein der Gemeinschaft wider, das in der "opera in musica" zur vollen Entfaltung kommt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

