Fachbuch, 2010
66 Seiten
Vorwort: Krallentiere am Ur-Rhein
Ein Huftier mit Krallenfüßen
Dieses Buch dokumentiert die wissenschaftliche Erforschung des außergewöhnlichen Säugetiers Chalicotherium goldfussi. Es beleuchtet, wie anhand von Fossilfunden – insbesondere aus dem rheinhessischen Eppelsheim – die Identität und die Lebensweise dieses bizarren „Krallentieres“ entschlüsselt wurden, das trotz seiner Huftier-Verwandtschaft Krallen trug.
Ein Huftier mit Krallenfüßen
Eines der seltsamsten Säugetiere, das jemals in Deutschland gelebt hat, war das krallenfüßige Huftier Chalicotherium goldfussi. Dass dieses merkwürdige Geschöpf im Miozän vor etwa zehn Millionen Jahren auch am Ur-Rhein in Rheinhessen existierte, bewies eine unscheinbare Kralle, die in einer Sandgrube im Gewann „Jörgenbauer“ bei Eppelsheim entdeckt und von dem Darmstädter Paläontologen Johann Jakob Kaup (1803–1873) untersucht wurde.
Eppelsheim ist einer der Fundorte mit Ablagerungen des Ur-Rheins. Seine Ablagerungen werden nach dem Rüsseltier Deinotherium (auch Dinotherium) als Dinotheriensande oder nach dem berühmten Fundort Eppelsheim als Eppelsheimer Samde bezeichnet. Dieser so genannte Dinotheriensand-Rhein floss aus dem Raum Worms quer durch Rheinhessen über Westhofen, Eppelsheim, Bermersheim, den Wissberg bei Gau-Weinheim und den Steinberg bei Sprendlingen (Rheinland-Pfalz) auf die Binger Pforte zu. Der damalige Strom berührte nicht – wie heute – die Gegend von Oppenheim, Nierstein, Nackenheim, Mainz, Wiesbaden und Ingelheim.
Kaup gab 1833 bei der ersten wissenschaftlichen Beschreibung von Chalicotherium keinen Hinweis, worauf dieser Gattungsname beruht. Vielleicht bedeutet er „Tier aus dem Kies“ oder „Tier aus dem Kalk“ (griechisch: chalyx = Kalk, Kies, lateinisch: calx = Kalkstein). Mit dem Artnamen Chalicotherium goldfussi ehrte er den Bonner Paläontologen Georg August Goldfuß (1782–1848).
Vorwort: Krallentiere am Ur-Rhein: Das Vorwort führt in das seltsame Erscheinungsbild des Chalicotherium ein und würdigt die Personen, die sich um dessen Erforschung und die Etablierung des Dinotherium-Museums in Eppelsheim verdient gemacht haben.
Ein Huftier mit Krallenfüßen: Dieses Kapitel beschreibt die Entdeckung der fossilen Kralle bei Eppelsheim, die systematische Einordnung der Familie der Chalicotheriidae sowie die Lebensweise und das Ökosystem am Ur-Rhein vor zehn Millionen Jahren.
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Das Buch befasst sich mit der Entdeckungs- und Forschungsgeschichte des urzeitlichen Säugetiers Chalicotherium goldfussi, einem „Krallentier“, das vor etwa zehn Millionen Jahren in der Region des Ur-Rheins lebte.
Die zentralen Themen umfassen die Paläontologie, die Rekonstruktion vergangener Ökosysteme, die Fossilgeschichte von Rheinhessen und die wissenschaftliche Interpretation anatomischer Funde.
Das Ziel ist es, dem Leser die faszinierende Biologie und Lebensweise dieser bizarren Kreatur näherzubringen und die wissenschaftliche Arbeit an Fundstätten wie Eppelsheim zu würdigen.
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, historische Beschreibungen der Erstbeschreiber (wie J.J. Kaup) sowie auf moderne paläontologische Erkenntnisse und Grabungsdokumentationen.
Der Hauptteil analysiert die systematische Einordnung der Chalicotherien, vergleicht sie mit heutigen Tiergruppen, erörtert ihre Fortbewegungsweise und spekuliert über ihre ökologische Nische.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Chalicotherium, Krallentiere, Ur-Rhein, Paläontologie, Fossilien und Eppelsheim beschreiben.
Er war ein bedeutender Darmstädter Paläontologe des 19. Jahrhunderts, der das Chalicotherium als einer der Ersten wissenschaftlich untersuchte und benannte.
Da die Tiere eine Mischung aus Huftier-Merkmalen (Zähne, Verwandtschaft) und krallenbesetzten Füßen (ähnlich Faultieren oder Gorillas) aufwiesen, war ihre Zuordnung für frühe Forscher extrem schwierig.
Die beiden Gruppen unterschieden sich vor allem in ihrer Fortbewegungsweise: Die Schizotheriinae liefen auf den Sohlen, während die Chalicotheriinae ihre Krallen beim Gehen nach hinten abwinkelten.
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