Magisterarbeit, 2023
86 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Problem- und Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Thematische Relevanz
1.4 Forschungsmethode
2. Theorie des Neokolonialismus
2.1 Begriffsgeschichte und Definition
2.2 Ursachen und Ziele des Neokolonialismus
2.3 Instrumente neokolonialer Herrschaft
2.4 Analyserahmen
3. Globalisierung der Weltwirtschaft
3.1 Geschichte und Bedeutung der Globalisierung
3.2 Akteure der Globalisierung
3.2.1 Staaten und Staatenzusammenschlüsse
3.2.2 Internationale Organisationen
3.2.3 Transnationale Unternehmen
4. Fallbeispiele neokolonialer Politik im 21. Jahrhundert
4.1 Argentinien
4.1.1 Finanzielle Abhängigkeit
4.1.2 Politische Einflussnahme
4.1.3 Wirtschaftliche Ausbeutung
4.2 Zentralafrikanische Republik
4.2.1 Finanzielle Abhängigkeit
4.2.2 Wirtschaftliche Ausbeutung
4.2.3 Politische Einflussnahme
5. Schlussbetrachtungen
5.1 Darstellung und Bewertung der Ergebnisse
5.2 Neue Forschungsaspekte
5.3 Offene Fragen und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Konzept des Neokolonialismus im 21. Jahrhundert als Analyseinstrument für internationale Machtbeziehungen zwischen ehemaligen Kolonialmächten und jungen Staaten weiterhin relevant ist. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie externe Akteure durch ökonomische und politische Strukturen die Souveränität von Staaten wie Argentinien und der Zentralafrikanischen Republik kontrollieren oder beeinflussen.
1.1 Problem- und Fragestellung
„Europa ist ein Garten. (...) Der größte Teil der übrigen Welt ist ein Dschungel, und der Dschungel könnte in den Garten eindringen.“ Mit dieser Aussage in seiner Rede bei der Einweihung der Europäisch-Diplomatischen Akademie in Brügge am 13. Oktober 2022 sorgte der hohe Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union (EU), Joseph Borrell, für weitreichende internationale Kritik von Politiker_innen und politischen Beobachter_innen, die dem EU-Chefdiplomaten neokoloniale Ansichten vorwerfen. Die Analogie ergibt auf mehreren Ebenen, besonders aber auf historischer Ebene keinen Sinn, da es in den vergangenen Jahrhunderten im Zuge des Kolonialismus viel mehr der „Garten“ war, der in den „Dschungel“ eindrang. Dies war allerdings nicht das einzige Mal, dass Borrell mit kruden, als neokolonial bezeichneten Aussagen für Aufregung sorgte. Ähnliche Kritik gab es an auch seiner Eröffnungsrede vor einer Delegation lateinamerikanischer Abgeordneter während des EuroLat-Treffen am 30. November 2022, in der er erklärte: „Wie einst die Konquistadoren müssen wir eine neue Welt erfinden und unseren strategischen Kompass neu justieren.“
Doch was ist mit der Bezeichnung „neokolonial“ eigentlich genau gemeint? Der Begriff Neokolonialismus wird zwar von verschiedenen Seiten in der Politik benutzt, ist aber nur schwer präzise zu definieren. Er setzt sich aus dem altgriechischen Wort für neu (néos) und Kolonialismus zusammen und charakterisiert „das Verhältnis zwischen den ehemaligen Kolonialmächten und den jungen Staaten“, die infolge der Dekolonisation entstanden sind. In Abgrenzung vom Kolonialismus beschreibt der Begriff ein Herrschaftsverhältnis, das sich zwar aus diesem speist und ähnliche Machtstrukturen umfasst, „jedoch nicht mehr dem Kolonialismus als zeithistorischer Epoche zugeordnet werden könne.“ Das Wort an sich impliziert bereits das fundamentale Merkmal der neokolonialen Theorie, dass dieses Verhältnis eine neue Art von Kolonialismus betrachtet wird.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Neokolonialismus ein, begründet die Relevanz der Arbeit und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Theorie des Neokolonialismus: Dieses Kapitel definiert den Begriff Neokolonialismus, beleuchtet seine Geschichte, Ursachen und Instrumente sowie den theoretischen Analyserahmen der Arbeit.
3. Globalisierung der Weltwirtschaft: Hier werden die historischen Ursprünge der Globalisierung und ihre zentralen Akteure im 21. Jahrhundert analysiert.
4. Fallbeispiele neokolonialer Politik im 21. Jahrhundert: In diesem Kapitel werden Argentinien und die Zentralafrikanische Republik anhand der erarbeiteten Kriterien auf neokoloniale Machtstrukturen untersucht.
5. Schlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Fallstudien zusammen, diskutiert neue Forschungsaspekte und wirft einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Neokolonialismus, Kolonialismus, Globalisierung, Internationale Beziehungen, Finanzielle Abhängigkeit, Politische Einflussnahme, Wirtschaftliche Ausbeutung, Argentinien, Zentralafrikanische Republik, Transnationale Unternehmen, IWF, Weltbank, Dekolonisation, Machtstrukturen, Land Grabbing
Die Arbeit untersucht die Relevanz des Begriffs Neokolonialismus im 21. Jahrhundert und analysiert, wie moderne Machtstrukturen die Souveränität ehemaliger Kolonien oder wirtschaftlich schwacher Staaten einschränken.
Zentrale Themen sind die Theorie des Neokolonialismus, der Kontext der globalisierten Weltwirtschaft, sowie die Rolle von Finanzinstitutionen, transnationalen Unternehmen und politischen Eliten bei der Kontrolle von Ressourcen und Märkten.
Das Ziel ist es, anhand von Fallbeispielen zu klären, inwieweit das Konzept des Neokolonialismus auch im Jahr 2023 noch ein geeignetes Analyseinstrument für die Untersuchung internationaler Machtbeziehungen darstellt.
Die Arbeit basiert auf dem Prinzip einer qualitativen Fallstudie, bei der die theoretisch hergeleiteten Kriterien auf die Länder Argentinien und die Zentralafrikanische Republik angewendet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs, eine Analyse der globalen Wirtschaftsakteure und eine empirische Überprüfung der neokolonialen Präsenz in den zwei gewählten Fallbeispielen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Neokolonialismus, Globale Finanzströme, Wirtschaftsabhängigkeit und Machtasymmetrien geprägt.
Während in Argentinien vor allem massive Schulden bei Finanzinstitutionen und die Dominanz des US-Dollars als Druckmittel fungieren, ist die Zentralafrikanische Republik durch eine noch stärkere strukturelle Abhängigkeit, etwa durch die kolonial geprägte Währung CFA-Franc und die dauerhafte Präsenz ausländischer Militär- und Wirtschaftsakteure, gekennzeichnet.
Die Währung dient als zentrales Kontrollinstrument: In der Zentralafrikanischen Republik sichert der CFA-Franc den Einfluss Frankreichs, während Argentinien durch die Abhängigkeit vom US-Dollar und die Aktivitäten internationaler Hedgefonds in einer permanenten ökonomischen Krisensituation gehalten wird.
Der Autor kritisiert diese Organisationen als Instrumente, die durch Kreditauflagen (Strukturanpassungsprogramme) neoliberale Wirtschaftsmodelle erzwingen, welche die betroffenen Länder oft weiter in die Abhängigkeit führen, anstatt ihre eigenständige Entwicklung zu fördern.
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