Bachelorarbeit, 2024
43 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Vorstellungen vedischen Denkens
2. 1 Vorstellungen im Rigveda
2.1 Brahmanas, Upanishaden: Ergänzende Ansichten zur Kosmogonie des Rigveda
3. Transkulturelle Konzepte: Diskussionen über die Identitätsbildung des Individuums und des Kollektivs
3. 1. Identität und erfahrbare Realität
3.2. Diskussionen über Kultur und Mythenbildung
4. Schöpfungsmythen im Vergleich
4.1. Schöpfungsmythen und ihre Funktion: Eine psychoanalytische Dimension
4.2. Genesis I-II: Schöpfungsmythos der Tora und seine Entstehung
4.3. Ägyptische Schöpfungsvorstellungen im Vergleich
4.4. Schöpfungsmythen vor dem Hintergrund transkultureller Konzepte: Die Versinnbildlichung des Kosmos
5. Schluss
Die Arbeit untersucht, wie Rückschlüsse von einem Zustand der Existenz auf einen Zustand der Nicht-Existenz gezogen werden können. Dabei wird eine interdisziplinäre Analyse vedischer Schöpfungsmythen sowie deren Vergleich mit Überlieferungen des Nahen Ostens angestrebt, um das Verhältnis von Kosmos und Chaos vor dem Hintergrund transkultureller und philosophischer Identitätskonzepte zu beleuchten.
4.2. Genesis I-II: Schöpfungsmythos der Tora und seine Entstehung
Die Schöpfungsmythen der Tora sind im ersten Buch Mose, der Genesis, festgehalten. Im besonderen Fokus steht nun der erste Schöpfungsmythos, der in der Genesis I-II, beschrieben wird. Dieser wurde, folgt man der Urkundenhypothese Julius Wellhausens, vermutlich um 559 v. d. Z. während des babylonischen Exils schriftlich festgehalten. Er beschreibt den Prozess der Schöpfung der Welt, des Kosmos und der Lebewesen durch einen handelnden Gott. Dieser tritt gleich zu Beginn der Erzählung ins Geschehen, indem seine Schöpfungstat mit dem Anfang der Erzählung gleichkommt.
Der Religionswissenschaftler Matthias Morgenstern hebt die Besonderheit der Abwesenheit eines bestimmten Artikels für das Temporaladverb „Anfang“ im hebräischen Original hervor: Statt „ba-reshit“ heißt es im ersten Vers „be-reshit“, was einen unbestimmten Anfang ausdrückt. Morgenstern räumt schlussfolgernd die Möglichkeit, einer Vielzahl von Anfängen ein. Sei diese Annahme vorausgesetzt, würde die zeitlich lineare Einteilung, die durch „Anfang“ markiert wurde, lediglich gültig hinsichtlich des einen beschriebenen „Anfangs“ sein. Eine absolute Zeitfolge wäre nur dann gegeben, wenn es keine weiteren Anfänge außer jenem, der in der Genesis I-II ausgeführt wird, geben würde.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Leitfrage nach dem Übergang zwischen Existenz und Nicht-Existenz und skizziert die methodische Vorgehensweise durch den Einbezug philosophischer und transkultureller Perspektiven.
2. Vorstellungen vedischen Denkens: Dieses Kapitel erläutert die Kosmogonie des Rigveda und der Upanishaden, wobei insbesondere das Konzept des „Einen“ und des Brahman als treibende Urkraft im Vordergrund steht.
2. 1 Vorstellungen im Rigveda: Der Abschnitt behandelt die Hymnen des Rigveda, insbesondere das Rätsellied und den Purusa-Mythos, zur Beschreibung des vorschöpferischen Zustands.
2.1 Brahmanas, Upanishaden: Ergänzende Ansichten zur Kosmogonie des Rigveda: Hier wird die Weiterentwicklung der vedischen Ideen in den Brahmanas und Upanishaden, insbesondere das Verhältnis von Atman und Brahman, diskutiert.
3. Transkulturelle Konzepte: Diskussionen über die Identitätsbildung des Individuums und des Kollektivs: Dieses Kapitel verknüpft kulturwissenschaftliche Theorien von Said, Hall und Bhabha mit der Frage, wie Identität durch Abgrenzung und soziale Konstruktion entsteht.
3. 1. Identität und erfahrbare Realität: Fokus auf Edward Saids Orientalismuskritik und die Konstruktion von Identität durch das Verhältnis von „Selbst“ und „Anderem“.
3.2. Diskussionen über Kultur und Mythenbildung: Untersuchung der Rolle von Kultur und Mythen bei der Artikulation von Identität sowie Einführung des Hybriditätskonzepts nach Bhabha.
4. Schöpfungsmythen im Vergleich: Ein komparativer Teil, der die vedischen Konzepte mit der Genesis und ägyptischen Mythen konfrontiert, um universelle Strukturen der Ordnung zu finden.
4.1. Schöpfungsmythen und ihre Funktion: Eine psychoanalytische Dimension: Analyse der bedeutungsstiftenden Funktion von Mythen und der Rolle von Inkohärenz bei der kreativen Weltordnung.
4.2. Genesis I-II: Schöpfungsmythos der Tora und seine Entstehung: Untersuchung des biblischen Schöpfungsberichts und der Rolle Gottes als ordnende Instanz gegenüber dem Chaos.
4.3. Ägyptische Schöpfungsvorstellungen im Vergleich: Beschreibung der ägyptischen Konzepte wie „Nun“ und des zyklischen Kampfes gegen das Chaos.
4.4. Schöpfungsmythen vor dem Hintergrund transkultureller Konzepte: Die Versinnbildlichung des Kosmos: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Versinnbildlichung kosmischer Ordnung als Projektionsfläche.
5. Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse, die betont, dass Aussagen über den Urzustand lediglich in phänomenaler Hinsicht innerhalb des Kosmos möglich sind.
Vedische Schöpfungsmythen, Rigveda, Upanishaden, Transkulturalität, Identitätsbildung, Genesis, Kosmogonie, Hybridität, Orient, Chaos, Ordnung, Psychoanalyse, Brahman, Atman, Archätypen.
Die Arbeit untersucht Schöpfungsmythen aus vedischen, jüdischen und ägyptischen Überlieferungen und fragt, wie diese kulturellen Sinnbilder helfen, die Welt und die eigene Realität zu strukturieren.
Im Zentrum stehen die Konzepte des Kosmos und des Chaos, die Frage nach der Entstehung von Identität durch transkulturelle Prozesse sowie die philosophische Reflexion über die „Nicht-Existenz“.
Die zentrale Leitfrage ist, wie man aus einem Zustand der Existenz Rückschlüsse auf einen Zustand der Nicht-Existenz ziehen kann, ohne dabei in reine Spekulation zu verfallen.
Die Arbeit nutzt einen kulturwissenschaftlichen und interdisziplinären Ansatz, der kulturtheoretische Konzepte (wie von Bhabha, Said oder Hall) mit philologischen Analysen vedischer und biblischer Texte verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Analyse vedischer Texte, eine Diskussion kulturtheoretischer Identitätskonzepte und einen Vergleich mit jüdischen und ägyptischen Schöpfungsberichten hinsichtlich ihrer ordnungsstiftenden Funktion.
Die wichtigsten Begriffe umfassen den vedischen Begriff „Brahman“, den ägyptischen „Nun“, das Konzept der „Hybridität“ sowie die psychologischen Aspekte von „Archetypen“ und „Inkohärenz“.
Der Autor zeigt auf, dass die Genesis im Gegensatz zu den gewaltsamen Götterkonflikten in Mythen wie der „Enuma Elish“ eine Schöpfung durch das Wort Gottes betont, bei der dem Menschen eine verantwortungsvolle Rolle zur Mitgestaltung der Welt zukommt.
Es beschreibt den Widerspruch, dass die Erscheinungswelt als Identität wahrgenommen wird, obwohl sie sich aus einem zugrunde liegenden, undifferenzierten und ewigen „Einen“ speist, das sich jeder Definition entzieht.
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