Bachelorarbeit, 2025
38 Seiten, Note: 5.75 von 6
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die melancholische und seelische Zerrissenheit des Hauptcharakters Elis Fröbom aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ detailliert darzustellen. Dies geschieht durch die Analyse relevanter Textpassagen und einen Vergleich mit ausgewählten Gemälden des Zeitgenossen Caspar David Friedrich, dessen Werke ähnliche seelische Traumata und Vergangenheitsbewältigung widerspiegeln.
Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in den Bergwerken zu Falun von E.T.Α. Hoffmann und in Gemälden von Caspar David Friedrich
Elis Fröbom! Elis Fröbom! – Bist du mal wieder ein recht trauriger Narr worden, und vertrödelst die schöne Zeit mit dummen Gedanken? – Hör Elis' wenn du von unserem Hönsning wegbleibst, so bleib lieber auch ganz weg vom Schiff! – Ein ordentlicher tüchtiger Seemann wird doch so aus dir niemals werden.
Schon zu Beginn der Erzählung erahnen die Matrosen beim jungen Elis eine gewisse Betrübtheit der Seele und wollen ihm diese Traurigkeit, seine Trauer um den Tod seiner geliebten Mutter nicht lassen Elis ist irritiert und fühlt sich angegriffen, beinahe aggressiv setzt er sich zur Wehr:
[D]u siehst, Joens, dass ich saufen kann wie Einer von euch, und ob ich ein tüchtiger Seemann bin mag der Kapitain entscheiden. Aber nun halt dein Lästermaul, und schier dich fort! – Mir ist eure wilde Tollheit zuwider. – Was ich hier draußen treibe, geht dich nichts an!“ „Nun, nun, erwiderte Joens, ich weiß es ja, du bist ein Neriker von Geburt, und die sind alle trübe und traurig, und haben keine rechte Lust am wackeren Seemanns-Leben!
Im tragischen Verlust der gesamten Familie als knapp zwanzigjähriger, kann wohl der Ursprung der Melancholie und des Seelenleidens von Elis verortet werden. Schien er den tragischen Tod des Vaters und den seiner Brüder noch verarbeitet zu haben, stürzt ihn der Tod seiner geliebten Mutter, als die einzig noch lebende Bezugsperson seiner Familie, in eine endlose Depression – in ein buchstäbliches Meer der Einsamkeit. Das Meer und die Einsamkeit bilden auch die Anknüpfungspunkte zu den Gemälden bei Caspar David Friedrich: hier im Speziellen wollen wir im Vergleich zu Hoffmann „Der Mönch am Meer“ (1810) „Das Eismeer“ (1823/24) sowie die „Die Winterlandschaft“ (1811) analysieren, die wie keine anderen Werke Friedrichs eine spektakuläre Umsetzung von menschlicher Verzweiflung und Irritation zum Ausdruck bringen.
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“ und Caspar David Friedrichs Gemälden ein und stellt die Forschungsfrage und die Methode des intermedialen Vergleichs vor.
Kapitel 2 Die Melancholie als beherrschender Grundtenor bei E.T.A. Hoffmann und Caspar David Friedrich: Hier wird der historische Kontext und die Herleitung des Melancholiebegriffs erläutert, insbesondere dessen Verortung im Norden Europas und die damit verbundenen negativen Konnotationen und die ossianische Stimmung.
Kapitel 3 Text und Bild als mystische Melancholie-Vermittler in der Zeit der Romantik: Der Hauptteil vergleicht die psychischen Zustände von Elis Fröbom mit ausgewählten Gemälden von Caspar David Friedrich und analysiert Themen wie Einsamkeit, Vanitas, die feminine Trinität und die Unkommunizierbarkeit innerer Welten.
Kapitel 4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Kohärenz zwischen Elis Fröbom, Hoffmann und Friedrich hinsichtlich der Darstellung von Ängsten und Wünschen der Romantik in Schrift und Bild.
Melancholie, Romantik, E.T.A. Hoffmann, Caspar David Friedrich, Die Bergwerke zu Falun, Elis Fröbom, Seelenschmerz, Wahnsinn, Bergkönigin, Einsamkeit, Vanitas, Psychologie, Naturmystik, Intermedialität, Romantische Geognosie.
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Melancholie, Seelenschmerz und Wahnsinn in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ und vergleicht diese mit Motiven in Gemälden von Caspar David Friedrich.
Die zentralen Themenfelder sind die historische und kulturelle Verortung der Melancholie, die psychologische Analyse des Protagonisten Elis Fröbom, sowie der intermediale Vergleich zwischen romantischer Literatur und Malerei.
Das primäre Ziel ist es, den Hauptcharakter Elis Fröbom anhand melancholischer Textpassagen darzustellen und seine Innenwelt mit ausgewählten Gemälden Caspar David Friedrichs zu vergleichen, um so eine Brücke zwischen Literatur- und Kunstgeschichte zu schlagen.
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Methode, die Textanalyse von E.T.A. Hoffmanns Werk mit kunstgeschichtlicher Analyse von Caspar David Friedrichs Gemälden verknüpft, um die Darstellung der Melancholie vergleichend zu untersuchen.
Der Hauptteil behandelt den Melancholiebegriff, seine historische Herleitung, die symbolische Bedeutung des Nordens, sowie detaillierte Vergleiche zwischen Elis Fröboms innerer Zerrissenheit und spezifischen Werken Friedrichs wie „Der Mönch am Meer“ oder „Das Eismeer“.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Melancholie, Romantik, E.T.A. Hoffmann, Caspar David Friedrich, Elis Fröbom, Seelenschmerz und Naturmystik.
Nordische Landschaften, oft dunkel, kalt und isoliert, werden in der Romantik symbolisch mit Melancholie und den negativen Konnotationen des Nordens in Verbindung gebracht, was in beiden Künstlern wiederzufinden ist.
Traumvisionen und die Unterwelt des Bergwerks dienen Elis als Fluchtort und als Metapher für die tiefen Abgründe seiner Seele, wo er seinen traumatischen Verlust verarbeitet und sich seinen inneren Ängsten und Sehnsüchten stellt.
Elis' Schwierigkeit, seine Gefühle und Visionen auszudrücken, führt zu einer Isolation von seiner Umwelt; die Autorin Hoffmann nutzt dabei vage Sprachformeln wie „es war ihm als ob“, um diese Ambivalenz und Zerrissenheit zu unterstreichen.
Der Vanitas-Gedanke, also die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, zeigt sich in Elis' ständigem Hadern mit dem Tod und in Friedrichs Darstellungen von verfallenen Ruinen oder Schiffswracks, die auf die Endlichkeit des Daseins verweisen.
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