Bachelorarbeit, 2010
65 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund
2.2 Virtuosentum im 19. Jahrhundert
2.3 Musikalische Stars
3. Paganini
3.1 Paganini als Mensch
3.1.1 Biographie
3.1.2 Legendenbildung
3.1.3 Aussehen und Kleidung Paganinis
3.2 Paganini als Musiker
3.2.1 Die Musik Paganinis
3.2.2 Wirkung und Rezeption der Musik Paganinis
3.3 Zusammenführung
4. Der Teufel
4.1 Etymologischer Exkurs
4.2 Die Teufelsgenese
4.3 Die Physiognomie des Teufels
4.4 Der Teufel und die Musik
4.4.1 Die Diener des Teufels: Spielleute
4.4.1.1 Spielleute als Menschen
4.4.1.1.1 Der Stand der Spielleute in der mittelalterlichen Gesellschaft
4.4.1.1.2 Vorurteile gegenüber Spielleuten
4.4.1.1.3 Aussehen und Kleidung der Spielleute
4.4.1.2 Spielleute als Musiker
4.4.1.2.1 Die Musik der Spielleute
4.4.1.2.2 Die Vorstellungen von der Wirkung der Musik der Spielleute
4.5 Zusammenführung
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die Gründe für die hartnäckige und weit verbreitete Zuschreibung an den Violinisten Niccolò Paganini, er stehe als „Teufelsgeiger“ mit dem Teufel im Bunde. Ziel ist es zu analysieren, welche Faktoren in Paganinis Erscheinung, Spielweise und dem zeitgenössischen Virtuosen- und Starkult diese unheimliche Assoziation förderten und wie diese durch historische Vorstellungen vom Teufel und mittelalterliche Traditionen geprägt waren.
Die Physiognomie des Teufels
Wie wir in Kapitel 4.2 gesehen haben, ist der Teufel das Produkt unterschiedlichster geistiger Einflüsse. Daher ist anzunehmen, dass auch die Vorstellungen von seinem Aussehen sehr unterschiedlich sind (vgl. Fournier 2001: 71). Diese beinahe unbegrenzte darstellerische Vielfalt könnte, neben der generellen Faszination, die vom Bösen ausgeht, eine Erklärung für seine Popularität bei Künstlern sein. Teilweise behaupteten Künstler auch, den Leibhaftigen persönlich gesehen zu haben („Die pikturale Hauptquelle war vielmehr der Teufel, den Maler selbst in Mysterienspielen gesehen hatten.“ Link 1997: 81). Link (1997) kommt zu dem Schluss, dass wir unsere Imaginationen tatsächlich aus den Künsten beziehen, woraus sich dann Traditionen entwickelt haben. Es ist jedoch auch der inverse Fall denkbar, dass Künstler auf Traditionen zurückgriffen (vgl. Link 1997: 53) und daraus wiederum Kunstwerke schufen (vgl. Fournier 2001: 71), wobei „die dichterische Freiheit im Umgang mit diesem Motiv […] gerade in der Zeit von 1750 bis 1850 auf dem höchsten Stand der Entwicklung angelangt (war) – Teufel jeglicher couleur tummeln sich auf den Bühne, in den Romanen und Gedichten“ (Holz 1989: 9). Hier liegt also eine Wechselwirkung vor.
1. Einleitung: Hinführung zum Thema des „Teufelsgeigers“ Paganini und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich seiner dämonischen Zuschreibung.
2. Grundlagen: Erörterung des gesellschaftlichen und musikalischen Kontextes des 19. Jahrhunderts, insbesondere des Phänomens des Virtuosentums und des aufkommenden Starkults.
3. Paganini: Detaillierte Betrachtung von Paganinis Biographie, seiner medialen Inszenierung und den musikalischen Besonderheiten seines Spiels als Basis seines Images.
4. Der Teufel: Untersuchung der historischen Genese, Physiognomie und der kulturellen Verknüpfung des Teufelsbildes mit Musik und fahrenden Musikern.
5. Fazit: Zusammenfassende Analyse, dass Paganinis Erfolg auf einem bewussten Spiel mit existierenden gesellschaftlichen Ängsten und dem klugen Management seines eigenen Images basierte.
Niccolò Paganini, Teufelsgeiger, Virtuosentum, Musikgeschichte, Starkult, Teufelsbild, Romantik, Musik und Magie, Spielleute, Rezeption, Selbstinszenierung, Musikpsychologie, 19. Jahrhundert, diabolisch, Performance.
Die Bachelor-Arbeit analysiert, warum Niccolò Paganini von seinen Zeitgenossen als „Teufelsgeiger“ wahrgenommen wurde und welche historischen und kulturellen Faktoren diese Verbindung zum Übernatürlichen begünstigten.
Die Arbeit verknüpft Musikwissenschaft mit Kulturgeschichte, indem sie Themen wie das Virtuosentum des 19. Jahrhunderts, die Entstehung von Stars und die historische Wahrnehmung des Teufels in der Literatur und Musik untersucht.
Es soll geklärt werden, ob Paganinis Image als „Teufelsgeiger“ ein bloßes Zufallsprodukt war oder ob er sein Auftreten und seine Karriere bewusst mit den damals existierenden Ängsten und Mythen seines Publikums steuerte.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, in der historische Quellen, zeitgenössische Berichte und wissenschaftliche Sekundärliteratur zu Paganini, zur Musiksoziologie und zur Teufelsikonographie ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Paganinis Leben und Wirkung, eine historische Herleitung des Teufelsbildes sowie eine vergleichende Betrachtung der Rolle der mittelalterlichen Spielleute als „Diener des Teufels“.
Neben dem Hauptthema „Paganini“ sind Begriffe wie „Virtuosentum“, „Starkult“, „Teufelsbild“, „Selbstinszenierung“ und „Rezeption“ essenziell für die Arbeit.
Die Autorin sieht Parallelen in der unsteten Lebensweise, dem Berufsbild und der damaligen sozialen Marginalisierung beider Gruppen, die dazu führten, dass Paganini in den Köpfen der Menschen unreflektiert als „Spielleut-Typus“ eingeordnet wurde.
Ja, seine physische Erscheinung – beschrieben als hager, mit „dämonischer Hässlichkeit“ und besonderer Spielhaltung – wurde von Zeitgenossen als Bestätigung für seine vermeintliche Verbindung zu dunklen Mächten gesehen.
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