Masterarbeit, 2025
66 Seiten, Note: 2,3
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Hauptziel, zwei ausgewählte Unterrichtsmaterialien zum Thema Nationalsozialismus in der Grundschule hinsichtlich ihres Potenzials zur Förderung kompetenzorientierten historischen Lernens zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet dabei, inwiefern diese Materialien die Teilkompetenzen historischen Lernens, insbesondere im Hinblick auf narrative Kompetenz und problemorientierte Zugänge, unterstützen und fördern.
3.1 Narrative Kompetenz im historischen Lernen nach Pandel
Für die Analyse der Unterrichtsmaterialien wird insbesondere auf den geschichtsdidaktischen Ansatz der Narrativität nach Hans-Jürgen Pandel zurückgegriffen. In diesem Abschnitt wird der Theorieansatz lediglich in seinen Grundzügen dargestellt, da eine vertiefte Auseinandersetzung sowie die Verknüpfung mit den Unterrichtsmaterialien im Analysekapitel erfolgen. Laut Pandel lässt sich die narrative Kompetenz wie folgt definieren: „Narrative Kompetenz ist die Fähigkeit, aus zeitdifferenten Ereignissen durch Sinnbildung kohärente Geschichte herzustellen und mit erzählter Geschichte umzugehen“. Im Folgenden werden fünf zentrale Teilkompetenzen dargestellt, die auf der theoretischen Konzeption Pandels zur narrativen Kompetenz basieren. Sie wurden auf Grundlage seiner theoretischen Ansätze eigenständig systematisiert und herausgearbeitet. Diese abgeleiteten Teilaspekte bilden zugleich die Grundlage des analytischen Untersuchungsteils, da auf ihrer Basis ein Kriterienkatalog mit Analysefragen entwickelt wurde, um die Anwendbarkeit der Unterrichtsmaterialien im Hinblick auf die narrative Kompetenz zu untersuchen.
Die zentrale Teilkompetenz innerhalb der narrativen Kompetenz ist der Bereich Erzählen können. Die narrative Kompetenz zeigt sich nämlich im Bereich der mündlichen und schriftlichen Erzählfähigkeit, im Erzählen im alltäglichen Diskurssystem und im Ausführen von Erzählhandlungen. Diese Kompetenz beinhaltet, historische Zusammenhänge nicht nur faktisch wiederzugeben, sondern sie in eine kohärente, sinnvolle und reflektierte Erzählung zu überführen. Denn manche Aspekte der Geschichte lassen sich nicht allein durch Daten abbilden, sondern müssen als narrative Lerngegenstände verstanden werden. Nach Pandel können erzählkompetente SuS zeitlich auseinanderliegende Ereignisse aus Quellen auswählen und zu einer inhalts- und sprachlich kohärenten Geschichte verknüpfen. Sie achten dabei sowohl auf semantische Logik als auch auf syntaktischen Aufbau und verfassen eigenständig Erzählungen im Präteritum nach historiografischen Regeln. Zudem verfügen sie über die allgemeine narrative Fähigkeit, Zusammenhänge schlüssig darzustellen.
Ein weiteres zentrales Element narrativer Kompetenz stellt das Strukturverständnis dar, das sich im Erkennen und Anwenden historischer Strukturen wie z. B. Ursachen, Folgen, Wendepunkte etc. zeigt. Lernende müssen in der Lage sein, handelnde Instanzen innerhalb ihrer historischen Erzählung zu identifizieren und deren Handlungen konsistent darzustellen. Dabei stehen sie vor der Aufgabe zu entscheiden, ob individuelle Akteure, soziale Gruppen, Ideen oder abstrakte Konzepte als handelnde Instanzen fungieren. Die zeitliche Ordnung stellt ebenfalls eine Teilkompetenz der narrativen Kompetenz dar und meint die Fähigkeit, historische Ereignisse in eine korrekte zeitliche Abfolge zu bringen und sie in sinnvolle chronologische Zusammenhänge einzuordnen und dabei Anfangs- und Endpunkte einer Erzählung inhaltlich zu begründen. In diesem Zusammenhang spricht Pandel auch vom „kontrafaktischen Erzählen“. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, mit historischen Alternativen zu arbeiten und sich vorzustellen, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn bestimmte Ereignisse anders eingetreten oder ausgeblieben wären. Dieses Navigieren im Feld der Kontingenz, also dem Bewusstsein, dass historische Entwicklungen nicht zwangsläufig, sondern grundsätzlich offen und veränderbar sind, gehört zur Routine historiographischer Arbeit. Aufgabenformate wie „Was wäre, wenn ...?“ fördern bei SuS nicht nur ein tieferes Verständnis für die jeweilige historische Situation, sondern sensibilisieren sie auch für die Bedeutung einzelner Ereignisse im damaligen Kontext.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen und Notwendigkeit der Thematisierung des Nationalsozialismus in der Grundschule und stellt das Forschungsinteresse sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit vor.
2. Nationalsozialismus im Grundschulunterricht: Dieses Kapitel erörtert die Chancen und Herausforderungen historischen Lernens im Primarbereich und betont die didaktische Bedeutung einer altersgerechten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
3. Theoretischer Rahmen: Hier werden die geschichtsdidaktischen Konzepte der narrativen Kompetenz nach Pandel und der Problemorientierung nach Hensel-Grobe als analytische Grundlagen detailliert erläutert.
4. Analytisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt die qualitative Inhaltsanalyse und begründet die Auswahl der beiden Unterrichtsmaterialien, des Bilderbuchs "Papa Weidt" und des Films "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", sowie die Anwendung der entwickelten Analysekriterien.
5. Analyse der Unterrichtsmaterialien: Im Hauptteil der Arbeit werden die ausgewählten Materialien detailliert hinsichtlich ihrer Förderung narrativer Kompetenz und problemorientierter Zugänge untersucht und bewertet.
6. Optimierungsprozesse und didaktische Empfehlungen: Aufbauend auf den Analyseergebnissen werden konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Materialien und didaktische Empfehlungen für einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht abgeleitet.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zusammen, reflektiert die didaktische Relevanz der Befunde und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsvorhaben.
Nationalsozialismus, Grundschule, Historisches Lernen, Narrative Kompetenz, Problemorientierung, Unterrichtsmaterialien, Holocaust Education, Geschichtsdidaktik, Bilderbuch, Film, Kompetenzentwicklung, Altersgerechte Vermittlung, Perspektivübernahme, Sinnbildung, Zivilcourage.
Diese Arbeit analysiert, inwiefern ausgewählte Unterrichtsmaterialien (ein Bilderbuch und ein Film mit Begleitmaterialien) geeignet sind, kompetenzorientiertes historisches Lernen zum Thema Nationalsozialismus in der Grundschule zu fördern.
Die zentralen Themenfelder sind die didaktische Vermittlung des Nationalsozialismus in der Grundschule, die Förderung narrativer Kompetenz nach Pandel und die Anwendung problemorientierten Lernens nach Hensel-Grobe.
Das primäre Ziel ist die Analyse des Potenzials von Unterrichtsmaterialien zur Förderung kompetenzorientierten historischen Lernens, mit der Forschungsfrage: "Wie unterstützen und fördern die ausgewählten Unterrichtsmaterialien zur NS-Zeit im Grundschulbereich zentrale Teilkompetenzen historischen Lernens – insbesondere im Hinblick auf narrative Kompetenz und problemorientierte Zugänge?"
Es wird eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse zweier ausgewählter Unterrichtsmaterialien verwendet, die auf einem Kategorie-System mit deduktiv abgeleiteten Analysefragen basiert.
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse der Unterrichtsmaterialien "Bilderbuch Papa Weidt – Er bot den Nazis die Stirn" und "Film Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" hinsichtlich ihrer Förderung narrativer Kompetenz und problemorientierter Zugänge.
Nationalsozialismus, Grundschule, Historisches Lernen, Narrative Kompetenz, Problemorientierung, Unterrichtsmaterialien, Geschichtsdidaktik, Altersgerechte Vermittlung.
Didaktiker betonen, dass ein Schweigen angesichts des uneingeschränkten Informationszugangs realitätsfern ist und Kinder als kompetente Lernende frühzeitig eine selbstbestimmte Reflexion der deutschen Vergangenheit entwickeln sollten, um demokratische Haltungen zu fördern.
Kontrafaktisches Erzählen ist die Fähigkeit, mit historischen Alternativen zu arbeiten und sich vorzustellen, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn bestimmte Ereignisse anders eingetreten oder ausgeblieben wären, um das Verständnis für die Kontingenz historischer Entwicklungen zu vertiefen.
Es wird vorgeschlagen, bewusster auf offene und reflexive Aufgabenformate zurückzugreifen, kontrafaktische Überlegungen stärker einzubeziehen, eine systematischere Differenzierung nach Leistungsniveaus zu ermöglichen und ggf. echte, vereinfachte Quellen einzubinden.
Das Zuhörheft zum Bilderbuch fördert stärker das aktive Verfassen eigener narrativer Texte und die Reflexion über Perspektivwechsel, während die Arbeitsblätter zum Film mehr auf das Nachvollziehen emotionaler Reaktionen und die Identifikation mit der Protagonistin Anna abzielen, jedoch weniger explizite Aufgaben zur zeitlichen Ordnung bieten.
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