Doktorarbeit / Dissertation, 2021
248 Seiten, Note: sehr gut
Ziel dieser Arbeit ist es, die Gesundheitssysteme in Österreich und Amerika rechts- und gesundheitspolitisch zu vergleichen sowie ihre Strukturen und Ablauforganisationen zu analysieren. Dabei sollen Reformansätze des "New Public Managements" auf das österreichische Gesundheitswesen übertragen und Public Health-relevante Modelle zur Erklärung und Verbesserung des Gesundheitsverhaltens in beiden Ländern vorgestellt werden.
8.1 Die Gesundheitssysteme in Österreich und Amerika im Vergleich
Ein Vergleich der Krankenversicherungssysteme zwischen Österreich und den USA ist nicht einfach, weil es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Systeme handelt. Beruht das österreichische System auf einem Solidarsystem, das auf den Bismarck’schen Grundsäulen aufgebaut ist, handelt es sich bei dem System der USA um ein grundsätzlich singuläres System in der Welt. Das US-amerikanische Gesundheitssystem ist marktwirtschaftlich orientiert. Der freie Markt regelt den Zugang zu den Gesundheitsleistungen und den Versicherungsanbietern.
Das Gesundheitssystem Österreichs ist eine überwiegend durch die öffentliche Hand organisierte und finanzierte Institution. Das bedeutet, dass die Ausgaben für die Gesundheit aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Die Finanzierung erfolgt über Steuereinnahmen und aus den Sozialversicherungsbeiträgen. Eine zusätzliche Finanzierungsquelle sind private Zahlungen wie beispielsweise Rezeptgebühren oder bei Krankenhausaufenthalten eine zusätzliche Tagegeldzahlung der Patienten an den Krankenhausträger.
Das österreichische Modell des Gesundheitssystems stellt eine Pflichtversicherung dar und ermöglicht allen Bürgern den gleichen Zugang zu allen gesundheitsbezogenen Leistungen. Alter, Sozialstatus und Wohnort, aber auch die Herkunft sind kein Kriterium, die zum Ausschluss von den sozialen Leistungen führen. Auch die Art der zu erbringenden Leistung ist kein Kriterium zum Ausschluss der Person von den reinen Gesundheitsleistungen. Explizit ausgenommen sind medizinisch nicht indizierte Eingriffe, sogenannte Schönheitsoperationen, also eine ärztliche Behandlung nur für kosmetische Zwecke, die von den Patienten selbst bezahlt werden müssen. Die Solidargemeinschaft wird durch diese operativen Eingriffe auf Verlangen der Patienten nicht belastet.
Weil das österreichische Gesundheitssystem nach dem Solidarprinzip aufgebaut ist, es andererseits eine Pflichtversicherung darstellt, ist die Versicherung an eine Erwerbstätigkeit gebunden. Mitversichert sind Familienangehörige ebenso wie auch Paare, die in einer Lebensgemeinschaft leben. Rentenempfänger und Arbeitslose sind gleichermaßen versichert.
Die Gleichstellung aller Versicherten – derzeit nahezu 99 % der Bevölkerung Österreichs – führt dazu, dass die Gesundheitsleistungen für alle bei den öffentlichen Gesundheitsanbietern nahezu identisch sind bei gleichwertiger Vergütung. Es existieren zwar auch in Österreich private Anbieter (Ärzte, Fachärzte, Krankenhäuser). Diese sind jedoch nicht an die Vergütungshöhe der öffentlichen Leistungsanbieter gebunden. Die über die öffentliche Vergütung hinausgehende Vergütung muss vom Patienten privat bezahlt werden.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein, definiert die Forschungsfragen und Ziele der Arbeit und skizziert die verwendete Methodik sowie den Aufbau der Untersuchung.
2 Begriffsbestimmungen: Hier werden zentrale Konzepte wie Gesundheitspolitik, Gesundheitswissenschaft, Gesundheitswesen, -system, -reform, Gesundheitsförderung, Prävention, New Public Health, New Public Management, Qualität und Patientensicherheit erläutert.
3 Grundlagen und Aufbau des österreichischen Gesundheitssystems: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die verfassungsrechtlichen Kompetenzgrundlagen, die Rolle des Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetzes sowie die Planung, Organisation und Finanzierung der österreichischen Gesundheitseinrichtungen.
4 Planung, Organisation und Finanzierung des österreichischen Gesundheitswesens: Vertiefende Darstellung der Rechtsgrundlagen der Zielsteuerung-Gesundheit, der Planungsprozesse im Gesundheitswesen, des Österreichischen Strukturplans Gesundheit (ÖSG) und der regionalen Strukturpläne sowie der Spitalsfinanzierung und des LKF-Systems.
5 Die neue Struktur der Sozialversicherung in Österreich: Dieses Kapitel behandelt die Aufgaben des österreichischen Sozialrechts, die gesetzlichen Sozialleistungen, die Struktur der Sozialversicherung nach der Reform und spezifische Sozialversicherungsträger sowie das Pflegegeld und die Problematik der Nichtversicherung.
6 Grundlagen und Aufbau des amerikanischen Gesundheitssystems: Es werden die staatlichen Versicherungsprogramme, das marktwirtschaftlich orientierte System mit privaten Krankenversicherungen, die Finanzierung, Leistungserbringung, Qualitätsvergleiche und Reformen des US-Gesundheitssystems analysiert.
7 Public Health als nationale, multidisziplinäre Aufgabe: Dieses Kapitel definiert Public Health, legt die Grundlagen der Gesundheitsförderung dar und stellt relevante Modelle zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens sowie den Zusammenhang von Bildung, Krankheitsprävalenz und sozioökonomischem Status vor, inklusive der Problematik der Defensivmedizin.
8 Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die Gesundheitssysteme in Österreich und Amerika vergleichend diskutiert, soziallagenbezogene Maßnahmen zur gesundheitlichen Chancengleichheit erörtert und Limitationen der Arbeit sowie Empfehlungen für weiterführende Untersuchungen aufgezeigt.
9 Schlussfolgerungen und Erkenntnisse: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, insbesondere die Bewertung der aktuellen Gesundheitssysteme als „Krankheitssysteme“ und die unzureichende Umsetzung des salutogenetischen Konzepts.
10 Beantwortung der Forschungsfragen: Die in der Einleitung gestellten Forschungsfragen werden basierend auf den Analyseergebnissen detailliert beantwortet, insbesondere hinsichtlich der Effektivität von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen.
11 Zusammenfassung und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel bietet eine komprimierte Übersicht der Arbeit und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen und notwendige Reformen in der Gesundheitspolitik, auch im Hinblick auf eine Harmonisierung in der EU.
Gesundheitssystem Österreich, Gesundheitssystem USA, Public Health, Gesundheitswesen, Gesundheitspolitik, Zugang, Zugangsbarrieren, New Public Management, Salutogenese, Sozialversicherung, Krankenanstalten, Gesundheitsförderung, Prävention, Chancengleichheit.
Diese Arbeit befasst sich mit einem politik- und gesundheitswissenschaftlichen Ländervergleich der Organisation der Leistungserbringung im Gesundheitswesen in Österreich und den USA, um deren Strukturen und Reformansätze zu analysieren.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Rechtsgrundlagen beider Gesundheitssysteme, deren Organisation und Finanzierung, Public Health-relevante Modelle zur Verhaltensverbesserung und die Auswirkungen sozioökonomischer Faktoren auf die Gesundheit.
Das primäre Ziel ist es, die Gesundheitssysteme in Österreich und Amerika vergleichend darzustellen, deren Aufbaustrukturen und Ablauforganisationen zu analysieren und Reformansätze des "New Public Managements" auf das österreichische System zu übertragen.
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird ein Literatur-Review verwendet, bei dem bestehendes Wissen gesammelt, gegenübergestellt und kritisch analysiert wird, ohne neues Wissen zu generieren.
Der Hauptteil behandelt die Grundprinzipien, Rechtsnormen, Organisation, Steuerung, Finanzierung und den Versicherungsschutz beider Gesundheitssysteme, die Rolle des Staates im Gesundheitswesen sowie Public Health als multidisziplinäre Aufgabe.
Schlüsselwörter wie Gesundheitssystem Österreich, Gesundheitssystem USA, Public Health, Gesundheitswesen, Gesundheitspolitik, Zugang, Zugangsbarrieren, New Public Management, Salutogenese, Sozialversicherung, Gesundheitsförderung und Prävention charakterisieren die Arbeit.
Die Arbeit argumentiert, dass Gesundheitssysteme oft als "Krankheitssysteme" bezeichnet werden, weil primär die Behandlung von Krankheiten finanziert wird und Leistungserbringer durch die Heilung von Krankheiten Geld verdienen, während Gesundheitsförderung und Prävention nur begrenzt gefördert werden.
Die "Artikel 15a Vereinbarungen" sind Staatsverträge zwischen Bund und Ländern, die die Organisation und Finanzierung des öffentlichen Gesundheitswesens regeln und dazu dienen, die zersplitterten Kompetenzen zu koordinieren und die Zusammenarbeit zu verbessern, obwohl sie oft Gegenstand politischer Konflikte sind.
Das US-amerikanische System ist marktwirtschaftlich orientiert mit minimalen staatlichen Eingriffen und rein privater Finanzierung, während das österreichische System auf einem Bismarck'schen Solidarsystem mit Pflichtversicherung, öffentlicher Organisation und Finanzierung basiert, die allen Bürgern gleichen Zugang zu Leistungen ermöglichen soll.
Das "New Public Management" bezieht sich auf Verwaltungsreformen und den Einsatz von Managementtechniken aus der Privatwirtschaft in öffentlichen Verwaltungen. Ziel ist die Übertragung funktionsorientierter und verwaltungsvereinfachender Reformansätze auf das österreichische Gesundheitswesen, um Effizienz und Dienstleistungsqualität zu steigern.
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