Masterarbeit, 2010
52 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theoretische Überlegungen zur Systemtransformation und Mediensystemen
2.1. Systemtransformation in Mittel- und Osteuropa
2.2. Typen und Entwicklungen von Mediensystemen
2.3. Medien im Kontext von Politik, Gesellschaft und Systemtransformation
2.4. Zusammenfassung des Theorieteils
3. Methode
3.1. Warum eine vergleichende Länderstudie?
3.2. Auswahl der Beispielländer
3.3. Quellenlage
4. Die Entwicklung der Mediensysteme in Tschechien, Bulgarien und Russland
4.1. Tschechien
4.2. Bulgarien
4.3. Russland
5. Vergleich der Mediensysteme und Darstellung der Ergebnisse
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, warum sich die Mediensysteme in Tschechien, Bulgarien und Russland trotz vergleichbarer Ausgangslage nach der postkommunistischen Wende so unterschiedlich entwickelt haben. Das primäre Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Transformationsprozessen und der Ausgestaltung von Mediensystemen zu identifizieren und die Rolle von Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit zu beleuchten.
4.1. Tschechien
Vor der Wende, der so genannten Samtenen Revolution in der damaligen Tschechoslowakei, zeichneten sich die Massenmedien durch eine starke Treue zum kommunistischen Regime aus. Dies ist in ersten Linie auf die Regimetreue der betreffenden Akteure zurückzuführen, welche die politische Führung als Reaktion auf den Prager Frühling 1968/69 einsetzte. Alle acht offiziellen tschechischen Tageszeitungen, die bis 1989 existierten, waren in Besitz und unter Kontrolle des Staates. Allerdings entwickelte sich die Untergrundzeitung Lidove noviny, welche nach der Wende legalisiert wurde und bis heute existiert, zu einem populären, kritischen Printmedium.
Auch Hörfunk und Fernsehen waren bis 1989 vollständig unter der Kontrolle des Staates. Nach Artikel 28 der damaligen Verfassung der Tschechoslowakei waren zwar Rede- und auch Pressefreiheit garantiert, allerdings wurde diese durch Artikel 19 de facto marginalisiert. Dort wurde nämlich festgeschrieben, dass dies nur im Einklang mit den Interessen des werktätigen Volkes gelte, womit es faktisch vollständig im Ermessen (und damit der Willkür) des Regimes stand, wie viel Pressefreiheit man gewähren wollte.
Durch ihre Regimetreue trugen die Medien sehr wenig zur politischen und gesellschaftlichen Wende 1989 und zum Sturz des Regimes bei. Die angesprochenen Untergrundmedien waren nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich. Deshalb reagierten die Medien nur sehr langsam und zögerlich auf die Proteste der Samtenen Revolution, allerdings hatten auch viele Tschechen Zugang zu westlichen Medien.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, warum sich die Mediensysteme in Tschechien, Bulgarien und Russland nach der Wende unterschiedlich entwickelt haben, und umreißt das Ziel einer vergleichenden Analyse.
2. Theoretische Überlegungen zur Systemtransformation und Mediensystemen: Es werden politikwissenschaftliche und kommunikationswissenschaftliche Theorien verknüpft, um vier Kriterien für den Vergleich der Medienentwicklung in Transformationsgesellschaften zu definieren.
3. Methode: Begründung der Wahl einer komparativen Länderstudie und Darstellung der Kriterien für die Auswahl der untersuchten Staaten sowie der verwendeten Quellenlage.
4. Die Entwicklung der Mediensysteme in Tschechien, Bulgarien und Russland: Detaillierte chronologische Analyse der Medienentwicklung in den drei Beispielstaaten von der Zeit vor der Wende bis zum Untersuchungszeitraum.
5. Vergleich der Mediensysteme und Darstellung der Ergebnisse: Synthese der Ergebnisse, bei der die Länder anhand der zuvor definierten Kriterien verglichen werden, um Thesen über die Medienentwicklung aufzustellen.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Möglichkeit, das methodische Konzept auf weitere Länder anzuwenden.
Systemtransformation, Mediensysteme, Tschechien, Bulgarien, Russland, Medienpluralismus, Rechtsstaatlichkeit, politischer Pluralismus, Transformationsgesellschaften, Pressefreiheit, Instrumentalisierung, osteuropäische Medien, Medienentwicklung, politische Kommunikation, Journalismus.
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Mediensysteme in den postkommunistischen Ländern Tschechien, Bulgarien und Russland, um die Gründe für deren unterschiedliche Transformation zu verstehen.
Es werden Tschechien als Beispiel für erfolgreich transformierte Staaten, Bulgarien für Südosteuropa und Russland als Beispiel für ein autoritäres System verglichen.
Die Forschungsfrage lautet, warum sich Mediensysteme trotz ähnlicher Ausgangslage nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in zwei Jahrzehnten so unterschiedlich entwickelt haben.
Die Arbeit nutzt die komparative Methode, um durch einen systematischen Vergleich der drei Länder generalisierbare Thesen zur Entwicklung von Mediensystemen in Transformationsstaaten abzuleiten.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Mediensysteme sowie deren aktuelle Situation unter Einbeziehung von politischem Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, Medienpluralismus und ökonomischen Faktoren.
Zu den zentralen Begriffen zählen Systemtransformation, Medienpluralismus, Rechtsstaatlichkeit, politische Instrumentalisierung sowie spezifisch die Medienlandschaften in Tschechien, Bulgarien und Russland.
Während in Tschechien eine Emanzipation der Medien vom politischen System gelungen ist, ist dies in Russland gescheitert, da Medien dort als Instrument der politischen Führung fungieren.
Die Arbeit zeigt, dass eine schwache wirtschaftliche Situation die Medien anfällig für externe Einflussnahme, etwa durch Oligarchen oder staatliche Stellen, macht, was die redaktionelle Unabhängigkeit gefährdet.
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