Examensarbeit, 2010
59 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Das Volksmärchen
2.1 Merkmale des Volksmärchen
2.2 Symbole
2.3 Abgrenzung zu verwandten Gattungen
3. Die Entstehungsgeschichte und die Quellen der KHM
4. Weibliche Figuren in den KHM als Spiegel gesellschaftlicher Ordnungen und sozialer Bedingungen des 19. Jahrhunderts
4.1 Die Hexe als historische Figur
4.2 Die Hexe als fiktive Figur in den Kinder und Hausmärchen
4.3 Die Mutter/ Stiefmutter als historische Figur
4.4 Die Mutter/ Stiefmutter als fiktive Figur in den Kinder- und Hausmärchen
5. Der passive und der aktive Typ in den Kinder- und Hausmärchen
5.1 Der „passive Typ“ Dornröschen
Interpretation des KHM 50 und Analyse der weiblichen Figuren
5.2 Gretel als „aktive Märchenheldin“
Interpretation des KHM 15 und Analyse der weiblichen Figuren
6. Die Ehe und Familie im Märchen
7. Geschwisterbeziehungen im Märchen
8. Der Alltag im Märchen
9. Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher Rollen in den Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm vor dem Hintergrund soziohistorischer Bedingungen des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, Motive für die spezifische Ausgestaltung von Frauenfiguren zu identifizieren und dabei zu analysieren, inwiefern Märchen gesellschaftliche Normen und patriarchale Strukturen widerspiegeln oder durchbrechen.
4. 1 Die Hexe als historische Figur
„Die Hexe blickt uns aus tiefroten Augen an. Auf ihrer Schulter hockt ein Rabe oder eine schwarze Katze. Sie ist bucklig, lange Zähne stehen aus ihrem Mund hervor. Ungekämmt, mit krächzender Stimme, die Nase so krumm wie ihre Krücke, schlurft sie den Kindern oder Königssöhnen entgegen.“64
In so grell überzeichneten Bildern wird die Hexe in den KHM geschildert. Oft wird sie, wie auch die Stiefmutter, sogar als Kannibalin beschrieben, die es besonders auf kleine Kinder abgesehen hat. Am Ende wird sie für ihre bösen Absichten bestraft. Die Hexe, die ihr Ende mit dem Kopf voran, in einem Backofen findet, erinnert an die zum Tode verurteilten, welche ihren Kopf auf den Richtblock legten, oder eben auch an den Tod durch Feuer, den sogenannte „Hexen“ in der realen Welt noch bis in die Frühe Neuzeit häufig fanden.
„Eine Bestrafung der H. ist stets ein Todesurteil. Die Hinrichtungsformen erscheinen grausam (…), entsprechen jedoch z. T. hist. Strafen wie Ertränken (KHM 9, AaTh 451: Mädchen sucht seine Brüder; KHM 13, cf. AaTh 403: die schwarze und die weiße Braut; cf. auch Nagelfaß), Zerreißen durch wilde Tiere (KHM 11) und vor allem Verbrennen (KHM 9, 15). Bes. der Feuertod verweist auf die hist. Hexenprozesse.“65
Da die Hexe des Märchens zahlreiche Parallelen zu jenen Frauen aufzuweisen scheint, welche im Mittelalter und auch noch zu Beginn der frühen Neuzeit als Hexen verfolgt wurden, soll zunächst ein Blick auf den historischen Hintergrund geworfen werden.
1. Einleitung: Einführung in das Thema Märchen, deren Wahrheitsgehalt und die Relevanz der Untersuchung von Frauenfiguren in den KHM.
2. Das Volksmärchen: Definition und Abgrenzung des Volksmärchens, sowie Erläuterung von Merkmalen, Symbolen und verwandten Gattungen.
3. Die Entstehungsgeschichte und die Quellen der KHM: Darstellung der Entstehungsprozesse und Quellen der Grimmschen Märchensammlung und deren Bearbeitung durch die Brüder.
4. Weibliche Figuren in den KHM als Spiegel gesellschaftlicher Ordnungen und sozialer Bedingungen des 19. Jahrhunderts: Untersuchung der Rollenbilder von Hexe, Mutter und Stiefmutter in Bezug auf historische Realitäten.
5. Der passive und der aktive Typ in den Kinder- und Hausmärchen: Kontrastive Analyse der weiblichen Rollen anhand der Fallbeispiele Dornröschen und Gretel.
6. Die Ehe und Familie im Märchen: Diskussion der Darstellung von Eheverhältnissen, Geschlechterkonflikten und familiären Strukturen im Märchen.
7. Geschwisterbeziehungen im Märchen: Analyse von Geschwisterkonflikten und Solidarität als zentrale Gemeinschaftsmotive.
8. Der Alltag im Märchen: Betrachtung des Realitätsbezugs im Märchen durch die Darstellung von Alltagssituationen und sozialer Not.
9. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der Ergebnisse bezüglich des Frauenbildes und des Realitätsgehalts im Märchen.
Märchen, Brüder Grimm, KHM, weibliche Rollenbilder, Hexe, Stiefmutter, Dornröschen, Gretel, Volksmärchen, soziohistorischer Hintergrund, Geschlechterrollen, Symbolik, Adoleszenz, Familienstrukturen, Sozialkritik
Die Arbeit analysiert die Darstellung und soziohistorische Einbettung von weiblichen Figuren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Im Zentrum stehen Frauenrollen (Hexe, Stiefmutter, Heldin), das Zusammenspiel von Märchen und gesellschaftlicher Wirklichkeit im 19. Jahrhundert sowie die Symbolik der Märchen.
Es soll untersucht werden, wie sich reale gesellschaftliche Bedingungen und Rollenerwartungen der Entstehungszeit in der Darstellung von Frauenfiguren in den KHM widerspiegeln.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung psychologischer Deutungsansätze, soziohistorischer Kontexte und des Vergleichs verschiedener Märchenfassungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Gattungsbestimmung des Volksmärchens und eine detaillierte Analyse spezifischer weiblicher Figurentypen sowie exemplarische Interpretationen von Dornröschen und Gretel.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie KHM, Geschlechterrollen, Hexe, Stiefmutter, Sozialkritik, Symbolik und das Spannungsfeld zwischen Passivität und Aktivität definiert.
Dornröschen wird als passiver Typus analysiert, der auf äußere Erlösung wartet, während Gretel durch ihr aktives Handeln bei der Überwältigung der Hexe als aktive Märchenheldin hervortritt.
Das Stiefmuttermotiv wird als Spiegel historischer Familienkonflikte und als psychologische Externalisierung böser Anteile der Mutterfigur gedeutet, um die „gute Mutter“ in der Vorstellung des Kindes zu bewahren.
Die Bearbeitungen dienten primär der pädagogischen Anpassung an ein bürgerliches Lesepublikum, wobei anstößige oder als nicht passend empfundene Inhalte entfernt wurden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

