Magisterarbeit, 2001
109 Seiten, Note: 1,0
0 Einleitung
0.1 Vorbemerkung
0.2 Vorhaben: Foucaults Nietzsche
0.3 Vorgehensweise
0.4 Zitierweise
1 Foucaults Nietzsche-Rezeption in der deutschen Sekundärliteratur
1.1 Vorbemerkung
1.2 Auswahl der Schriften Foucaults
1.3 Thematische Anknüpfungspunkte
1.3.1 Machtanalytik
1.3.2 Ausschlußmechanismen
1.3.3 Moralische Fragen, Konzept der Ästhetik der Existenz
1.3.4 Subjektbegriff, Kritik am Anthropozentrismus
1.4 Methodische Anknüpfungspunkte
1.4.1 Archäologie und Genealogie
1.4.2 Geschichtsschreibung
1.5 Weiterführungen Foucaults
2 Die französische Nietzsche-Rezeption vor 1960
2.1 Nietzsches „französische Augenblicke“
2.2 Erste Phase: Nietzsche in Frankreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.3 Zweite Phase: Die Nietzsche-Rezeption in der französischen Germanistik
2.3.1 Erster Weltkrieg und Dreißiger Jahre
2.3.2 Nietzsche-Rezeption in Frankreich vor dem Hintergrund des deutschen Nationalsozialismus
2.4 Dritte Phase: Beginn der philosophischen Nietzsche-Rezeption
2.4.1 Die „Wiedergutmachung an Nietzsche“ im Acéphale
2.4.2 Georges Bataille
2.4.3 Pierre Klossowski
2.4.4 Jean Wahl
2.4.5 Maurice Blanchot
2.5 Zusammenfassung: Themen der philosophischen Nietzsche-Rezeption in Frankreich vor 1960
2.6 Foucaults Bezug zu Bataille und Blanchot
3 Nietzsche bei Foucault
3.1 Nietzsche als Anleitung zum Selbstdenken
3.2 Foucaults Umgang mit Nietzsche
3.2.1 Nietzsche ernst nehmen
3.2.2 Zeitliche Einordnung
3.2.3 Zusammenhang mit der impliziten Nietzsche-Rezeption
3.3 Thematische Übernahmen von Nietzsche
3.3.1 Tod Gottes, Ende des Menschen
3.3.2 Veränderter Subjektbegriff
3.3.3 Weitere Themen
3.4 Methodisches Interesse an Nietzsche
3.4.1 Genealogie als direkte Anlehnung an Nietzsche
3.4.2 Unzulänglichkeit und Unendlichkeit der Interpretation
3.4.3 Erweiterung der Philosophie
4 Zusammenfassung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die systematische Untersuchung jener Texte von Michel Foucault, in denen er sich ausdrücklich mit Friedrich Nietzsche auseinandersetzt. Dabei wird erforscht, an welchen Stellen und auf welche Weise Foucault eine direkte Rezeption vollzieht und wie diese in den Kontext seiner allgemeinen Werkphilosophie und der zeitgenössischen französischen Nietzsche-Rezeption eingebettet ist.
Die „Wiedergutmachung an Nietzsche“ im Acéphale
Ein ganz anderer als der bisher geschilderte Nietzsche wird dem französischen Publikum in der Zeitschrift Acéphale (dt.: Kopflos) präsentiert, die zwischen 1936 und 1939 in fünf Ausgaben erscheint und hauptsächlich von Georges Bataille herausgegeben wird. Hier wird ein Nietzsche dargestellt, dem entgegen zahlreicher Entstellungen dazu verholfen werden soll, so weit dies möglich ist, mit eigener Stimme zu sprechen. Die Nietzsche-Rezeption Batailles und des Acéphale, sowie das Unternehmen der Wiedergutmachung spielen in der Sekundärliteratur eine eher untergeordnete Rolle.
Im Juni 1936 erscheint in Paris die erste Ausgabe des Acéphale. Auf dem Titelblatt ist abgebildet, was sich die Herausgeber unter einem Acéphale vorstellen: ein Mensch mit ausgebreiteten Armen und ohne Kopf, an der Stelle des Geschlechtes sitzt ein Totenkopf. Die Eingeweide sind sichtbar. Die Zeichnung stammt von dem Maler und Grafiker André Masson. Als Herausgeber sind v.a. Georges Bataille, Pierre Klossowski und später auch Jean Wahl zu nennen, weitere Mitarbeiter sind Jean Rollin, Roger Caillois und Jules Monnerot.
Die Herausgeber bezeichnen sich als „heftig religiös“ und tatsächlich scheint das, was sie in den insgesamt fünf erscheinenden Ausgaben unternehmen, von dem beständigen Bestreben getragen, Religion ohne Gott zu finden oder zu beschreiben. Immer wieder wird der Versuch unternommen, die Konsequenzen und Möglichkeiten zu bestimmen, die sich dem Menschen nach dem von Nietzsche verkündeten Tod Gottes ergeben. Die Gestalt des Acéphale wird als der Mensch vorgestellt, der ohne Gott lebt und leben muß: „Er ist kein Mensch. Aber er ist auch kein Gott. Er ist nicht ich, denn er ist mehr ich als ich: sein Bauch ist das Labyrinth, in dem er sich selbst verirrt hat [...]“ (Bataille, ŒC I 445). Das Zentrum dieses Wesens ist nicht mehr der Kopf, der zuvor Ausdruck der Reduktion auf Gott gewesen sei, wie in der zweiten Nummer des Acéphale erklärt wird.
0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein und erläutert die Relevanz von Nietzsches Denken für Foucault sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
1 Foucaults Nietzsche-Rezeption in der deutschen Sekundärliteratur: Dieses Kapitel skizziert die verschiedenen Positionen der deutschen Foucault-Interpretation hinsichtlich des Nietzsche-Einflusses und ordnet sie thematisch sowie methodisch ein.
2 Die französische Nietzsche-Rezeption vor 1960: Der Abschnitt analysiert die philosophische Rezeption von Nietzsche in Frankreich vor 1960, insbesondere durch Denker wie Bataille, Klossowski, Wahl und Blanchot, die für Foucault prägend waren.
3 Nietzsche bei Foucault: Das Kernkapitel untersucht die expliziten Äußerungen Foucaults zu Nietzsche, wobei methodische Anleihen, interpretatorische Zugänge und das Konzept der Philosophie als Erweiterung analysiert werden.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die Rolle Nietzsches als Ausgangspunkt für Foucaults eigenes philosophisches Arbeiten.
Michel Foucault, Friedrich Nietzsche, Genealogie, Machtanalytik, Georges Bataille, Tod Gottes, Ästhetik der Existenz, Diskursanalyse, französische Philosophie, Subjektbegriff, Interpretationsmethode, Wirkliche Historie, Wissensarchäologie, Ethik, Poststrukturalismus.
Die Arbeit untersucht, wie Michel Foucault explizit auf das Denken Friedrich Nietzsches Bezug nimmt und an welchen Stellen er sich direkt auf ihn beruft.
Im Zentrum stehen die Machtanalytik, der Subjektbegriff, die genealogische Methode und das Konzept der „wirklichen Historie“.
Das Ziel ist die Systematisierung der Texte, in denen Foucault ausdrücklich über Nietzsche spricht, um deren systematische Einordnung in sein Gesamtwerk zu ermöglichen.
Es wird eine hermeneutisch-analytische Methode angewandt, die Foucaults Aussagen zu Nietzsche mit der bestehenden Sekundärliteratur und dem zeitgenössischen französischen Diskurs abgleicht.
Der Hauptteil analysiert explizite Nietzsche-Referenzen bei Foucault, insbesondere in Bezug auf methodische Fragen, das Interpretationsverständnis und die Erweiterung des philosophischen Feldes.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Genealogie, Macht, Subjekt, Tod Gottes, Interpretation und die französische Rezeptionsgeschichte.
Foucault sieht sich in der Tradition von Denkern wie Bataille und Blanchot, da diese Nietzsche nicht als System, sondern als Ausgangspunkt für eigene, grenzüberschreitende Denkexperimente nutzten.
Während die klassische Germanistik Nietzsche oft systematisierend-historisch betrachtete, nähert sich Foucault ihm methodisch an, um ihn als Werkzeug für die Diagnose aktueller Machtstrukturen zu gebrauchen.
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