Masterarbeit, 2010
84 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Die Krise der politischen Repräsentation
2.1 Erosion oder Wandel von sozialstrukturellen Bindungen
2.2 Der Wahlakt als Marktakt oder die Bedeutung von Weltanschauungen und sozialem Kapital
2.3 Die Auswirkungen auf das deutsche Parteiensystem
3 Die FDP – Aufstieg seit 2001, Gewinn 2009 und Verlust 2010
3.1 Die Neuausrichtung der Partei ab 2001
3.2 Die starke Mobilisierung von Wählern vor und während der Bundestagswahl 2009
3.3 Von der Bundestagswahl zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2010 – Wo sind die Mobilisierten hin?
4 Die Piratenpartei – Eine neue Anti-Parteien-Partei?
4.1 Von der Gründung 2006 bis zur Bundestagswahl 2009 – Entdeckung eines neuen Wählerpotentials im Internet?
4.1.1 Sympathisanten, Wähler und Aktive
4.1.2 Inhalte und Kommunikation über das Internet
4.2 In die Parlamente oder APO 2.0? – Richtungsentscheidungen nach der Bundestagswahl 2009
5 Zusammenfassung und Ergebnisse – Was sagen uns die Phänomene?
5.1 Die Wähler als Akteure im Mittelpunkt: Parallelen zwischen den Phänomenen
5.2 Krisenphänomene oder Wandel der politischen Kultur?
6 Schluss und Fazit
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die Krise der politischen Repräsentation in Deutschland, indem sie das Wählerverhalten und die Strategien der FDP sowie der Piratenpartei in den Kontext des sich wandelnden Parteiensystems setzt und untersucht, ob es sich um krisenhafte Instabilitäten oder einen transformativen Wandel der politischen Kultur handelt.
2 Die Krise der politischen Repräsentation
Zunächst ordne ich meine Arbeit in den aktuellen Forschungsstand ein, besonders hinsichtlich der Theorien über die Erklärungsmöglichkeiten des vornehmlich deutschen Wahlverhaltens und des daraus resultierenden Parteiensystems. Natürlich sind diese Theorien, die hier zur Anwendung kommen, nicht nur für den deutschen Kontext gedacht oder stammen aus diesem. Aber ich werde aufgrund meiner Fokussierung auf das deutsche Parteiensystem und zwei deutsche Beispiele die Theorien nur hinsichtlich ihres Gehalts auf die deutschen Verhältnisse bearbeiten. Außerdem verfolge ich hauptsächlich die sozialstrukturelle Debatte, da diese mir für die Erklärung des Wählerverhaltens und des Zustands der Gesellschaft in ihrer Beziehung zum politischen Feld am sinnvollsten erscheint.
Die grundsätzliche Frage, die in diesem Teil meiner Arbeit beantwortet werden soll, ist, wie politische Repräsentation überhaupt geschehen kann und auf welcher Grundlage diese erfolgt. Niklas Luhmann schreibt hierzu aus der Sichtweise der System- und Demokratietheorie: „Ihr Thema sieht sie infolgedessen im Problem der Übertragung von Erwartungen, Interessen und Forderungen aus dem Bereich des Publikums in den Bereich der Politik und Verwaltung, also in die Entscheidungsprozesse des politischen Systems, und in der Verwandlung privater in öffentliche, partikularer in allgemeine Interessen, die dadurch vermeintlich vollzogen wird.“ (Luhmann 2010: 397) An diesem Problem setzt die Aufgabe für die Parteien bei der Repräsentation an. Sie müssen Werte, Einstellungen und Interessen aus den alltäglichen Zusammenhängen in das politische Feld oder, wie Luhmann es nennen würde, in das politische Funktionssystem übersetzen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Krise der Volksparteien ein und erläutert die Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Arbeit anhand der Beispiele FDP und Piratenpartei.
2 Die Krise der politischen Repräsentation: Das Kapitel verortet die Arbeit im aktuellen Forschungsstand und erläutert theoretische Konzepte zur politischen Repräsentation sowie sozialstrukturelle Erklärungsmodelle für Wählerverhalten.
3 Die FDP – Aufstieg seit 2001, Gewinn 2009 und Verlust 2010: Hier wird die strategische Entwicklung der FDP analysiert, insbesondere die Mobilisierung zur Bundestagswahl 2009 und der anschließende Vertrauensverlust bis zur Landtagswahl 2010.
4 Die Piratenpartei – Eine neue Anti-Parteien-Partei?: Dieses Kapitel untersucht die Entstehung und Entwicklung der Piratenpartei, deren Wählerpotenzial, die Nutzung des Internets als Kommunikationsmedium sowie die innerparteilichen Herausforderungen.
5 Zusammenfassung und Ergebnisse – Was sagen uns die Phänomene?: Eine Synthese der untersuchten Phänomene wird vorgenommen, wobei Parallelen zwischen FDP und Piraten hinsichtlich der Wähler mobilisierung und der Krise der Repräsentation aufgezeigt werden.
6 Schluss und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Krise der politischen Repräsentation als strukturelles Problem des gesamten politischen Feldes, das über bloße Parteienverdrossenheit hinausgeht.
Politische Repräsentation, Parteiensystem, FDP, Piratenpartei, Wahlverhalten, Sozialstrukturelle Bindungen, Soziales Kapital, Volksparteien, Bundestagswahl 2009, Politikverdruss, Mobilisierung, Internet, Politische Kultur, Interessenpartei, Repräsentationskrise.
Die Arbeit untersucht das deutsche Parteiensystem vor dem Hintergrund einer wahrgenommenen Krise der politischen Repräsentation und analysiert, wie sich das Wählerverhalten durch neue politische Phänomene verändert hat.
Die Autorin konzentriert sich auf zwei spezifische Beispiele: die FDP, als etablierte Partei mit einer turbulenten Wahlgeschichte, und die Piratenpartei, als neues, aus dem Internet entstandenes Phänomen.
Ziel ist es zu ergründen, ob die beobachteten Veränderungen im Wahlverhalten lediglich kurzfristige Krisenphänomene sind oder auf einen tiefergehenden Wandel der politischen Kultur und des Parteienwettbewerbs in Deutschland hindeuten.
Die Arbeit nutzt insbesondere die sozialstrukturelle Debatte und Theorien über das politische Feld (u.a. unter Rückgriff auf Luhmann, Bourdieu und Vester), um die Beziehung zwischen Wählern und Parteien zu erklären.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Repräsentationskrise, eine detaillierte Nachzeichnung des Aufstiegs und Abstiegs der FDP nach 2009 sowie eine Analyse der Entstehung und der inhaltlichen Ausrichtung der Piratenpartei.
Das Internet fungiert für die Piratenpartei sowohl als inhaltliches Kernthema als auch als zentrales Kommunikationsinstrument, wobei dessen Bedeutung als Mobilisierungsfaktor kritisch hinterfragt wird.
Die Mobilisierung gelang durch die gezielte Fokussierung auf wirtschafts- und steuerpolitische Themen ("Mehr Netto vom Brutto") und die Positionierung als verlässliche Alternative im bürgerlichen Lager gegenüber einer unentschlossenen Union.
Die Piratenpartei wird als Ausdruck einer modernen Emanzipationsbewegung gesehen, die jedoch aufgrund ihres elitären Fokus und fehlender inhaltlicher Breite bisher Schwierigkeiten hat, soziale Gruppen jenseits technikaffiner Milieus nachhaltig zu binden.
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