Diplomarbeit, 1997
72 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zur Konstitution von Beziehung
2.1. Darstellung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses
2.2. Das Eltern-Kind-Verhältnis und seine Bedeutung für die Beziehungsfähigkeit des Menschen
2.3. Das Mensch-Welt-Verhältnis als Sozialisationsleistung
2.4. Lust und Unlust als Antagonismus
3. Zur Pathogenese von Sucht
3.1. Zur Definition von Sucht
3.1.1. Etymologischer und philosophischer Ansatz
3.1.2. Psychologischer Ansatz (nach S.Scheerer)
3.1.2.1 Der Ansatz der Objektbeziehungs-Theorie
3.1.3. Ableitung und Folgerung
3.2. Sucht und der Krankheitsbegriff
3.2.1. Sucht als abweichendes Verhalten
4. Der Süchtige als Objekt
4.1. Rauscherleben als Abtrennung der Wirklichkeit?
4.1.1. Subjektivität des Rauscherlebens
4.2. Sehn-Sucht
4.3. Droge und Ritual
5. Die süchtige Beziehungsgestaltung
5.1. Objektfixierung und Isolation
5.2. Symbiose
5.3. Co-Abhängigkeit
6. Narzißmus als Form moderner Selbst-Sucht
7. Drogen, Sucht und Tabu
8. Der Begriff der psychischen Krankheit
9. Zur Therapierbarkeit von Sucht
9.1. Sucht-Hilfe im Sucht-System
9.1.1. Sucht-Hilfe als Form der Hilfs-Sucht
9.2. Soziale Arbeit als Entwicklungshemmung
9.3. Eine produktive Hilfe-Konzeption
9.3.1. Abgewandeltes Klärungsmodell für Veränderungsprozesse
9.3.2. Mögliche Lern- und Handlungsalternativen
10. Schlusswort – Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Beziehungsdynamik bei Suchterkrankungen. Ziel ist es, den Begriff der Sucht jenseits klassischer Stigmatisierungen neu zu definieren und als Symptom gesamtgesellschaftlicher Bedingungen sowie als individuelle Bewältigungsstrategie im Spannungsfeld zwischen Subjekt und Objekt zu analysieren.
3.1.1. Etymologischer und philosophischer Ansatz
Schon die Abstammung des Wortes Sucht legt das vornehmlich krankhaft abweichende nahe: Das alt- und mittelhochdeutsche Substantiv »suht« (Krankheit) ist eine ablautende Bildung zu dem Verb »sioh« bzw. »siech« (krank sein). Erst das neuhochdeutsche Sprachgefühl hat das etymologisch undurchsichtige Wort mit dem Sinngehalt des Suchens verknüpft. (Duden/Etymologie, 1963: 694). Mag das Suchen hedonistisch motiviert sein (positive psychische Effekte im Rauscherleben), dominieren im Fliehen destruktive Momente (so Betäubung mit dem Ziel der Realitätsflucht). Der Suchende protestiert mit der Intensivierung seiner Gefühlserlebnisse zugleich gegen eine ihn nach seinem Gefühl zu sehr einengende oder zu sehr beschneidende Realität und Normalität. Der Fliehende betäubt oder zerstört die in ihm lagernden psychischen Energien in einer Art Identifikation mit dem »Angreifer«. Dieser ist hierbei die subjektiv zu verarbeitende Realität des Fliehenden. Ein Bewußtsein von der eigenen Realität wird geschaffen, welches u.U. in einen Zwang zur Flucht mündet. Das lust- und genußvolle Suchen als taxierendes Sehnen, schlägt um in fliehende Abwehr mit kompensatorischem Charakter.
"Die Erfüllung eines solchen Triebes wie der Sucht kann nicht wirklich entworfen werden", schreibt die amerikanische Literaturwissenschaftlerin A. Ronell bei der Analyse von Heideggers »Sein und Zeit«. "Während sie auf die Unmittelbarkeit des Verlangens antwortet, kommt sie als Überfall aus dem Hinterhalt an. (...) Das süchtige Dasein bringt ein Unverständnis mit sich, als ob dieser Mangel zum Dasein hinzugefügt worden wäre. Während das Dasein auf der Flucht und sich-vorweg-ist ohne Zeit zum Denken, hat sich das Inder-Welt-Sein in Haltlosigkeit (inertia) verloren, weil es nur an das, was ihm zur Verfügung steht, gebunden ist. Dies ist der Ort, an dem das Inder-Welt-Sein der radikalen Unzulänglichkeit begegnet, während es beginnt, sich realer Möglichkeiten zu verschließen." (Ronell, 1994: 56).
1. Einleitung: Einführung in das Spannungsfeld zwischen Individualerlebnis und Beziehungskonstrukt als Ausgangspunkt der Suchtproblematik.
2. Zur Konstitution von Beziehung: Untersuchung der Grundlagen menschlicher Beziehungsfähigkeit und der Subjekt-Objekt-Konstituierung.
3. Zur Pathogenese von Sucht: Kritische Analyse der Suchtdefinition sowie des medizinischen Krankheitsbegriffs im gesellschaftlichen Kontext.
4. Der Süchtige als Objekt: Erläuterung des Rauscherlebens und der Sehn-Sucht als Formen der Abgrenzung von der Realität.
5. Die süchtige Beziehungsgestaltung: Darstellung pathologischer Beziehungsmuster wie Symbiose und Co-Abhängigkeit.
6. Narzißmus als Form moderner Selbst-Sucht: Untersuchung der Ich-Bezogenheit als historisches Ergebnis gesellschaftlicher Spaltungen.
7. Drogen, Sucht und Tabu: Analyse des Umgangs mit Drogen als gesellschaftlich organisiertes Tabu.
8. Der Begriff der psychischen Krankheit: Reflexion über die Rolle der Psychiatrie bei der gesellschaftlichen Ausgrenzung.
9. Zur Therapierbarkeit von Sucht: Hinterfragung der klassischen Suchthilfe und Entwurf alternativer, produktiver Konzepte.
10. Schlusswort – Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ambivalenz als Chance für menschliche Entwicklung.
Sucht, Beziehungsdynamik, Objektbeziehungstheorie, Suchthilfe, Co-Abhängigkeit, Narzißmus, Subjekt-Objekt-Verhältnis, Psychische Krankheit, Ambivalenz, Sozialisation, Identität, Sucht-System, Selbstwahrnehmung, Rauscherleben.
Die Diplomarbeit untersucht die ambivalente Beziehungsdynamik bei Abhängigkeitserkrankungen und hinterfragt dabei kritisch, wie Sucht durch gesellschaftliche Bedingungen entsteht und aufrechterhalten wird.
Die Arbeit fokussiert auf die Schnittpunkte zwischen Sucht, menschlichen Beziehungen, Sozialisation, narzisstischen Störungen sowie den Methoden der Sozialarbeit.
Das Ziel ist eine Neudefinition des Suchtbegriffs als symptomatische Reaktion auf eine entfremdete Gesellschaft und die Entwicklung alternativer Ansätze für die Suchthilfe.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der psychoanalytische Theorien, systemtheoretische Überlegungen und philosophische Diskurse zu einer Synthese vereint.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Sucht als Subjekt-Objekt-Problematik, die Rolle des Narzissmus in der modernen Gesellschaft sowie die verfestigten Strukturen in der bestehenden Drogenhilfe.
Die zentralen Schlagworte sind Sucht, Ambivalenz, Beziehungsdynamik, Narzissmus, Co-Abhängigkeit und Suchthilfe.
Der Autor steht dem Krankheitsbegriff kritisch gegenüber und betrachtet Sucht eher als ein systemkonformes, gesellschaftlich produziertes Symptom, das zur Aufrechterhaltung bestehender Ordnungsmuster dient.
Co-Abhängigkeit wird als Ausdruck einer tiefen gesellschaftlichen Verstrickung gesehen, bei der nicht nur der Süchtige, sondern auch sein soziales Umfeld an der Aufrechterhaltung des suchtzentrierten Systems beteiligt ist.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

