Masterarbeit, 2025
82 Seiten, Note: 1.1
Diese Masterarbeit untersucht den Einfluss der Kunden-Marken-Beziehung auf die Retourenquote im Mode-Online-Handel. Das primäre Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis für die Ursachen hoher Rücksendequoten zu schaffen und aufzuzeigen, inwiefern eine stärkere emotionale Bindung der Kunden an eine Marke zur Reduzierung von Retouren beitragen kann, um so praxisnahe Handlungsempfehlungen für Onlinehändler abzuleiten.
2.1 Analogie zu menschlichen Beziehungen
Menschen neigen dazu, Marken zu vermenschlichen, indem sie ihnen menschliche Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale zuschreiben. Dieses Verhalten hilft, die Marke besser zu verstehen und als aktiven Beziehungspartner wahrzunehmen. So werden Marken für viele Verbraucher zu quasi-menschlichen Akteuren, mit denen sie ähnlich umgehen wie mit Freunden oder Familienmitgliedern (Vgl. Moser, 2015, S. 107; Aggarwal, 2004, S. 87; Fournier, 1998, S. 344f; Ghorbani & Westermann, 2022, S.18). Sie empfinden gegenüber einer Marke Zuneigung, Vertrauen und ein Gefühl von gegenseitigem Engagement (Vgl. Rozanski et al., 1999). Diese emotionale Bindung entsteht nicht nur zu Marken, die tatsächlich genutzt oder besessen werden. Auch Produkte und Marken, die unerreichbar scheinen, können starke Sehnsüchte und emotionale Beziehungen hervorrufen. Ein Beispiel ist der Traum vieler Autofahrer, einen Porsche zu fahren, obwohl sie ihn sich nicht leisten können (Vgl. Ghorbani & Westermann, 2022, S. 38f).
Trotz der Ähnlichkeiten gibt es jedoch auch wesentliche Unterschiede zwischen Beziehungen zu Marken und solchen zu Menschen. So erreichen Markenbeziehungen in der Regel nicht die gleiche emotionale Tiefe wie persönliche Beziehungen. Die Beziehung zu einer Marke gleicht daher eher der Verbindung zwischen Prominenten und Fans als einer engen Freundschaft zwischen zwei Menschen. Zudem sind sie oft von einem finanziellen Austausch geprägt, der bei zwischenmenschlichen Beziehungen weniger im Vordergrund steht (Vgl. Aggarwal, 2004, S. 88f).
Die Art der Beziehung, die Konsumenten zu Marken aufbauen, ist dabei vielfältig und kann unterschiedliche Formen annehmen. Fournier identifiziert 15 verschiedene Beziehungstypen, die von ökonomischen Austauschbeziehungen bis hin zu gemeinschaftlichen Verbindungen reichen (Vgl. Fournier, 1998, S. 361). Diese Beziehung kann durch die Befriedigung eines funktionalen Bedürfnisses (z. B. die Zuverlässigkeit eines Autos) oder eines Ausdrucksbedürfnisses (z. B. das Prestige eines Modedesigners) entstehen. So fühlen sich beispielsweise einige Verbraucher wegen der Funktionalität des Produkts „guter Schuh“ zu Nike hingezogen; andere schätzen den sportlichen Anspruch, und wieder andere betrachten Nike als einen wahren Freund (Vgl. Rozanski et al., 1999). Auch die Markenkommunikation und das Verhalten der
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Problematik der hohen Retourenquote im Mode-Online-Handel dar und erläutert die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Arbeit, die emotionale Bindung von Kunden an Marken als möglichen Hebel zur Reduktion von Rücksendungen zu untersuchen.
Kapitel 2 Kunden-Marken-Beziehung: Es werden die theoretischen Grundlagen der Kunden-Marken-Beziehung, einschließlich ihrer Analogie zu menschlichen Beziehungen und des Brand Relationship Quality (BRQ) Modells von Fournier, dargelegt und die spezifische Rolle der Markenbindung im Mode-Online-Handel beleuchtet.
Kapitel 3 Retouren im Mode-Online-Handel: Dieses Kapitel behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen, Prozesse, Konsequenzen und Einflussfaktoren von Retouren im E-Commerce, sowie eine Klassifikation der Retourengründe im Modebereich.
Kapitel 4 Empirische Untersuchung: Hier wird der quantitative Forschungsansatz erläutert, die Hypothesen basierend auf dem BRQ-Modell hergeleitet, das zugrunde liegende Strukturgleichungsmodell (SEM) beschrieben und die Methodik der Online-Befragung detailliert vorgestellt.
Kapitel 5 Forschungsergebnisse und Diskussion: Die Ergebnisse der Online-Befragung werden präsentiert, einschließlich der Stichprobenbeschreibung, der Faktorenanalyse, der Überprüfung der Hypothesen und einer Diskussion der Befunde sowie der Limitationen der Studie.
Kapitel 6 Fazit und Ausblick: Das Abschlusskapitel fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Bestätigung der Hypothesen und gibt Implikationen für die Praxis sowie Ansatzpunkte für zukünftige Forschung zur Kunden-Marken-Beziehung und Retourenquote.
Kunden-Marken-Beziehung, Retourenquote, Mode-Online-Handel, Markenloyalität, Brand Relationship Quality (BRQ), Retourenmanagement, Kundenbindung, Markenschutzmechanismen, Online-Handel, E-Commerce, Kaufverhalten, Warenrücksendung, Emotionale Bindung, Konsumentenverhalten, Strukturgleichungsmodell (SEM)
Diese Masterarbeit untersucht, welchen Einfluss die emotionale Kunden-Marken-Beziehung auf die Retourenquote im Mode-Online-Handel hat und sucht nach Möglichkeiten, Rücksendungen durch gezielte Markenbindung zu reduzieren.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Kunden-Marken-Beziehung (insbesondere das Brand Relationship Quality Modell), das Retourenmanagement im E-Commerce und die Rolle der Markenloyalität sowie psychologischer Schutzmechanismen im Kontext des Konsumentenverhaltens.
Das primäre Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis der Ursachen hoher Retourenquoten zu gewinnen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welchen Einfluss hat die Kunden-Marken-Beziehung auf die Retourenquote im Mode-Online-Handel?“
Die Arbeit verwendet einen quantitativen Forschungsansatz mittels einer Online-Befragung. Die Daten werden mithilfe von Statistiksoftware (SPSS, Excel, SmartPLS) analysiert, insbesondere durch ein Strukturgleichungsmodell (SEM) zur Überprüfung der Hypothesen.
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen der Kunden-Marken-Beziehung und des Retourenmanagements, die empirische Untersuchung mit Hypothesenherleitung und Fragebogengestaltung sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der Forschungsergebnisse.
Schlüsselwörter, die diese Arbeit charakterisieren, sind Kunden-Marken-Beziehung, Retourenquote, Mode-Online-Handel, Markenloyalität, Brand Relationship Quality (BRQ), Retourenmanagement, Kundenbindung und emotionale Bindung.
Die empirische Untersuchung bestätigt, dass eine höhere Beziehungsqualität zur Marke signifikant zu einer stärkeren Loyalität gegenüber der Marke führt. Die Beziehungsqualität erweist sich als zentraler Treiber für die Entstehung von Loyalität und erklärt einen Großteil deren Varianz.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Beziehungsqualität das Rücksendeverhalten nicht unmittelbar beeinflusst, sondern vollständig über die Markenloyalität vermittelt wird. Dies deutet auf eine vollständige Mediation hin, bei der Loyalität die zentrale Vermittlungsinstanz darstellt.
Die Subgruppenanalyse zeigt, dass Loyalität eine deutlich stärkere Wirkung auf die Reduzierung der Retourenquote entfaltet, wenn Kunden viele Auswahlbestellungen tätigen. In diesen Situationen haben loyale Kunden einen Handlungsspielraum, Produkte zu behalten, auch wenn sie nicht perfekt sind.
Modehändler sollten die Kunden-Marken-Beziehung als strategischen Ansatzpunkt begreifen, um Loyalität durch konsistente Markenerlebnisse, Vertrauensaufbau und die Förderung langfristiger Kundenbindung zu stärken. Dies kann nicht nur die Retourenquote senken, sondern auch zu ökologischer Nachhaltigkeit beitragen.
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