Bachelorarbeit, 2009
43 Seiten, Note: 1,0
I. Erzähltheoretischer Teil: „Morenga“ typologisch und narratologisch
1. Zu Entstehungsgeschichte, Inhalt und Form des Kolonialromans „Morenga“
1.1 Warum Kolonialroman? Ein kurzer Überblick über den Inhalt
1.2 Zur Typologie des Kolonialromans „Morenga“
1.2.1 Erzählsituationen
1.2.2 Polyperspektivität
1.3 Zeitstruktur und Montage des Kolonialromans „Morenga“
1.4 Entstehungsgeschichte und Handlungsraum
II. Historisch-soziologischer Theorieteil: Kolonialismus, Gewalt, Sprache
2. Kurzer Abriss der Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreichs
3. Definitionen und Modifikationen von Gewalt
3.1 Gewalt als physische und psychische Herrschaft
3.2 Gewalt, die sprachlich, körperlich und politisch auftritt
3.3 Sprache als Gewalt: Ansätze und Blickrichtungen
3.3.1 Gewalt und Sprache
3.3.2 Gewalt der Sprache
3.3.3 Gewalt durch Sprache
4. Wie Sprache zum Instrument kolonial-rassistischer Gewalt wird
5. Gewalt bei Peter Kropotkin und Walter Benjamins Gewaltkritik
III. Analyseteil: Sprache und Gewalt in Timms „Morenga“
6. Darstellungen der Gewalt der Sprache im dokumentarischen Teil
7. Darstellungen der Gewalt durch Sprache im fiktiven Teil
7.1 Sprachliche Strategien der Gewalt in der Figurenrede
7.2 Fremdspracherwerb als Mechanismus einer Entfremdung von Gewalt
8. Darstellungen gewaltiger Sprache im episodischen Teil
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Sprache und Gewalt in Uwe Timms Roman „Morenga“, indem sie aufzeigt, wie koloniale Machtstrukturen durch sprachliche Codierungen legitimiert und durchgesetzt werden. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie Sprache in dem Roman einerseits als Instrument zur Ausübung kolonial-rassistischer Gewalt fungiert und andererseits als Medium dienen kann, um diese Gewaltverhältnisse zu reflektieren und Ansätze einer Entfremdung von ihr zu entwickeln.
Die Darstellung der Gewalt der Sprache im dokumentarischen Teil
Die dokumentarischen Materialien, die der Erzähler in den Roman montiert hat, bieten uns einen beispielhaften Blick auf die Gewaltsamkeit der Sprache als solcher. Sie zeigen uns, dass Gewalt schon in der Struktur der Sprache – bzw. in dem, was gesellschaftlich zur Sprache kommt – liegt. Radikale Militärs, wie General von Trotha und Generaloberst Graf Schlieffen favorisieren im Kapitel „zwei Positionen“ die Ausrottung der aufständischen Afrikaner, sei es (wie die bereits angeführte Proklamation Trothas zeigt (M 32)) aus rücksichtslos militärischen Motiven, sei es aus rassistischen Motiven: „Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“ (M 33) Im Usus der Sprachverwendung der Angehörigen der „Schutztruppe“ zeigt sich Gewalt in der militärischen Form ihrer Performativität.
Aus dem Sprachgebrauch Deimlings, Gefechte und Schlachten betreffend: zerschlagen, zerschmeißen, zerschießen. Oberst Deimlings Plan: Die Witboois zerschmeißen. Dann in den Süden marschieren und Morenga mit seinen Leuten ebenfalls zerschmeißen. (M 36)
Gewalt als inhärentes Merkmal innerhalb der Struktur der Sprache zeigt sich auch in den Textpassagen, die Alltäglichkeiten von Gewalt schildern und sie doch nur im dokumentarischen Stil andeuten. Z.B. im Kapitel über die „Wirkung des Tauendes“ schildert der historische Aktenbestand des Gouvernements von Deutsch-Südwestafrika eine Erörterung der Wirkung und Nachhaltigkeit der Prügelstrafe und dokumentiert damit zum einen das zeitgenössische Verständnis von Gewalt als erzieherisches Mittel und zum anderen eine von den Kolonisatoren konstruierte bzw. nicht kritisierte Notwendigkeit der Gewalt im Alltag. Höchstens wird – in einem Selbstverständnis des angehafteten Humanismus als Ausweis der eigenen zivilisatorischen Überlegenheit – die Milde oder Härte erzieherischer Gewaltanwendung diskutiert.
I. Erzähltheoretischer Teil: „Morenga“ typologisch und narratologisch: Betrachtung der Entstehungsgeschichte, der narrativen Form und der Erzählstruktur des Romans zur Vorbereitung der Analyse.
1. Zu Entstehungsgeschichte, Inhalt und Form des Kolonialromans „Morenga“: Überblick über den Inhalt und die Gattung des Werks vor dem Hintergrund postkolonialer Literatur.
1.1 Warum Kolonialroman? Ein kurzer Überblick über den Inhalt: Zusammenfassung der drei Erzählebenen des Romans: dokumentarisch, fiktiv und episodisch.
1.2 Zur Typologie des Kolonialromans „Morenga“: Analyse der Erzählsituationen und der Polyperspektivität des Textes.
1.2.1 Erzählsituationen: Anwendung des Modells der „Sprechsituation“ zur Differenzierung zwischen dokumentarischen und erzählenden Anteilen.
1.2.2 Polyperspektivität: Untersuchung des Fehlens einer allwissenden Instanz und der Montage verschiedener Blickrichtungen.
1.3 Zeitstruktur und Montage des Kolonialromans „Morenga“: Analyse der zeitlichen Anordnung und der Montagetechnik des Romans.
1.4 Entstehungsgeschichte und Handlungsraum: Darstellung der biografischen und historischen Hintergründe der Romanentstehung und des kolonialen Raums.
II. Historisch-soziologischer Theorieteil: Kolonialismus, Gewalt, Sprache: Theoretische Fundierung der Gewaltbegriffe und deren Relevanz für den kolonialen Kontext.
2. Kurzer Abriss der Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreichs: Historischer Überblick über Motive und Praxis deutscher Kolonialherrschaft.
3. Definitionen und Modifikationen von Gewalt: Auseinandersetzung mit verschiedenen Gewaltbegriffen aus soziologischer und philosophischer Sicht.
3.1 Gewalt als physische und psychische Herrschaft: Definition von materieller Gewalt und psychischer Machtausübung.
3.2 Gewalt, die sprachlich, körperlich und politisch auftritt: Reflexion über die Verflechtung von sprachlicher und körperlicher Gewalt im sozialen Raum.
3.3 Sprache als Gewalt: Ansätze und Blickrichtungen: Theoretische Zugänge zum Problem der sprachlichen Gewalt.
3.3.1 Gewalt und Sprache: Erste Annäherung an das Verhältnis von Sprache und direkter physischer Gewalt.
3.3.2 Gewalt der Sprache: Diskussion der inhärenten Gewaltsamkeit sprachlicher Strukturen.
3.3.3 Gewalt durch Sprache: Analyse der Sprache als Instrument verletzenden Handelns im Sinne der neueren Sprachwissenschaft.
4. Wie Sprache zum Instrument kolonial-rassistischer Gewalt wird: Untersuchung der Sprache als Medium zur Konstruktion von Fremdheit und zur Aufrechterhaltung kolonialer Hierarchien.
5. Gewalt bei Peter Kropotkin und Walter Benjamins Gewaltkritik: Kontrastierung der kolonialen Gewalt durch alternative philosophische Ansätze.
III. Analyseteil: Sprache und Gewalt in Timms „Morenga“: Systematische Anwendung der theoretischen Ansätze auf die drei Ebenen des Romans.
6. Darstellungen der Gewalt der Sprache im dokumentarischen Teil: Untersuchung der Gewalt, die in den historischen Dokumenten des Romans enthalten ist.
7. Darstellungen der Gewalt durch Sprache im fiktiven Teil: Analyse des fiktiven Erzählstrangs auf sprachliche Strategien kolonialer Gewalt.
7.1 Sprachliche Strategien der Gewalt in der Figurenrede: Untersuchung von Macht und Identitätskonstruktion in der Kommunikation der Figuren.
7.2 Fremdspracherwerb als Mechanismus einer Entfremdung von Gewalt: Analyse des Lernprozesses als Versuch, kolonialen Mustern zu entkommen.
8. Darstellungen gewaltiger Sprache im episodischen Teil: Analyse der phantastischen Episoden und ihrer Rolle bei der Darstellung kolonialer Alltagsgewalt.
Uwe Timm, Morenga, Kolonialismus, Sprachliche Gewalt, Deutsch-Südwestafrika, Kolonialroman, Kulturelle Gewalt, Rassismus, Postkolonialer Diskurs, Identitätskonstruktion, Gewaltkritik, Fremdspracherwerb, Erzähltheorie, Narratologie, Historische Aufarbeitung.
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung von Sprache und Gewalt im Kolonialroman „Morenga“ von Uwe Timm, insbesondere vor dem Hintergrund des deutschen Kolonialkriegs in Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts.
Die Arbeit verknüpft literaturwissenschaftliche Narratologie mit kulturhistorischen Ansätzen, um die Instrumentalisierung von Sprache für rassistische und koloniale Machtzwecke zu analysieren.
Ziel ist es, sprachliche Strategien kolonialer Gewalt im Roman aufzudecken und zu zeigen, wie der Autor diese durch seine spezielle Montagetechnik für den Leser erfahrbar macht.
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der erzähltheoretische Modelle (z. B. nach Stanzel) sowie kulturwissenschaftliche Mehr-Ebenen-Analysen der Sprachgeschichte (Spitzmüller/Warnke) kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Definitionen von Gewalt, Kolonialgeschichte) und einen Analyseteil, der die dokumentarischen, fiktiven und episodischen Ebenen des Romans getrennt untersucht.
Wichtige Begriffe sind kulturelle Gewalt, rassistische Diskursmuster, Fremdspracherwerb als Entfremdung von der Gewalt sowie die Montage von Authentizität und Fiktion.
Die Theorie von Kropotkin dient im Roman als ethischer Gegenentwurf zum autoritären Militärdenken und bietet der Figur Wenstrup eine theoretische Basis für ihr antikolonialistisches Handeln.
Gottschalks Versuch, die Sprache der Nama zu erlernen, wird als bewusster Prozess der kulturellen Annäherung gedeutet, der den Mechanismus der Entwertung kolonisierter Sprachen durchbrechen soll.
Das „Tauende“ fungiert im dokumentarischen Teil als konkretes Beispiel, um zu zeigen, wie koloniale Verwaltungsbeamte ihre Gewaltanwendung (Prügelstrafe) als erzieherisch notwendig und humanistisch legitimiert darstellten.
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