Bachelorarbeit, 2025
37 Seiten
Die vorliegende Bachelorarbeit widmet sich der Untersuchung der zentralen Einflussfaktoren, die zur Nicht-Inanspruchnahme von Erziehungs- und Familienberatungsangeboten führen. Sie beleuchtet, warum viele Familien trotz vorhandenem Bedarf diese wichtigen Hilfsangebote nicht nutzen, und analysiert die Wirkung dieser Einflussfaktoren, um den Zugang zu erleichtern und zukünftige Forschungsansätze zu fundieren.
Aktueller Forschungsstand der Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme
Die Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme von Erziehungs- und Familienberatungen sind, wie bereits beschrieben, sehr individuell und vielfältig, allerdings lassen sich diese dennoch in übergeordnete Kategorien einordnen. Der aktuelle Forschungsstand weist signifikante Mängel auf. In der untersuchten Literatur finden sich Diskrepanzen bezüglich der Ergebnisse. Die Vergleichbarkeit ist häufig kaum gegeben, da die Rahmenbedingungen der Untersuchungen sich stark unterscheiden. Aus diesem Grund wurden auch wenig aktuelle Studien und Studien aus anderen Fachbereichen beachtet, die sich auf die Nicht-Inanspruchnahme der Erziehungs- und Familienberatung übertragen lassen. Folgende Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme gehen aus der untersuchten Literatur als relevant hervor:
Kulturelle und individuelle Einstellungen:
Die kulturellen und individuellen Einstellungen der Personen mit Beratungsbedarf sind von zentraler Bedeutung für die Inanspruchnahme der Erziehungs- und Familienberatung. Neumann und Renner benennen die Selbstwirksamkeitserwartung als einen großen Einflussfaktor, denn wer davon überzeugt ist, dass man das eigene Leben und die eigene Gesundheit nicht beeinflussen kann, wird keine präventiven Maßnahmen ergreifen, beziehungsweise keine Beratung für sein Kind einleiten (vgl. Neumann & Renner, 2016). Die Eigeninitiative kann als Produkt der individuellen Einstellung betrachtet werden. Individuelle Einstellung, sowie Scham und der Wunsch, Familienprobleme nicht nach außen zu tragen, führen zu einer Nicht-Inanspruchnahme der Erziehungs- und Familienberatung (vgl. Yanık-Şenay, 2018, S. 198-201). Muslimische Familien suchen des Öfteren nach Beratungsstellen, bei denen sie das Gefühl haben, dass ihre kulturellen und religiösen Einstellungen akzeptiert werden (vgl. ebd. S. 197-203). Falls eine solche Stelle nicht gefunden wird, kann das zu einer Nicht-Inanspruchnahme führen. Das könnte auch bei anderen Religionen und Kulturen der Fall sein, allerdings fehlen hier eindeutige Belege. Kulturell bedingte Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Berater*in und Klient*innen können zu einer Nicht-Inanspruchnahme führen (vgl. BMFSFJ, o. J., S.28). Zentrale Einflussfaktoren sind ebenfalls persönliche Barrieren, dazu gehören Scham, Angst vor Stigmatisierung, Unsicherheiten und Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme (vgl. Kapella et al., 2022, S. 11-16). In der Gesellschaft sind psychische Schwierigkeiten häufig ein Tabuthema, das verstärkt bereits genannten Aspekte, Scham und Angst (vgl. Stöhr, 2012, S. 2-5).
Informations- und Aufklärungsgrad:
Ein mangelnder Informations- und Aufklärungsgrad stellt eine weitere Barriere der Inanspruchnahme der Erziehungs- und Familienberatung dar. Fehlendes Wissen über verfügbare Beratungsangebote oder über die jeweiligen Vorteile führt häufig zu einer Nicht-Inanspruchnahme (vgl. Bohlen, 1991, S.225). Dies wird verstärkt, wenn mögliche Zuweiser beziehungsweise primäre Zugangsstellen auch nicht ausreichend über die entsprechenden Angebote informiert sind und somit nicht auf Angebote hinweisen können (vgl.ebd.). Viele Leistungen sind potenziellen Nutzer*innen nicht bekannt und werden deshalb nicht beansprucht (vgl. Baisch et al., 2023, S. 35). Informationen sind häufig zu komplex dargestellt oder zu schwer verständlich. Das trägt zu Unsicherheiten des potenziellen Klient*innen bei (vgl. ebd. S.50-51). Darüber hinaus bestehen oft Unsicherheiten über die eigenen Ansprüche auf Hilfeleistungen (vgl.ebd.). Eine unzureichende Aufklärung kann ebenfalls zu einer Nicht-Inanspruchnahme führen. Denn Eltern mit ausländischer Staatsangehörigkeit beanspruchen seltener Hilfe, da sie häufig Sorge vor staatlicher Einmischung oder Konsequenzen in Bezug auf ihren Aufenthaltsstatus befürchten (vgl. ebd. S.81).
1. Einleitung: Stellt die Relevanz der Erziehungs- und Familienberatung dar, beleuchtet die Diskrepanz zwischen Bedarf und Inanspruchnahme und formuliert die Forschungsfrage der Arbeit.
2. Erziehungsberatung: Definiert Erziehungs- und Familienberatung, erläutert ihre Ziele und beleuchtet die rechtlichen und finanziellen Grundlagen sowie die statistische Inanspruchnahme.
3. Goldbergs und Huxleys Modell Mental Illness in the Community als Bezugsrahmen für Beratungshindernisse: Beschreibt das ursprüngliche Modell zur Erklärung von Barrieren in der psychiatrischen Versorgung als theoretischen Rahmen für die vorliegende Untersuchung.
4. Aktueller Forschungsstand der Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme: Analysiert die aktuellen Forschungsergebnisse zu sozioökonomischen, informationsbezogenen sowie individuellen und kulturellen Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme.
5. Modifizierung des Modells Mental Illness in the community: Passt das Modell von Goldberg und Huxley an den Kontext der Erziehungs- und Familienberatung an und systematisiert die Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme auf modifizierten Ebenen und Filtern.
6. Handlungsempfehlungen: Leitet konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Nicht-Inanspruchnahme ab, die entlang der Ebenen und Filter des modifizierten Modells strukturiert sind, um Barrieren gezielt abzubauen.
7. Fazit: Fasst die Hauptergebnisse der Arbeit zusammen, reflektiert die Limitationen der Untersuchung, insbesondere hinsichtlich der Datenlage, und identifiziert weiteren Forschungsbedarf für eine ressourcenorientierte Strategie.
Nicht-Inanspruchnahme, Erziehungsberatung, Familienberatung, Einflussfaktoren, Barrieren, Mental Illness in the Community, Jugendhilfe, Sozioökonomischer Status, Kulturelle Einstellungen, Informationsmangel, Handlungsempfehlungen, Zugangsbarrieren, Prävention, Kinder- und Jugendhilfe, Beratungsbedarf
Die Arbeit untersucht die zentralen Einflussfaktoren, die dazu führen, dass Erziehungs- und Familienberatungsangebote nicht in Anspruch genommen werden, obwohl ein Bedarf besteht.
Die Arbeit befasst sich mit der geringen Inanspruchnahme von Erziehungs- und Familienberatung, den zugrunde liegenden Barrieren sowie der Anpassung eines medizinischen Modells zur Analyse dieser Faktoren.
Das primäre Ziel ist es, die Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme von Erziehungs- und Familienberatung herauszuarbeiten und ihre Wirkung im modifizierten Modell "Mental Illness in the Community" zu erklären. Die Forschungsfrage lautet: „Was sind Einflussfaktoren der Nicht-Inanspruchnahme von Erziehungs- und Familienberatung und wie wirken sie?“
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und adaptiert das Modell "Mental Illness in the Community" von Goldberg und Huxley als theoretischen Rahmen, um die Einflussfaktoren systematisch zu strukturieren und zu analysieren.
Im Hauptteil werden das Modell "Mental Illness in the Community" detailliert vorgestellt, seine Modifizierung für den Kontext der Erziehungs- und Familienberatung erläutert und die identifizierten Einflussfaktoren (sozioökonomisch, informationell, kulturell/individuell) innerhalb dieses modifizierten Modells analysiert.
Schlüsselwörter sind: Nicht-Inanspruchnahme, Erziehungsberatung, Familienberatung, Einflussfaktoren, Barrieren, Modell "Mental Illness in the Community", Jugendhilfe, Sozioökonomischer Status, Kulturelle Einstellungen, Informationsmangel, Handlungsempfehlungen.
Das ursprünglich für psychiatrische Versorgung entwickelte Modell wird modifiziert, indem die Ebenen und Filter auf den Prozess der Inanspruchnahme von Erziehungs- und Familienberatung übertragen werden, um spezifische Barrieren in diesem Kontext zu analysieren.
Sozioökonomisch schwächere Gruppen nutzen Beratungsangebote seltener, obwohl sie oft einen höheren Bedarf haben. Finanzielle Barrieren, geringere Bildung und fehlende Informationen verstärken diese Ungleichheit und verhindern den Zugang.
Es werden Maßnahmen wie bundesweite Sensibilisierungskampagnen, die Integration von Beratungsangeboten in primäre Zugangsstellen, niedrigschwellige digitale Angebote, flexible Terminvergabe und die Diversifizierung des Beratungspersonals vorgeschlagen.
Eine unzureichende Passung, sei es kulturell, religiös oder sozioökonomisch, kann zu einem Abbruch der Beratung führen. Daher sind Auswahlmöglichkeiten für Klient*innen und eine diverse Beratenden-Gruppe wichtig, um Vertrauen und Verständnis zu fördern.
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