Bachelorarbeit, 2010
61 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1 Konzeptionsentwicklung
1.1 Inhalte einer pädagogischen Konzeption
1.2 Notwendigkeit einer Konzeption
2 Heilpädagogik – Berufsverständnis und Handlungsfelder
2.1 Heilpädagogik in Krankenhäusern
3 Theoretische Grundlagen zur bindungstheoretisch gestützten Arbeit mit Kindern auf Kinderstationen und in Kinderkliniken
3.1 Entwicklung
3.1.1 Einteilung der Entwicklungsstufen
3.1.2 Das Kleinkindalter
3.1.3 Sozial- emotionale Entwicklung und Regulation im Kleinkindalter
3.1.3.1 Auswirkungen früher Trennungserfahrungen auf die Eltern- Kind- Bindung
3.1.3.2 Bindung als Inneres Arbeitsmodell
3.2 Kranke Kinder im Kleinkindalter
3.2.1 Krankheitskonzept und Krankheitserleben bei Kleinkindern
3.2.2 Psychosoziale Situation kranker Kleinkinder und die Folgen von Krankheit
3.2.3 Ängste und Bedürfnisse von Kindern mit Fokus auf die Situation im Krankenhaus
3.2.3.1 Rolle der Eltern
3.2.3.2 Die Rolle der Stationsärzte und Krankenschwestern
3.3 Krankenhaussituation
3.3.1 Alltag auf der Kinderstation und in Kinderkliniken
3.3.2 Historischer Abriss zur Entwicklung der Kinderstationen und Kinderkliniken
3.3.3 Exkurs in den GEK- Report 2008 Schwerpunktthema: Kinder im Krankenhaus
4 Konzeptionelle Überlegungen: Heilpädagogik auf der Kinderstation
4.1 Zielgruppe und Ziele
4.2 Überlegungen zur Strukturqualität
4.2.1 Finanzierung
4.2.2 Räumliche Möglichkeiten
4.2.3 Personaleingliederung
4.3 Überlegungen zur Orientierungsqualität zum Umgang mit Kinderpatienten
4.3.1 Bild vom Kind
4.3.2 Rechte der Kinder im Krankenhaus- EACH- Charta
4.4 Überlegungen zur Orientierungsqualität für die heilpädagogische Arbeit
4.4.1 Rollenverständnis der Heilpädagogin auf der Kinderstation
4.4.2 Methoden und Durchführung von Beobachtung und Dokumentation im stationären Alltag– Erfassung des heilpädagogischen Interventionsbedarfs
4.4.3 Bindungstheoretisch gestützte Intervention in der heilpädagogischen Stationsarbeit
4.4.3.1 Elternarbeit
4.4.3.2 Heilpädagogische Spieltherapie für Kinder mit Bindungsstörungen
4.4.3.3 Möglichkeiten der Heilpädagogin zur kurzfristigen Rollenübernahme als (Bindungs-) Bezugsperson für das erkrankte Kind
4.4.4 Bedeutung des freien Spiels für die heilpädagogische Arbeit, als elementarste Zugangs- und Ausdrucksform des Kindes
4.4.5 Einfluss der Interaktionsmöglichkeiten mit Gleichaltrigen und Kontakt zu Freunden
4.4.6 Arbeitsmaterial
4.4.7 Kooperation mit dem Stationspersonal
4.5 Überlegungen zur Prozessqualität
4.5.1 Aufnahme des Kindes auf die Kinderstation
4.5.2 Klinikaufenthalt
4.5.2.1 Begleitung des Kindes
4.5.2.2 Vorbereitung des Kindes auf notwendige Untersuchungen und Eingriffe
4.5.2.3 Begleitung von Patienten mit psychischen Problemen
4.5.2.4 Begleitungen von Patienten unter erschwerten Bedingungen, wie schweren oder chronischen Erkrankungen
4.5.3 Tagesablauf
4.5.4 Entlassung
5 Fazit
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein Konzept für eine bindungstheoretisch gestützte heilpädagogische Arbeit auf Kinderstationen zu entwickeln, um die psychosoziale Versorgung von langzeitkranken Kleinkindern und ihren Eltern zu verbessern und traumatische Trennungserfahrungen abzumildern.
3.1.3.2 Bindung als Inneres Arbeitsmodell
Wie Kinder Trennungen erfahren, damit umgehen und sie verkraften können, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Einerseits sind es die Bedingungen unter denen Trennungen stattfinden und wie sie gestaltet werden, andererseits hängt es aber auch davon ab, welche Kompetenzen die Kinder mit sich führen. Zu diesen Kompetenzen gehört es zum Beispiel, Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen zu können, sich Hilfe zu suchen oder diese anzunehmen und eigene Gefühle und Bedürfnisse zu äußern. Dies ist nur möglich, wenn Kinder sich sicher fühlen und hängt eng mit ihrem Inneren Arbeitsmodell zusammen. Das Innere Arbeitsmodell (internal working model of attachment) entspringt Bowlbys Bindungstheorie und kann als mentale Bindungsrepräsentation beschrieben werden, die das Kleinkind zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr durch seine Bindungserfahrungen aufbaut.45 Es ist die verinnerlichte Vorstellung darüber, wie enge, soziale Beziehungen funktionieren, was sie ausmacht, wie verlässlich sie sind und was von ihnen erwartet werden kann. Darin sind emotionale und kognitive, bewusste und unbewusste Aspekte verschmolzen. Es bezieht sich einerseits auf das Bild, das der Mensch von sich selbst hat und wie wertschätzend er sich sieht. Andererseits bezieht es sich auf die Umwelt und darauf, wie sicher die emotionale und physische Versorgung durch die Bezugspersonen erlebt wird. Sichergebundene Kinder haben Erfahrungen mit einer verlässlichen Bindungs- oder Bezugsperson gemacht, sie können sich flexibel auf die Exploration der Umwelt einlassen und in Belastungssituationen, emotionale Nähe zu potenziellen Bindungs- oder Bezugspersonen suchen. Sie können positive wie negative Gefühle äußern und verlassen sich darauf, dass sie angehört werden und ihnen Hilfe zukommt. Die erlebte Fürsorge von ihrer Bindungsperson und der damit verbundene verbale Austausch erleichtert den Kindern die Fähigkeit der Annahmen über Bewusstseinsvorgänge anderer Personen (theory of mind). Ein höheres Empathievermögen, eine ausgeprägtere Neigung elterliche Normen zu akzeptieren (compliance) und die Fähigkeit verstärktes prosoziales Verhalten zu zeigen, wird durch die bestehende sichere Bindung gestärkt, wodurch Kindern schneller die Kontaktaufnahme zu fremden Personen gelingt 46.
1 Konzeptionsentwicklung: Erläutert die theoretischen Grundlagen und qualitativen Standards, die für die Erstellung einer professionellen heilpädagogischen Konzeption notwendig sind.
2 Heilpädagogik – Berufsverständnis und Handlungsfelder: Definiert das Selbstverständnis der Heilpädagogik und identifiziert das Krankenhaus als ein bisher unterrepräsentiertes, aber notwendiges Handlungsfeld.
3 Theoretische Grundlagen zur bindungstheoretisch gestützten Arbeit mit Kindern auf Kinderstationen und in Kinderkliniken: Bietet eine tiefgehende Analyse der kindlichen Entwicklungspsychologie, Bindungstheorie und der speziellen psychosozialen Belastungssituation im Klinikaufenthalt.
4 Konzeptionelle Überlegungen: Heilpädagogik auf der Kinderstation: Überträgt die theoretischen Erkenntnisse in konkrete Praxisempfehlungen, Struktur- und Prozessqualitätsmerkmale für die heilpädagogische Stationsarbeit.
5 Fazit: Fasst die Notwendigkeit heilpädagogischer Interventionen zusammen und betont die Chancen einer ganzheitlichen, bindungsorientierten Versorgung für den Heilungsprozess.
Heilpädagogik, Kinderstation, Bindungstheorie, Kleinkindalter, Krankenhausaufenthalt, Eltern-Kind-Bindung, Psychosoziale Versorgung, Konzeptionsentwicklung, Spieltherapie, Langzeitpatienten, Sozial-emotionale Entwicklung, Stationäre Aufnahme, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, EACH-Charta, Deprivationssyndrom.
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Möglichkeiten heilpädagogischer Unterstützung auf Kinderstationen. Sie stellt konzeptionelle Überlegungen an, wie eine bindungstheoretisch gestützte Arbeit mit langzeitkranken Kleinkindern gestaltet werden kann, um deren psychosoziale Bedürfnisse während eines Klinikaufenthalts zu erfüllen.
Zentrale Felder sind die Bindungstheorie, die kindliche Entwicklung, das Krankheitserleben bei Kleinkindern, die historische und aktuelle Situation von Kinderkliniken sowie die methodische Umsetzung pädagogischer Arbeit in einem medizinischen Umfeld.
Das Ziel ist die Erstellung einer konzeptionellen Basis, die aufzeigt, wie eine Heilpädagogin durch Beratung und Begleitung die psychosoziale Situation erkrankter Kinder und deren Eltern stabilisieren und traumatische Trennungserfahrungen mindern kann.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche zu bindungstheoretischen und entwicklungspsychologischen Ansätzen sowie der Auswertung aktueller Studien zur Krankenhaussituation von Kindern, wie etwa dem GEK-Report 2008.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zur Entwicklung und Bindung sowie in konkrete konzeptionelle Überlegungen zur Struktur-, Orientierungs- und Prozessqualität heilpädagogischer Arbeit auf Kinderstationen.
Die Arbeit ist stark durch Begriffe wie Bindungstheorie, Heilpädagogische Intervention, psychosoziale Begleitung, Kleinkindalter und ganzheitliche Patientenversorgung geprägt.
Die Bindungstheorie dient als Basis, um die Bedeutung sicherer Bezugspersonen für die psychische Stabilität des Kindes zu verstehen. Die Arbeit zeigt auf, dass eine "sichere Basis" im Krankenhaus den Genesungsprozess fördert und als Schutzfaktor gegen traumatische Erfahrungen dient.
Sie fungiert als konstante Bezugsperson, die Ängste durch Spiel, Gespräche und die Spiegelung von Gefühlen abfängt. Zudem unterstützt sie Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und dient als Vermittlerin zwischen medizinischem Personal und der Familie.
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