Diplomarbeit, 2003
104 Seiten, Note: sehr gut
1 Bedeutung des Schweigens und Hörens für den heutigen Menschen
1.1 SCHWEIGEN UND HÖREN - GRUNDLEGEND FÜR DAS MENSCHSEIN
1.2 DIE „SCHWEIGE- UND HÖRFÄHIGKEIT“ DES HEUTIGEN MENSCHEN
1.3 RELEVANZ DIESER ERKENNTNISSE FÜR DIE LITURGISCHE FEIER
2 Die Bedeutung des Schweigens und Hörens für die Gottes-beziehung
2.1 SCHWEIGEN UND HÖREN IM THEOLOGISCH-BIBLISCHEN KONTEXT
2.1.1 Das Schweigen des Menschen vor Gott
2.1.2 Jesus – ein schweigender und hörender Mensch
2.1.3 Das Schweigen Gottes gegenüber dem Menschen
2.1.4 Konsequenzen für die liturgische Feier
2.2 SCHWEIGEN UND HÖREN BEI DEN MYSTIKERN
2.2.1 Meister Eckhart (1260-1327)
2.2.2 Teresa von Avila (1515-1582)
2.2.3 Johannes vom Kreuz (1542-1591)
2.2.4 Relevanz für die liturgische Feier
3 Schweigen und Hören in der liturgischen Feier
3.1 DIE STILLE ALS WICHTIGER BESTANDTEIL EINER MYSTAGOGISCHEN LITURGIE
3.2 SCHWEIGEN UND HÖREN ALS „TÄTIGE TEILNAHME“
3.3 SCHWEIGEN UND HÖREN ALS GEBET
3.4 SCHWEIGEN UND HÖREN SCHAFFT GEMEINSCHAFT
3.5 „DIE DREI KONSTITUTIVEN DIMENSIONEN DER CHRISTLICHEN GOTTESDIENSTFEIER: KATABASE, DIABASE UND ANABASE“
4 Mögliche „Orte“ des „Heiligen Schweigens“ und des „Hörens“ in der liturgischen Feier und ihre Formen
4.1 SCHWEIGEN UND HÖREN IM ERÖFFNUNGSTEIL DES GOTTESDIENSTES
4.1.1 Die Stille vor dem Allgemeinen Schuldbekenntnis
4.1.2 Die Stille zwischen Gebetseinladung und Oration
4.2 SCHWEIGEN UND HÖREN IN DER WORTGOTTESFEIER
4.2.1 Schweigen und Hören im Umkreis der Verkündigung des Wortes Gottes
4.2.2 Die Stille beim Allgemeinen Gebet
4.3 SCHWEIGEN UND HÖREN IN DER EUCHARISTIEFEIER
4.3.1 Das „Heilige Schweigen“ während der Gabenbereitung
4.3.2 Schweigen und Hören im Hochgebet
4.3.3 Schweigen und Hören im Umkreis der Kommunionausteilung
5 Schweigen und Hören in anderen Gottesdienstformen
5.1 SCHWEIGEN UND HÖREN IM MORGEN – UND ABENDLOB
5.2 SCHWEIGEN UND HÖREN IN DER (EUCHARISTISCHEN) ANDACHT
5.3 SCHWEIGEN UND HÖREN IN DER FEIER VOM LEIDEN UND STERBEN JESU AM KARFREITAG
6 Was im Umgang mit der Stille im Gottesdienst beachtet werden sollte
6.1 MUSS DIE STILLE IMMER „GEFÜLLT“ SEIN?
6.2 WIE VIEL STILLE BRAUCHT DER GOTTESDIENST?
6.3 DIE ROLLE DES VORSTEHERS
7 Zusammenfassung und Ausblick
8 Liturgiekatechetische Tage für Wortgottesdienstleiter: „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr...“
8.1 ADRESSATEN UND GROBZIEL DER VERANSTALTUNG
8.2 ZEIT UND ORT DER VERANSTALTUNG
8.3 ABLAUFPLAN DER VERANSTALTUNG
8.3 BESCHREIBUNG DES ABLAUFS UND BEGRÜNDUNG DER FEINZIELE
8.3.1 Beginn der Veranstaltung
8.3.2 1. Einheit
8.3.3 Abendlob / Morgenlob
8.3.4 2. Einheit
8.3.5 3. Einheit
8.3.6 4. Einheit
8.3.7 Bausteine für die Wortgottesfeier
8.3.8 5. Einheit
8.3.9 Abschluss der Veranstaltung
8.4 HANDREICHUNGEN FÜR DIE TEILNEHMER
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung von Schweigen und Hören als essenzielle, jedoch oft vernachlässigte Grundhaltungen im liturgischen Leben und Gottesdienst. Das primäre Ziel ist es, den Lesern – insbesondere Wortgottesdienstleitern – aufzuzeigen, wie diese Stillephasen mystagogisch sinnvoll gestaltet werden können, um den Menschen eine tiefere Gottesbeziehung zu ermöglichen.
1.1 Schweigen und Hören - grundlegend für das Menschsein
Der Mensch ist nach Auffassung von Alfred A. Tomatis (Professor für Audio-Psycho-Phonologie und Psycholinguistik in Paris) von Anfang an auf das Hören, genauer gesagt auf das Horchen hin ausgelegt. Durch das Hören nimmt der Mensch die Laute aus seiner Umwelt auf, die sich auf sein physisches und psychisches Befinden auswirken, denn durch das Ohr wird das Gehirn ungefähr zu 90 Prozent mit Energie versorgt und beeinflusst so die „geistige Wachheit, aber auch Vitalität und Kreativität“.
Doch wenn der Mensch nicht nur hört, sondern zum Horchenden wird, dann hat er den Wunsch, „die Laute zu empfangen, sie zu sammeln, sie miteinander zu verknüpfen, sie zu speichern, sie zu integrieren“. Horchen ist eine Fähigkeit, „die über die organische Funktion des Ohres weit hinausreicht“ und schon im Mutterleib im Menschen grundgelegt ist. Der Fötus ist schon mit viereinhalb Monaten in der Lage, auf Geräusche zu reagieren, auf sie zu horchen. Dieses Horchen ist „eine willkürliche, aktive Handlung, die den Menschen für alles öffnet, für den anderen ebenso wie für sich selbst“, es richtet sich auf das Leben.
Tomatis spricht auch vom „Klang des Lebens“, den der Mensch hört, wenn er ganz zur Ruhe und zum Schweigen kommt. Diesen Klang beschreibt er mit einem gleichmäßigen Rauschen, das durch mikroskopisch feine Schwingungen im Ohr entsteht und mit dem der Mensch von Anfang an vertraut ist. Im Schweigen und Hören auf diesen Urklang des Lebens findet der Mensch, so Tomatis, ein inneres Erfülltsein, Ruhe und Heiterkeit – er hört sich sozusagen selbst leben.
Ebenso entwickelt sich durch das Horchen die Sprache und ist somit für wahre Kommunikation grundlegend. „Kommunikation heißt nicht nur, eine bestimmte Sprache im Umgang mit dem anderen zu verwenden, sondern vor allem, sich dem anderen ganz zu öffnen. Das ist das Horchen. Den Dialog annehmen und ermöglichen. Mit dem anderen einen Einklang herstellen, der von Verständnis und Liebe getragen ist.“
1 Bedeutung des Schweigens und Hörens für den heutigen Menschen: Analysiert die anthropologische Grundlage des Horchens und die Schwierigkeiten des modernen Menschen, Stille in einer von Aktionismus geprägten Gesellschaft auszuhalten.
2 Die Bedeutung des Schweigens und Hörens für die Gottes-beziehung: Beleuchtet den biblischen Kontext des hörenden Gehorsams und die mystische Tradition des inneren Leerwerdens als Weg zur Gottesbegegnung.
3 Schweigen und Hören in der liturgischen Feier: Definiert die Rolle der Stille als wesentlicher Bestandteil mystagogischer Liturgie und tätiger Teilnahme am liturgischen Geschehen.
4 Mögliche „Orte“ des „Heiligen Schweigens“ und des „Hörens“ in der liturgischen Feier und ihre Formen: Identifiziert konkrete liturgische Zeitpunkte für Stille, vom Eröffnungsteil bis zur Kommunionausteilung.
5 Schweigen und Hören in anderen Gottesdienstformen: Erläutert die Anwendung des Schweigens im Stundengebet, in Andachten und in der Karfreitagsliturgie.
6 Was im Umgang mit der Stille im Gottesdienst beachtet werden sollte: Gibt praktische Hinweise zur Dosierung von Stille und zur Verantwortung des Vorstehers bei der Gestaltung von Oasen der Stille.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Resümiert die Notwendigkeit von Stille für eine lebendige Gottesbeziehung und leitet zur praktischen Anwendung über.
8 Liturgiekatechetische Tage für Wortgottesdienstleiter: „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr...“: Stellt ein konkretes Seminar-Modul für Laien vor, um diese in der Gestaltung einer bewussten Stille-Kultur zu schulen.
Schweigen, Hören, Horchen, Liturgie, Mystagogie, Gottesbeziehung, Wortgottesfeier, Stille, Kontemplation, Aktive Teilnahme, Gebet, Vorsteher, Eucharistiefeier, Spiritualität, Innere Einkehr.
Die Diplomarbeit widmet sich dem Stellenwert von Schweigen und Hören als essenzielle Grundhaltungen in der christlichen Liturgie und Gottesdienstpraxis, insbesondere unter dem Aspekt der mystagogischen Umsetzung.
Die Arbeit behandelt die anthropologischen Voraussetzungen des Hörens, den biblischen und mystischen Bezug zu Gott, die Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils sowie praktische Impulse für die Gottesdienstgestaltung.
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie durch gezielte Stillephasen und eine bewusste „Hör-Kultur“ die liturgische Feier als eine vertiefte Gottesbegegnung erfahrbar gemacht werden kann, statt sie auf eine bloße Abfolge von Gebetstexten zu reduzieren.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse liturgiewissenschaftlicher Grundlagen, Dokumente des II. Vatikanischen Konzils sowie spiritueller und mystik-theologischer Literatur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine anthropologische und theologische Grundlegung (Kapitel 1 und 2), eine Untersuchung der Stille als mystagogisches Element (Kapitel 3) sowie eine konkrete Identifikation von Stille-Orten innerhalb der verschiedenen Gottesdienstformen (Kapitel 4 und 5).
Zentrale Begriffe sind Schweigen, Hören (Horchen), Liturgie, Mystagogie, Gottesbeziehung, tätige Teilnahme (participatio actuosa) und die Rolle des Vorstehers.
Die Arbeit unterscheidet zwischen „ungefüllter“ Stille, die manche Menschen verunsichern kann, und einer Stille, die durch spirituelle Impulse oder eine bewusste innere Ausrichtung auf Gott zu einer Erfahrung von Gegenwart wird. Dies sollte altersabhängig und situativ moderiert werden.
Der Vorsteher fungiert als Vorbild. Seine eigene gesammelte Haltung und die Vermeidung von Hektik sind entscheidend dafür, dass die Gemeinde den Mut und die Ruhe findet, sich auf die Stille einzulassen, anstatt sie als Leere oder Zeitverschwendung wahrzunehmen.
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