Bachelorarbeit, 2020
35 Seiten, Note: 1,7
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht tiefgehend die Rolle von Bewegung und Meditation in Jean-Jacques Rousseaus Spätwerk „Rêveries du promeneur solitaire“. Sie zielt darauf ab, zu analysieren, welche Bedeutung Bewegung für den „Promeneur“ hat, wohin diese ihn führt und welche spezifische Bewegung seiner Meditation entspricht, um so den Weg zu Selbsterkenntnis und Seelenruhe zu beleuchten.
4.2 Die Unfallszene der Deuxième Promenade
Die Deuxième Promenade beginnt mit einem rhetorischen Rückgriff auf den Titel: Es wird die körperliche Bewegung, das Spazierengehen, „promenades solitaire“ unmittelbar mit dem Selbsterkenntnisprozess in Zusammenhang gebracht,ces heures de solitude et meditation“. (RPS S.45 I) In dieser Promenade taucht zum ersten Mal in den Rêveries das Beisichselbstsein auf. Während eines Spazierganges in der Nähe des Dorfs Charonne, heute ein Stadtteil von Paris, ereignet sich ein unglücklicher Zusammenstoß Rousseaus mit einem Hund. Rousseaus ausführliche Schilderung des Unfalls zeigt ohne Zweifel, dass es ein einschneidendes Ereignis für ihn war. Der Zusammenstoß wird ihn noch „quelque temps" beschäftigen. (RPS S.46)
<<< L'état auquel je me trouvais dans cet instant est trop singulier pour n'en pas faire ici la description. » (RPS S.49)
Wie das klassische Drama - oder musikalisch gesprochen - die typische Sonatenhauptsatzform, ist der Text in drei Akte (Teile) aufgeteilt. Eine Prélude (Exposition) als Vorbereitung der Ekstase, das Évènement (Durchführung) als Beschreibung der Ekstase, und schließlich ein Déclin (Reprise), eine Rückkehr aus dem „glücklichsten“ Zustand zur „grausamen" Gesellschaft.
Prélude - Exposition
Auf dem genau datierten Spaziergang vergnügt Rousseau sich zunächst mit der Botanik. Er ist „zufrieden und amüsiert“, denn er findet zwei seltene Pflanzen, die er katalogisieren und in seine Sammlung aufnehmen kann. Nach der Kontemplation der Botanik folgt die Betrachtung des Ganzen, der umgebenden Landschaft. Die Botanik erscheint hier zum ersten Mal in den Rêveries als Vorbereitung auf die Seelenruhe.
<<< Enfin après avoir parcouru en détail plusieurs autres plantes que je voyais encore en fleurs [...] je quittai peu à peu ces menues observations pour me livrer à l'impression non moins agréable mais plus touchante que faisait sur moi l'ensemble de tout cela. » (RPS S.47)
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in das Thema der Arbeit ein, stellt den Autor und sein Werk vor und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Bedeutung von Bewegung und Meditation in Rousseaus „Rêveries“. Es skizziert den Aufbau der Untersuchung und die Entwicklung Rousseaus hin zur Seelenruhe.
2. Situation Rousseaus: Hier wird die besondere Lebenslage Rousseaus zum Zeitpunkt der Abfassung der „Rêveries“ beleuchtet, insbesondere seine Loslösung von der Gesellschaft und die daraus resultierende Einsamkeit, die den Ausgangspunkt seiner Selbstbetrachtung bildet.
3. Der Begriff „rêverie": Dieses Kapitel widmet sich der Definition der „rêverie“, differenziert sie von reiner Tagträumerei und beleuchtet ihre Rolle als meditative, geistige Aktivität, die in Einsamkeit und Natur zur Kontemplation führt.
4. Bewegung in den Rêveries: Das Hauptkapitel analysiert verschiedene Formen der Bewegung im Werk, insbesondere die physische Bewegung des Spaziergängers und die innere Bewegung der Meditation. Es werden die Unfallszene der Deuxième Promenade und die Uferszene der Cinquième Promenade detailliert verglichen, um den Weg zur Seelenruhe aufzuzeigen.
5. Nachwort: Das Fazit fasst die Ergebnisse bezüglich der unterschiedlichen Bewegungen und der geistigen Aktivität der „rêverie“ zusammen. Es betont die Dualität im Werk als Mittel zur Selbsterkenntnis und zieht Vergleiche zu philosophischen Konzepten.
6. Aktualität: In diesem Kapitel wird die zeitgenössische Relevanz von Rousseaus Überlegungen zu Glück, Einsamkeit und dem Rhythmus des Lebens in einer modernen, ruhelosen Gesellschaft diskutiert und die Aktualität seines Werkes hervorgehoben.
Rousseau, Rêveries, Bewegung, Meditation, Promeneur Solitaire, Einsamkeit, Natur, Kontemplation, Seelenruhe, Selbsterkenntnis, Rhythmus, Philosophie, Literatur, existentielle Erfahrung, Identität.
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Bewegung und Meditation in Jean-Jacques Rousseaus Spätwerk „Rêveries du promeneur solitaire“ und analysiert, wie diese Elemente zur Selbsterkenntnis und Seelenruhe des Autors beitragen.
Zentrale Themenfelder sind die Definition der „rêverie“ als meditative Aktivität, die Bedeutung von Einsamkeit und Natur, körperliche und geistige Bewegung sowie die Erlangung von Seelenruhe und dem Existenzgefühl.
Das primäre Ziel ist es, die genaue Bedeutung von Bewegung in den „Rêveries du promeneur solitaire“ zu bestimmen, wohin diese den „Promeneur“ führt und welche spezifische Art von Bewegung seiner Meditation entspricht.
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die spezifische Szenen aus Rousseaus Werk detailliert betrachtet und Bezüge zu philosophischen sowie musikalischen Interpretationen herstellt, um die Konzepte von Bewegung und Meditation zu ergründen.
Im Hauptteil werden Rousseaus persönliche Situation, eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Begriff der „rêverie“, die umfassende Analyse von Bewegung in den „Rêveries“ sowie spezifische Fallstudien wie die Unfallszene der Deuxième Promenade und die Uferszene der Cinquième Promenade behandelt.
Rousseau, Rêveries, Bewegung, Meditation, Promeneur Solitaire, Einsamkeit, Natur, Kontemplation, Seelenruhe, Selbsterkenntnis, Rhythmus, Philosophie, Literatur.
Der Autor differenziert, um hervorzuheben, dass „Promenade“ als menschliche Bewegungsform eine existenzielle Komponente des Werkes darstellt, während „Rêveries“ das gesamte Œuvre bezeichnet, das diese Spaziergänge und Gedanken umfasst.
Seelenruhe wird als ein Zustand des Beisichselbstseins definiert, in dem Denken und Fühlen harmonisch verschmelzen. Der Promeneur erfährt hier Glück und Frieden im Jetzt, losgelöst von externen Ablenkungen und der Trennung zwischen Ich und Welt.
Die Arbeit stellt eine Seelenverwandtschaft zwischen Rousseau und dem Komponisten Wolfgang Rihm her und deutet an, dass die Bewegung und der Rhythmus der Musik der Bewegung der „rêverie“ entspricht, welche Rousseau zur Entdeckung des „Atem der Welt“ und des Gefühls des Daseins führt.
In der Deuxième Promenade ergreift die Seelenruhe den Promeneur plötzlich und zufällig durch einen Unfall, wohingegen sie in der Cinquième Promenade durch die willentliche und geübte Praxis der Meditation, insbesondere am Wasser und durch Konzentration auf dessen Rhythmus, erreicht wird.
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