Masterarbeit, 2024
75 Seiten, Note: 1,6
Die vorliegende Masterarbeit analysiert die „Herrschaft des Selbst“ in Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“, wobei sie die These der „machtvollen Identität“ beleuchtet. Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie das identifizierende Denken und das Prinzip der Selbsterhaltung zur Selbstzerstörung der Aufklärung führen und das Subjekt in der modernen Gesellschaft zu einem leidenden Objekt machen.
2.2.1 Identitätsprinzip: Identitätsdenken
Mythos und Wissenschaft benötigen eine Trennung von Menschen und Natur (vgl. DA 21). Dies ist nötig, um ihr Gemeinsames die Identität des Selbst - herzustellen. Mit den aufklärerischen Naturwissenschaften hat sich das herrschaftliche Verhältnis seit der Odyssee weiter zum Menschen verschoben. Identität als Prinzip wird von der Aufklärung nicht abgelöst, sondern vollendet (IN 72). Trennung ist mit Identifizierung verbunden, beide bedingen sich gegenseitig. Wo genau in der Geschichte diese Trennung zum ersten Mal sich vollzogen hat, kann nicht festgestellt werden. Vor der Subjektwerdung des Selbst gab es keine Trennung in Subjekt-Objekt. Es kam im Laufe des menschlichen In-der-Welt-Seins dazu, dass die „Beziehung zwischen rationaler Bedeutung und zufälligem Bedeutungsträger" zur Einzigen wurde (DA 17). Das Subjekt, das sich durch seine Herrschaft über die Welt konstituiert, bedient sich seiner Fähigkeit zur Einordnung und Abstraktion, um das sich ihm Auftuende zu identifizieren. Diese Identifikation kann nur geschehen, wenn sich dadurch ein Vorteil, ein Mehrwert an Wissen ergibt. Der Verstand ist die Möglichkeit, diesen Schritt zu gehen (vgl. DA 36). Erst durch ihn kann das Subjekt sich bilden, mächtig werden und sich so vom Objekt distanzieren. Alles wird dabei in die Subjektivität, die Selbst-Bezogenheit, geholt und somit objektiviert (vgl. DA 96f.). Es ist dem Subjekt gar nicht möglich, das Andere, das Nicht-Identische, nicht als Objekt wahrzunehmen.
Das monologische Denken, das sich seit Parmenides angekündigt hat, impliziert den Menschen schon immer als ein monologisches Wesen, das prinzipiell zu der einen und allgemeinen Wahrheit fähig ist. Jeder Einzelne ist Repräsentant eines einzigen Logos, in dem er identisch ist mit anderen Denkenden. Logos bezeichnet den kalkulierenden und einordnenden Verstand des Menschen, seine Fähigkeit zu abstrahieren. Daher ist für die Ontologie der Mensch als Einer angesetzt, eben als allgemeine Subjektivität. Dieser monologische Ansatz klammert das Nicht-Identische per se aus. Solches Denken geht des Weiteren davon aus, dass das Verhältnis von Subjekt zu Seiendem das des Verstands - des logos - ist. Daraus folgt, dass sich das reine Denken, wenn es das Eine und das Wahre erfassen will, unabhängig von der Person des Einzelnen her wissen muss. Es ist das Denken schlechthin und niemals mein Denken oder dein Denken (vgl. IN 303). Identität herstellen zu wollen heißt, sich und den jeweils anderen gleich zu machen. Zunächst scheint dies paradox: Das Andere ist ein Objekt, weil es anders ist und außerhalb des Subjekts liegt. Räumlich und zeitlich ist das auch so, aber im Moment der Identifikation als Objekt mit bestimmten Eigenschaften wird es gleichgemacht. Gleichgemacht wird es hinsichtlich seines Nutzens für das Subjekt.
Vorwort: Das Vorwort führt in die Kernbegriffe der „Dialektik der Aufklärung“ ein und skizziert die Hauptthese, dass das traditionelle Streben nach Beherrschung und Systematik zur Selbstzerstörung der okzidentalen Zivilisation führt.
Kapitel I: Dialektik der Aufklärung: Dieses Kapitel untersucht das „aufklärende Denken“ als Ursprung von Identität und Herrschaft, analysiert die Rolle der Vernunft in der Aufklärung und kritisiert deren vermeintliche Neutralität.
Kapitel II: Das Selbst: Hier wird die menschliche Selbsterhaltung als grundlegendes Handlungsmotiv beleuchtet und der Zusammenhang zwischen Selbst, Identität und der Transformation des Selbst zum Subjekt, auch am Beispiel Odysseus, herausgearbeitet. Zudem wird eine Kritik am Identitätsdenken formuliert.
Kapitel III: Herrschaft: Das Kapitel thematisiert das Herrschaftsprinzip, das aus der Selbsterhaltung des Selbst resultiert, und analysiert die Herrschaft des Selbst über sich selbst, andere Menschen sowie die Rolle von Technologie und Kulturindustrie bei der Perpetuierung dieser Herrschaft. Es zeigt auf, warum das Subjekt unter dieser Herrschaft leidet und wie die Kulturindustrie zur Selbstentfremdung beiträgt.
Kapitel IV: Überwindung: Dieses Kapitel sucht nach Wegen zur Überwindung des identifizierenden Denkens und der Herrschaft, indem es das Konzept der Nicht-Identität einführt und Rousseaus Erfahrungen als Beispiel für eine bewusste Selbstbesinnung und das Zulassen des Anderen heranzieht.
Dialektik der Aufklärung, Adorno, Horkheimer, Selbst, Identität, Herrschaft, Selbsterhaltung, Nicht-Identität, Kulturindustrie, Rationalität, Subjekt, Objekt, Aufklärung, Entfremdung, Verdinglichung.
Diese Masterarbeit befasst sich mit der Analyse der „Herrschaft des Selbst“ in Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“, um aufzuzeigen, wie das identifizierende Denken und das Prinzip der Selbsterhaltung zur Selbstzerstörung der Aufklärung und zur Verdinglichung des Subjekts in der modernen Gesellschaft führen.
Die zentralen Themenfelder sind die Kritik des identifizierenden Denkens, die Analyse der menschlichen Selbsterhaltung, das Herrschaftsprinzip, die Rolle der Kulturindustrie und die Möglichkeiten der Überwindung durch das Konzept der Nicht-Identität.
Das primäre Ziel ist es, die Aktualität der „Dialektik der Aufklärung“ zu zeigen, indem die Mechanismen der gesellschaftlichen Rationalisierung und des Identitätsprinzips aufgedeckt werden, die zur Unterdrückung des Individuums und zum Verlust seiner Autonomie führen, und alternative Denkweisen aufzuzeigen.
Die Arbeit verfolgt eine philosophische Untersuchung und Gesellschaftskritik, die auf einer umfassenden Analyse der Schriften Adornos und Horkheimers, insbesondere der „Dialektik der Aufklärung“, sowie relevanter Sekundärliteratur basiert.
Der Hauptteil behandelt die Entstehung und Entwicklung des Selbst im Kontext der Selbsterhaltung, die Herausbildung des Identitätsprinzips und die daraus resultierende Herrschaft über die Natur und den Menschen, einschließlich der Rolle von Technologie und Kulturindustrie.
Schlüsselwörter wie Dialektik der Aufklärung, Adorno, Horkheimer, Selbst, Identität, Herrschaft, Selbsterhaltung, Nicht-Identität, Kulturindustrie, Rationalität, Subjekt, Objekt, Aufklärung, Entfremdung und Verdinglichung charakterisieren die Arbeit.
Odysseus wird als Urbild des bürgerlichen Individuums und als Herrscher dargestellt, dessen List und Kälte gegenüber der Natur und seinen Mitmenschen die zweckrationale Selbsterhaltung und damit die Verfestigung seiner Macht demonstrieren.
Rousseaus Erfahrungen, insbesondere aus seinen „Revêries d'un promeneur solitaire“, dienen als Beispiel für einen Zustand der Nicht-Identität und Selbstbesinnung, der außerhalb des zweckrationalen Denkens liegt und eine mögliche Überwindung des entfremdenden Identitätsprinzips aufzeigt.
Die Kulturindustrie wird als Herrschaftsinstrument verstanden, das durch Standardisierung und Konsum die Menschen in ihren Gefühlen und Gedanken formt, sie betäubt und die Selbstentfremdung perpetuiert, indem sie scheinbare Freiheit und Erfüllung suggeriert, die tatsächlich auf Umsatz und Anpassung abzielen.
Die Nicht-Identität ist entscheidend, weil sie die Möglichkeit eröffnet, das Fremde als solches anzuerkennen und nicht zu beherrschen. Sie ermöglicht eine freie Kommunikation und Interaktion zwischen Subjekt und Objekt sowie eine bewusste Selbstbesinnung, die über das identifizierende und herrschaftliche Denken hinausgeht.
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