Bachelorarbeit, 2010
38 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Sprachspiele als Systeme des Wissens
2.1.1. Sprachspiel
2.1.2. Die Mathematik als bloßes Sprachspiel
2.1.3. Der Zweifel an Sprachspielen als Systeme des Wissens
2.2. Wissensaussagen
2.2.1 Wann kann von Wissen gesprochen werden?
2.2.2. Der Zweifel an Wissensaussagen
2.3. System des Glaubens
2.3.1. Weltbild
2.3.2. Was hat unser Weltbild mit einer Mythologie und einem Flussbett zu tun?
2.3.3. Entstehung von Gewissheit
2.3.3.1. Entstehung von Gewissheit durch häufige Übereinstimmung bzw. Überprüfung
2.3.3.2. Entstehung von Gewissheit durch Überzeugung
2.3.3.3. Entstehung von Gewissheit durch Abrichtung
2.3.4. Der Zweifel am Weltbild
2.3.5. Können tatsächlich alle Weltbildsätze in Sprachspiele überführt werden?
2.4. Handeln
2.4.1. Handeln als letzte Instanz unseres Weltbildes und dessen Sprachspielen
2.4.2. Der Zweifel am Handeln
3. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht den Themenkomplex des Sprachspiels bei dem späten Wittgenstein und analysiert die damit verbundene Frage nach dem Status der Gewissheit auf vier Ebenen der menschlichen Realität, um zu prüfen, inwieweit ein radikaler Skeptizismus haltbar ist.
2.1.1. Sprachspiel
Mit dem Begriff ‚Sprachspiel’ setzt sich Wittgenstein konsequent von seiner früheren Ansichtsweise ab, die Sprache ließe sich in äußerster Kristallklarheit darstellen. Ende der 60er Jahre beginnt in der Linguistik eine Abkehr von Ferdinand de Saussures Strukturalismus, welcher die Bedeutung von Zeichen auf der Ebene der Semantik erschöpft sieht. Diese Abkehr hat u.a. Wittgensteins unvollendetes Werk Philosophische Untersuchungen (1953) bewirkt, weshalb er als „Vater der Pragmatik“ bezeichnet wird.
Der zentrale Gedanke hierzu ist, dass jede sprachliche Äußerung in einer menschlichen Praxis eingebettet ist und das Sprechen Handeln ist, frei nach dem Motto: „Worte sind auch Taten.“ Sprache ist also von den mit ihr verbundenen praktischen Tätigkeiten nicht zu trennen. Wilhelm Beermann fasst den Begriff ‚Sprachspiel‘ in einer kurzen Definition zusammen: „Sprachspiele sind Spiele mit Worten und Sätzen, die einfache Arten der Verwendung der Sprache darstellen.“
Es sollte hierbei allerdings beachtet werden, dass Wittgenstein sich mit dem Begriff des Sprachspiels einerseits auf die Anwendung bestimmter Einzelwörter, anderseits auf den Gebrauch der Sprache im allgemeinen Sinn bezieht. Es existiert keine universelle Relation von Begriffen zu Objekten. Die Bedeutung, also der „Inhalt, der etwas bezeichnet, benennt, einen Sinn hat“, hängt stets vom Kontext ab und kann sich nur in einem Sprachspiel manifestieren. Deshalb verzerrt eine im Lexikon befindliche Begriffsdefinition die Bedeutung eines Wortes, weil sie nur den einen, semantischen Teil der Dimension der Bedeutung abdeckt. Der Verweis auf den Kontext ist von entscheidender Bedeutung.
1. Einleitung: Vorstellung des Themenkomplexes und der vier Ebenen der menschlichen Realität zur Untersuchung des Gewissheitsstatus.
2. Hauptteil: Detaillierte Analyse des Sprachspiels, der Wissensaussagen, des Systems des Glaubens und der Rolle des Handelns bei der Konstituierung von Gewissheit.
2.1. Sprachspiele als Systeme des Wissens: Untersuchung des Sprachspiels als pragmatische Basis und die Ablehnung universeller Prinzipien, auch in der Mathematik.
2.1.1. Sprachspiel: Einführung in den Begriff des Sprachspiels als eingebettete menschliche Praxis, die den Kontext für Bedeutung schafft.
2.1.2. Die Mathematik als bloßes Sprachspiel: Darstellung der Mathematik als menschliches Konstrukt ohne apriorische Notwendigkeit, getragen durch Anwendung und Gebrauch.
2.1.3. Der Zweifel an Sprachspielen als Systeme des Wissens: Widerlegung des radikalen Skeptizismus, da jeder Zweifel ein zweifelsfreies System zur Voraussetzung hat.
2.2. Wissensaussagen: Abgrenzung von Wissen zu Glauben und Untersuchung der Rolle von Begründung und Irrtum.
2.2.1 Wann kann von Wissen gesprochen werden?: Analyse der Wissens- und Glaubenssätze sowie der Funktion der persönlichen Gewissheit.
2.2.2. Der Zweifel an Wissensaussagen: Erörterung der kontextuellen Natur von Wissen und der indirekten Einschränkung des Skeptizismus.
2.3. System des Glaubens: Untersuchung des Weltbildes als Grundlage für das Setzen von wahr und falsch.
2.3.1. Weltbild: Einführung in den Begriff Weltbild als nicht weiter hinterfragbare Basis menschlicher Urteile.
2.3.2. Was hat unser Weltbild mit einer Mythologie und einem Flussbett zu tun?: Vergleich des Weltbildes mit einer Mythologie und Erläuterung der Flussmetapher für die Flexibilität von Überzeugungen.
2.3.3. Entstehung von Gewissheit: Analyse der Prozesse, durch die Aussagen zu gewissen Weltbildsätzen werden.
2.3.3.1. Entstehung von Gewissheit durch häufige Übereinstimmung bzw. Überprüfung: Bedeutung der Erfahrung und der Verhältnismäßigkeit für den Gewissheitsgrad.
2.3.3.2. Entstehung von Gewissheit durch Überzeugung: Die Rolle der intersubjektiven Anerkennung und gemeinschaftlicher Gründe.
2.3.3.3. Entstehung von Gewissheit durch Abrichtung: Erläuterung der Abrichtung als grundlegende Art des Lernens in den ersten Lebensjahren.
2.3.4. Der Zweifel am Weltbild: Untersuchung der Möglichkeiten und Schwierigkeiten, Weltbildsätze einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
2.3.5. Können tatsächlich alle Weltbildsätze in Sprachspiele überführt werden?: Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Veränderbarkeit des Weltbildes.
2.4. Handeln: Das Handeln als letzte Instanz der Begründung.
2.4.1. Handeln als letzte Instanz unseres Weltbildes und dessen Sprachspielen: Nachweis, dass das Handeln die unbegründete Basis aller Sätze bildet.
2.4.2. Der Zweifel am Handeln: Diskussion über die Unmöglichkeit eines Irrtums im eigenen Handeln aus der 1.-Person-Perspektive.
3. Schluss: Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich des Pyramidendiagramms und der Widerlegung des radikalen Skeptizismus.
Wittgenstein, Sprachspiel, Gewissheit, Weltbild, Wissen, Glauben, Handeln, Skepsis, Flussmetapher, Abrichtung, Kontext, Begründung, Irrtum, Intersubjektivität, Pragmatik
Die Arbeit untersucht Wittgensteins Spätphilosophie, insbesondere seine Überlegungen zum Status der Gewissheit und zur Struktur von Sprachspielen.
Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis von Wissen und Glauben, die Konstitution von Weltbildern, die Bedeutung des Handelns sowie die Auseinandersetzung mit dem radikalen Skeptizismus.
Das Ziel ist es, den Status von Gewissheit auf vier Ebenen der Realität darzulegen und zu prüfen, ob Wittgensteins Ansatz den radikalen Skeptizismus widerlegen kann.
Der Autor führt eine textanalytische Untersuchung durch, bei der er Wittgensteins Begriffe (Sprachspiel, Weltbild, Flussmetapher) systematisiert und mit aktuellen philosophischen Debatten in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in vier Stufen: Wissensaussagen, Sprachspiele als Wissenssysteme, das System des Glaubens (Weltbild) und die letzte Instanz des Handelns.
Wichtige Begriffe sind Wittgenstein, Sprachspiel, Gewissheit, Weltbild, Wissen, Glauben, Handeln, Skeptizismus und die Flussmetapher.
Wissen ist bei Wittgenstein an Beweise und Kontexte gebunden und somit prinzipiell bezweifelbar, während der Glaube als grundlegende, gegenüber Zweifeln resistente Einstellung zum Weltbild fungiert.
Weil alle Begründungen und Sätze in einer Praxis enden, die sich nicht weiter rechtfertigen lässt; Handeln ist das unhintergehbare Lebenselement unseres Weltbildes.
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