Magisterarbeit, 2010
84 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage: Mensch und Technik
1.2. Zielsetzung der Arbeit
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Definition des "Cyborg"
2.1. Etymologie des "Cyborg"-Begriffs
2.2. Gradationen des Cyborgs
2.3. Abgrenzung des Cyborgs
3. Der Cyborg im Sport
3.1. Sport und Gesellschaft - Vorbetrachtungen
3.2. Die Entwicklungen im Leistungssport
3.2.1. Die genetische Disposition prädestiniert das sportliche Ergebnis
3.2.2. Der moderne Athlet als Teil einer "Maschinerie"
3.2.3. Marginale Leistungssteigerungen
3.3. Doping im Sport
3.3.1. Sonderfall Usain Bolt
3.3.2. Doping als Normalfall
3.3.3. Neueste Entwicklung: Gendoping
3.4. Der Cyborg im Sport
3.4.1. Sonderfall Oskar Pistorius
3.5. Die Fusion von Organischem mit Mechanischem – Formen
3.5.1. Umwandlung von Maschine zu Mensch
3.5.2. Umwandlung von Mensch zu Maschine
3.6. Die Fusion von Organischem mit Mechanischem – Grenzen
3.6.1. Gunter Gebauer: Das Problem der Störung
3.6.2. Grenzen der Verschmelzung
3.6.3. Der Mensch ist nur begrenzt technisierbar
3.6.4. Wie sind die Grenzen der Steigerung zu begründen?
3.6.5. Verantwortlichkeit der Steigerungen
3.6.6. "Überbietung" statt "Überschreitung" als konstitutives Prinzip des Leistungssports
3.7. Teilergebnis "Der Cyborg im Sport" I
3.8. Teilergebnis "Der Cyborg im Sport" II
4. Maurice Merleau-Pontys Konzeption des "Fleisches"
4.1. Vorbetrachtung zur Philosophie Merleau-Pontys
4.2. Wissenschaftskritik und eigene Methodik
4.3. Der Leib
4.4. Das "Fleisch"
4.5. Merleau-Ponty und die Grenze von Mensch & Maschine
4.6. Teilergebnis Merleau-Ponty
5. Donna Haraways Cyborg – (Lustvolles) Verwischen der Grenzen
5.1. Kapitelübersicht
5.2. (Situierter) Wissensbegriff
5.3. Neudefinition des Körpers
5.4. Neudefinition von Natur
5.5. Die Informatik der Herrschaft
5.6. Cyborgisierung
5.7. Haraways Cyborg-Begriff
5.8. Cyborg-Politik
5.9. Teilergebnis Donna Haraway
6. Ergebnis
Die Arbeit untersucht die Fusion von Mensch und Maschine aus einer explizit philosophischen Perspektive. Ziel ist es, die Grenzen dieser Verschmelzung zu definieren und zu analysieren, wie die Integration technischer Erweiterungen das Selbstverständnis und den Körper des Menschen verändert, wobei der Sport als gesellschaftliches Spiegelbild und der menschliche Leib als phänomenologische Grundlage dienen.
1.1. Ausgangslage: Mensch und Technik
Die Beziehung zwischen Mensch und Technik nimmt immer neue Formen an – und wird dabei zunehmend inniger. Der moderne Mensch stellt ein Wesen dar, welches in einer bisweilen schon als symbiotisch zu bezeichnenden Verbindung mit der ihn umgebenden Technik lebt – schon lange ist er Teil eines mannigfaltigen und überbordenden Mensch-Maschine-Komplexes.
Für eine Untersuchung, die neue Erkenntnisse bieten soll, kann es nicht genügen, allein die allgemeine Verbindung des Menschen mit der Technik zu betrachten; denn folgt man der Philosophischen Anthropologie, ist der Mensch durch sein Dasein als "Mängelwesen" bereits konstitutionell auf Technik als einen lebenswichtigen, da kulturschaffenden Faktor ebenso angewiesen, wie er durch seine "Weltoffenheit" zu einer schnellen Adaptionsleistung des Gebrauchs der Erzeugnisse seiner Technologie imstande ist.
Ob in Gestalt eines simplen Werkzeugs, eines Geräts oder einer hochentwickelten Maschine, die Verbindung zwischen Mensch und Erzeugnissen seiner Technologie ist ebenso vielgestaltig geworden, wie die Verwiesenheit auf deren Existenz und Benutzung zugenommen hat. Diese Verbindung endet heutzutage aber nicht mehr mit einer bloßen Bedienung technischer Hilfsmittel; denn was in den Laboren rund um den Globus bereits praktiziert wird, ist die nächste Stufe der Verbindung zwischen menschlichem Organismus und Technik: Während zunehmend verbesserte Prothesen den Körper äußerlich vervollständigen, bevölkern Elektronik und Nanotechnologien den hohl gewordenen Körper von innen. Das durch Technologien "ausgeweitete" Individuum hat dem Mensch-Maschine-Hybrid Platz gemacht – der Mensch der Zukunft ist da und findet in der Figur des "Cyborgs" seine emblematische Form.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Mensch-Maschine-Verbindung, Darlegung der Zielsetzung und Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Definition des "Cyborg": Untersuchung der Etymologie des Begriffs, Vorstellung der verschiedenen Abstufungen von einfachen bis zu genetischen Erweiterungen und Abgrenzung gegenüber anderen Konzepten wie Robotern.
3. Der Cyborg im Sport: Analyse der technischen und chemischen Modifikationen im Leistungssport, diskutiert anhand von Doping, Gendoping und dem Fallbeispiel Oskar Pistorius.
4. Maurice Merleau-Pontys Konzeption des "Fleisches": Philosophische Untersuchung des Innenaspekts der Verbindung von Mensch und Technik durch die Begriffe Leib und Fleisch als Gegenentwurf zur technischen Instrumentalisierung.
5. Donna Haraways Cyborg – (Lustvolles) Verwischen der Grenzen: Beleuchtung der Cyborg-Figur bei Donna Haraway, die als politisches Instrument zur Dekonstruktion von Dualismen und Herrschaftsstrukturen dient.
6. Ergebnis: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen der technologischen Selbstoptimierung.
Cyborg, Mensch-Maschine-Fusion, Leistungssport, Doping, Gendoping, Merleau-Ponty, Donna Haraway, Phänomenologie, Leib, Fleisch, Posthumanismus, Selbstoptimierung, Techniksoziologie, Kybernetik, Transhumanismus.
Die Arbeit untersucht die zunehmende Verschmelzung von menschlichem Organismus und Technik, insbesondere im Kontext von Selbstoptimierung und der Figur des Cyborgs.
Die zentralen Felder sind der moderne Leistungssport als Experimentierfeld der Technisierung sowie philosophische Ansätze zur Definition des menschlichen Leibes und die politische Dimension des Cyborgs.
Das Ziel ist eine philosophische Durchleuchtung der Grenzen der Fusion von Mensch und Maschine und die Reflexion über die Bedeutung dieser Entwicklung für das menschliche Selbstverständnis.
Die Arbeit nutzt einen philosophischen und phänomenologischen Ansatz, ergänzt durch wissenschaftskritische Analysen und den Vergleich mit soziologischen Theorien.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Cyborgs im Sport (Außenansicht) sowie in die philosophische Auseinandersetzung mit Merleau-Ponty (Innenansicht) und Donna Haraway (politischer Diskurs).
Zu den prägenden Begriffen zählen Leib, Fleisch, Informatik der Herrschaft, Selbstbewegung, technologische Evolution und kybernetisches System.
Der Leistungssport dient als Ort der empirischen Sichtbarkeit, an dem die Transformation des Athleten zur "Maschine" durch Doping und Prothetik besonders deutlich voranschreitet.
Während Merleau-Ponty den natürlichen, fühlenden Leib als unhintergehbare Basis des Menschseins betont, sieht Haraway im Cyborg eine Chance zur aktiven Neukonstruktion und politischen Befreiung von festen Identitätskategorien.
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