Bachelorarbeit, 2017
48 Seiten, Note: 1,7
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Ursachen und den Verlauf der Radikalisierung Jugendlicher hin zum Dschihadismus, wobei ein besonderer Fokus auf die empathische Nachverfolgung der Emotionen und die Folgen der Islamisierung für das persönliche Umfeld der Figuren gelegt wird. Zudem wird ein Vergleich zwischen aktuellen Forschungsergebnissen zur islamistisch motivierten Radikalisierung und der Darstellung in der Primärliteratur vorgenommen, um den Realitätsanspruch der Jugendliteratur zu prüfen.
Die Beziehung des Kindes zu den Eltern und die Folgen dieser Erziehung
Eine der psychische Ursachen ist meist fehlendes Urvertrauen, das aus einer gestörten oder auch gänzlich fehlenden emotionalen Verbindung zwischen Kind und Eltern in einer Phase der frühkindlichen Prägung resultiert. Hieraus ergibt sich fehlendes Selbstbewusstsein und eine instabile Persönlichkeit des Kindes, sowie auch die Sehnsucht nach liebenden Eltern.
Diese Sehnsucht nach dem „Aufgehen im mütterlichen Angenommensein“ kann durch einen Gott ersetzt werden. Es ist die „Suche nach [...] einem Zustand und einer Macht, an der es keinen Zweifel kann, der man sich, wie ein vertrauendes Kind, ganz hingeben kann. " Dieser Gott, der dieser Suche ein Ende zu bereiten scheint, kann dann die liebende Mutter ersetzen, oder, falls die Erziehung von Gewalt und Strafen geprägt war, die Rolle eines rächenden und rechtschaffenden Gottes einnehmen. Lediglich die Befolgung von Geboten und Verboten ist die Grundvoraussetzung für die Erfüllung der göttlichen Gesetze. Genau diese Gebote und Rituale geben dem verängstigten und verunsicherten Jugendlichen Halt. Für ihn ist es eine Erleichterung vom Druck, Entscheidungen zu treffen und die sich daraus ziehenden Konsequenzen zu tragen. Er schreibt seinen Taten einen Dienst an Gott zu und erlangt so sein Selbstbewusstsein zurück. Der Jugendliche findet in der Ausübung der Religion und in dem Vertrauen zu seinem Gott das Vertrauen wieder, was er in seiner Kindheit vermisst hat. Durch dieses Vertrauen gewinnt er an emotionaler Sicherheit, woraus sein Selbstbewusstsein enorm gesteigert wird.
In den frühen Entwicklungsjahren eines Kindes entwickelt sich das sogenannte „Über-Ich", das für das spätere Selbstverständnis ausschlaggebend ist. Streitigkeiten und Machtkämpfe zwischen den Eltern und dem Kind, die durch besonders strenge und konsequente Erziehung der Eltern ausgelöst werden und die strikte Befolgung und Unterwerfung einer patriarchischen Hierarchie, die durch männliche Familienangehörige geboten wird, können dazu führen, dass das Kind ein „strenge[s], eifernde[s] und intolerante[s] Über-Ich“ entwickelt, das auf „fraglose Unterwerfung und unkritische Gefolgschaft drängt". Allah nimmt irgendwann die Rolle des autoritären und strafenden Vaters ein. Er schafft die Gebote, an die sich der Jugendliche, ohne diese zu hinterfragen, halten muss.
1.0 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die aktuelle Thematik des islamistisch begründeten Terrors und die Notwendigkeit einer klaren Definition relevanter Begriffe wie Islam, Islamismus und Dschihad ein. Es skizziert das Forschungsinteresse an den Ursachen der Radikalisierung und deren Darstellung in der Jugendliteratur.
2.0 Definitionen der grundlegenden Begriffe: Hier werden grundlegende Konzepte wie Jugendliteratur, Islam, Islamismus (politisch und sozial) und Dschihadismus (größerer, kleinerer Dschihad und Märtyrertum) präzise definiert und voneinander abgegrenzt.
3.0 Die Radikalisierung: Dieses Kapitel widmet sich den vielschichtigen Ursachen und Verläufen der Radikalisierung von Jugendlichen, einschließlich psychologischer und soziologischer Faktoren wie familiäre Beziehungen, Selbstverständnis und Angstpädagogik.
4.0 Die Islamisierung der Figuren in der Jugendliteratur: Anhand von vier ausgewählten Werken der Jugendliteratur werden die Radikalisierungsprozesse der Protagonisten analysiert und mit den zuvor definierten Forschungsergebnissen zum Dschihadismus abgeglichen.
5.0 Fazit: Das Fazit fasst die Kernerkenntnisse zusammen, dass die in der Jugendliteratur dargestellten Radikalisierungsursachen den realen Forschungsergebnissen entsprechen, insbesondere in Bezug auf fehlenden familiären Halt und die Anziehungskraft radikaler Ideologien.
Dschihadisten, Jugendliteratur, Radikalisierung, Islamismus, Islam, Gewalt, Terrorismus, Familie, Selbstwertgefühl, Umma, Scharia, Angstpädagogik, Märtyrertum, Westliche Werte, Konversion
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf der Radikalisierung von Jugendlichen hin zum Dschihadismus, insbesondere wie diese Prozesse in der aktuellen Jugendliteratur dargestellt werden und ob diese Darstellungen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen.
Zentrale Themenfelder sind die Unterscheidung zwischen Islam, Islamismus und Dschihad, die psychologischen und soziologischen Ursachen der Radikalisierung, die Rolle familiärer Beziehungen und das Selbstverständnis der Jugendlichen.
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen und den Verlauf der Islamisierung und Radikalisierung aufzuzeigen, die Folgen für die Betroffenen zu untersuchen und zu prüfen, ob die Jugendliteratur einen realistischen Anspruch an die Darstellung islamistisch motivierter Radikalisierungen setzt.
Die Arbeit verwendet eine literarische Analyse, um die Radikalisierungsprozesse fiktiver Figuren in der Jugendliteratur zu untersuchen und diese mit aktuellen Forschungsergebnissen zum Dschihadismus abzugleichen.
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Definition grundlegender Begriffe, die vielschichtigen Ursachen der Radikalisierung und analysiert spezifische Radikalisierungsverläufe von Protagonisten in vier ausgewählten Jugendromanen.
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Dschihadisten, Jugendliteratur, Radikalisierung, Islamismus, Gewalt, Terrorismus, Familie, Selbstwertgefühl, Umma, Scharia und Angstpädagogik charakterisiert.
Unter "Angstpädagogik" versteht die Arbeit die Schürung der Angst vor dem Höllenfeuer und dem Satan durch radikale Islamisten, um Jugendliche zur Einhaltung der Scharia-Gesetze zu zwingen und sie vor Sünden zu bewahren.
Die väterlichen Bezugspersonen sind oft durch Alkoholabhängigkeit, Arbeitslosigkeit oder Gewalt geprägt, was zu einem Verlust der Autorität führt und die Jugendlichen dazu veranlasst, Halt und Struktur in radikalen Ideologien zu suchen.
Radikalisierte Jugendliche imaginieren sich einerseits ein islamisches Paradies auf Erden, das durch Dschihad geschaffen wird, sind aber andererseits unsicher, ob sie selbst bei einem Märtyrertod wirklich ins Paradies gelangen würden.
Die Jugendliteratur vermittelt die Botschaft, dass radikaler Islamismus keine erfolgreiche Alternative zu den Problemen des Heranwachsens darstellt, indem alle radikalisierten Figuren letztendlich sterben oder langjährige Haftstrafen antreten müssen.
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