Bachelorarbeit, 2010
45 Seiten
I. Energieoptionsentscheidungen und Gerechtigkeit
II. Energieoptionsentscheidungen und intergenerationelle Gerechtigkeit
III. Die Idee der Nachhaltigkeit
IV. Die Anerkennbarkeit von Evaluationskriterien
V. Die Grundidee der „Theory of Justice“
VI. Die Evaluation hinsichtlich intragenerationeller Ansprüche der Nachhaltigkeitsforderung
VII. Warum Verantwortung übernehmen?
VIII. Rawls und die intergenerationelle Gerechtigkeit
IX. Die Anwendbarkeit des Urzustandsmodells auf die intergenerationelle Situation
X. Die Evaluation hinsichtlich intergenerationeller Ansprüche der Nachhaltigkeitsforderung
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Vertragsargument von John Rawls als theoretische Evaluationsgrundlage für energiepolitische Entscheidungen nutzbar zu machen, um die Gerechtigkeit dieser Optionen – insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und intergenerationelle Aspekte – wissenschaftlich fundiert bewerten zu können.
I. Energieoptionsentscheidungen und Gerechtigkeit
Energieoptionsentscheidungen - verstanden als eine von wem auch immer zu treffende Entscheidung hinsichtlich eines gesamtgesellschaftlichen Energiekonzeptes - haben gegenüber anderen Entscheidungsfeldern eine exponierte Stellung in Bezug auf die zu berücksichtigenden Fragen nach der Gerechtigkeit. Dies bedeutet nicht, dass ihnen eine Sonderstellung zukommt und hier andere oder feinere Gerechtigkeitsgrundsätze erarbeitet und angewendet werden müssten. Vielmehr gibt es aber mindestens drei zwar nicht einzigartige, in ihrem Zusammenspiel jedoch besondere Eigenschaften, die eine genauere Beleuchtung genau dieser Entscheidungsmöglichkeiten ob ihrer Gerechtigkeit lohnenswert erscheinen lassen.
Die erste Besonderheit besteht darin, dass zurzeit kaum ein anderer Wirtschaftszweig in ähnlichem Ausmaß auf die Nutzung nichterneuerbarer Rohstoffe angewiesen ist wie die Energiewirtschaft. Während andere ebenfalls knappe Rohstoffe wie Mineralien prinzipiell recycelbar sind - von ökonomischen oder technischen Hürden einmal abgesehen -, sind die für die Energiegewinnung einmal verwendeten Rohstoffe Kohle, Öl und Gas nur extrem langfristig erneuerbar und, aufgrund der Aussagen des zweiten Grundsatzes der Thermodynamik, unter keinen Umständen recycelbar. Es ist somit so, dass die Nutzung einer Rohstoffeinhheit auf immer nur genau einmal möglich ist und somit die Menschheit diese Rohstoffe seit der ersten Verwendung unwiederbringlich ausgehen. Dies wirft - besonders dann, wenn intergenerationelle Gerechtigkeit Berücksichtigung finden soll - besondere Probleme in Bezug auf Fragen nach der Verteilungsgerechtigkeit auf.
I. Energieoptionsentscheidungen und Gerechtigkeit: Einführung in die besondere moralische Relevanz von Energieentscheidungen aufgrund der Endlichkeit fossiler Ressourcen.
II. Energieoptionsentscheidungen und intergenerationelle Gerechtigkeit: Beleuchtung der langfristigen Auswirkungen heutiger Energieentscheidungen auf zukünftige Generationen.
III. Die Idee der Nachhaltigkeit: Untersuchung verschiedener Nachhaltigkeitsbegriffe, insbesondere im Kontext der forstwirtschaftlichen Tradition und der Brundtland-Definition.
IV. Die Anerkennbarkeit von Evaluationskriterien: Darstellung praktischer Kriterien für Energieoptionen und der Notwendigkeit einer kontraktualistischen Herleitung.
V. Die Grundidee der „Theory of Justice“: Erläuterung des Rawls'schen Urzustandsmodells und der „circumstances of justice“ als Ausgangspunkt für Gerechtigkeitsprinzipien.
VI. Die Evaluation hinsichtlich intragenerationeller Ansprüche der Nachhaltigkeitsforderung: Anwendung des Modells auf die heutige Generation zur Ableitung von Bewertungsmaßstäben.
VII. Warum Verantwortung übernehmen?: Differenzierung zwischen prospektiver und retrospektiver Verantwortung und Begründung der Relevanz für das Handeln.
VIII. Rawls und die intergenerationelle Gerechtigkeit: Kritische Auseinandersetzung mit der Behandlung künftiger Generationen im Werk von Rawls.
IX. Die Anwendbarkeit des Urzustandsmodells auf die intergenerationelle Situation: Analyse, wie das Urzustandsmodell trotz methodischer Hürden auf die zeitübergreifende Situation übertragen werden kann.
X. Die Evaluation hinsichtlich intergenerationeller Ansprüche der Nachhaltigkeitsforderung: Zusammenführende Bewertung von Energieoptionen unter Berücksichtigung von Fairness gegenüber künftigen Menschen.
Energiepolitik, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, John Rawls, A Theory of Justice, Intergenerationelle Gerechtigkeit, Urzustandsmodell, Veil of Ignorance, Vertragsargument, Energieoptionen, Verantwortung, Rohstoffknappheit, Verteilungsgerechtigkeit, Basale Interessen, Evaluationsgrundlage
Die Arbeit untersucht, wie man energiepolitische Entscheidungen gerecht bewerten kann, indem sie das philosophische Vertragsargument von John Rawls als methodisches Instrument nutzt.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen der Nutzung fossiler Energieträger, den Gerechtigkeitsansprüchen der heutigen Generation und der Verantwortung gegenüber künftigen Generationen.
Ziel ist es, eine universell akzeptable Evaluationsgrundlage zu entwickeln, die auf rationalen Interessen basiert und als Maßstab für die Nachhaltigkeit von Energieoptionen dienen kann.
Die Arbeit nutzt einen kontraktualistischen Ansatz. Sie bedient sich der Methode der „original position“ (Urzustand) und des „veil of ignorance“ (Schleier des Nichtwissens) aus Rawls' Gerechtigkeitstheorie.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Gerechtigkeit, erarbeitet Kriterien für die Energiebewertung und überträgt das Urzustandsmodell schrittweise auf die Herausforderungen der Nachhaltigkeit.
Die zentralen Begriffe sind Energiepolitik, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Rawls, Urzustandsmodell, Intergenerationelle Gerechtigkeit und Vertragsargument.
Der Autor argumentiert, dass der Begriff zwar ein moralisches Ideal darstellt, aber für eine konkrete Bewertung von Energieoptionen ein nachvollziehbarer und universell anerkannter Bewertungsmaßstab fehlt.
Durch die Interpretation des Urzustandsmodells als Gedankenexperiment, in dem die Vertragspartner hinter einem „Schleier des Nichtwissens“ über die eigene Generationenzugehörigkeit entscheiden, wird ein fairer Ausgleich angestrebt.
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