Forschungsarbeit, 2009
63 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
1.1 Methodisches Vorgehen
1.2 Forschungsstand
2. Leben und Persönlichkeit Karls des Großen - ein Überblick
3. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus
4. Karl der Große im Schatten des NS-Regimes – wie aus dem „Sachsenschlächter“ ein „germanischer Europäer“ wurde
4.1 Erste Phase: Karl der Großen zu Beginn der NS-Herrschaft
4.2 Zweite Phase: Der Aufstieg Karls zum germanischen Recken und Begründer Deutschlands
4.2.1 Karl der Große und Widukind – Todfeinde oder zwei germanische Helden?
4.2.2 „Karl der Große oder Charlemagne“ – Ein Rettungsversuch deutscher Mediävisten?
4.3 Dritte Phase: Das Karlsbild der Kriegsjahre
4.3.1 Karl der Große im Fokus Adolf Hitlers
4.3.2 Hitler ein Sympathisant Karls den Großen?
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die differenzierte Wahrnehmung und Instrumentalisierung der Herrschergestalt Karls des Großen während der Zeit des Nationalsozialismus, um aufzuzeigen, wie sich dessen Bild von einem negativ konnotierten „Sachsenschlächter“ hin zu einem germanischen Helden und Wegbereiter eines europäischen Einigungsprozesses wandelte.
4.1 Erste Phase: Karl der Großen zu Beginn der NS-Herrschaft
Für die Untersuchung des Karlsbildes während der Anfangsphase des Nationalsozialismus werden vor allem Zitate des Parteidogmatikers Alfred Rosenbergs verwendet. Und wer sonst als Alfred Rosenberg, der nicht nur Gründer und Reichleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur war, sondern 1934 auch zum Beauftragten des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP von Adolf Hitler persönlich ernannt wurde, eignet sich am besten, um den kultur-historischen Zeitgeist des Dritten Reiches zu erfassen? Seine Ideen, sein Geist erfühlten unter der Aufsicht Hitlers sowohl die Lehrbücher als auch die öffentliche Meinung, so dass Rosenbergs Äußerungen und Publikationen als der „selbsternannte“ Chef-Rassenideologe sich für die Betrachtung des bestandenen und geschaffenen Karlsbildes hervorragend eignen.
In seinem Werk „Blut und Ehre – Ein Kampf für die deutsche Wiedergeburt“ betont Alfred Rosenberg, dass für ihn heute (1932) nicht Karl der Große, sondern sein sächsischer Widerstreiter Widukind „ein Symbol für den Bewohner und Schirmer angeborener Eigenart als Voraussetzung der angestrebten, in Blut und Bodenverwurzelten Volkskultur“ gewesen ist. Noch deutlicher drückt er sich bei seiner Rede „Deutsche Wiedergeburt“, einer Rede zur Eröffnung der deutschen Kulturtage in Köln (Oktober 1933) aus, als er erneut seinen Standpunkt bekräftigt, dass „nicht Karl der Große der eigentliche Begründer und Träger der deutschen Reichsidee“, sondern der sächsische „Rebell Widukind, der Gründer des Reiches“ war.
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas und des methodischen Ansatzes zur Analyse der Rezeption Karls des Großen im NS-Regime.
2. Leben und Persönlichkeit Karls des Großen - ein Überblick: Historischer Abriss über das Leben und Wirken Karls sowie seine Rolle als Herrscher im Frühmittelalter.
3. Geschichtswissenschaft im Nationalsozialismus: Analyse der Rahmenbedingungen und der ideologischen Ausrichtung der mediävistischen Forschung während der NS-Diktatur.
4. Karl der Große im Schatten des NS-Regimes – wie aus dem „Sachsenschlächter“ ein „germanischer Europäer“ wurde: Detaillierte Untersuchung der drei Phasen des Wandels des Karlsbildes unter Einfluss von NS-Propaganda und ideologischen Debatten.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die den kontinuierlichen, oft widersprüchlichen Wandlungsprozess des Karlsbildes unter der nationalsozialistischen Herrschaft bestätigt.
Karl der Große, Nationalsozialismus, Geschichtsbild, Widukind, NS-Propaganda, Sachsenkriege, Germanen, Hitler, Geschichtswissenschaft, Mittelalter, Instrumentalisierung, Ideologie, Reichsidee, Europäische Einigung, Drittes Reich
Die Arbeit untersucht, wie die historische Gestalt Karls des Großen während des Nationalsozialismus bewertet, instrumentalisiert und politisch missbraucht wurde.
Im Zentrum stehen der Wandel des Karlsbildes zwischen 1933 und 1945, die Rolle der nationalsozialistischen Geschichtsschreibung und die spezifische Bedeutung der Sachsenkriege in diesem ideologischen Kontext.
Das Ziel ist es, den Wandlungsprozess der historischen Deutung Karls des Großen während der zwölfjährigen NS-Diktatur aufzuzeigen und zu klären, ob dieses Bild ideologisch stringent blieb oder sich den politischen Notwendigkeiten anpasste.
Der Autor führt eine literatur- und quellenbasierte Analyse durch, indem er Reden, Publikationen von NS-Parteidogmatikern und zeitgenössische geschichtswissenschaftliche Werke vergleichend betrachtet.
Der Hauptteil gliedert die Untersuchung in drei chronologische Phasen, die den Wandel vom negativ besetzten „Sachsenschlächter“ hin zum idealisierten germanischen Begründer des Reiches und späteren „Europäer“ dokumentieren.
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Instrumentalisierung, NS-Geschichtsideologie, Rezeption von Geschichte und die Transformation historischer Mythen definiert.
Widukind wurde von NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg zunächst als völkische Identifikationsfigur und „Rebell“ gegen Karl den Großen erhoben, um den vermeintlich undeutschen Charakter des fränkischen Kaisers zu betonen.
Hitler entwickelte sich von einer anfänglichen Skepsis gegenüber dem „fränkischen Eindringling“ hin zu einem bewussten Fürsprecher, der Karl als großen Herrscher und ersten Einiger Europas für seine propagandistischen Ziele und die Gründung der SS-Division „Charlemagne“ instrumentalisierte.
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