Fachbuch, 2011
125 Seiten, Note: "-"
Vorbemerkung
Einleitung
Kindheit und Jugend (1829-1845)
Ausbildung in Düsseldorf (1845-1847)
München, Antwerpen, Paris (1848-1854)
Karlsruhe (1854-1855)
Venedig, Florenz (1855-1856)
Rom (1856-1865)
Die Seele Iphigenies als Spiegel künstlerischer Sehnsucht
Rom (1865-1872)
Die Idee der dialektischen Bilderpaare
Wien (1873-1876)
„Phänomenologie der Fehler“: ‚Fehlerhaftigkeit’ als Zeichen der Modernität
Die letzten Lebensjahre
Nachruhm und Rezeption
Zeittafel
Charakteristiken
Feuerbach-Zitate
Auswahlbibliographie (chronologisch ab 1975)
Diese Werkbiographie hat zum Ziel, das künstlerische Schaffen von Anselm Feuerbach neu zu bewerten und ihn in einen künstlerischen Wertekanon einzuordnen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie sich Feuerbachs Werk unter Berücksichtigung unveröffentlichter Quellen und einer revidierten Sicht auf die Malerei der späten Deutsch-Römer entwicklungsgeschichtlich in die Moderne einordnen lässt.
Die Idee der dialektischen Bilderpaare
Schon Julius Allgeyer bemerkte in der ersten Auflage seiner Feuerbach-Biographie, dass die beiden Brunacci-Bildnisse „Bianca Capello“ und „Lesbia mit dem Sperling“ als „Seitenstücke“ oder „Pendants“ von Feuerbach konzipiert wurden, was ein Brief des Künstlers bestätigt. Im selben Brief erwähnt er weiterhin, dass er auch für seinen „Mandolinenspieler“ (1868) ein Pendant plane. Es gibt zwei frühere Beispiele von offensichtlichen Bilderpaaren, und zwar „Nanna mit Fächer“ und „Nanna als Virginia“ oder auch „Schwarze Dame“ genannt, beide Bilder wurden 1861 signiert.
Die Frage ist, was Feuerbach mit diesen Bilderpaaren beabsichtigte und in welchem ikonographischen Zusammenhang diese stehen. Zwischen beiden Bilderpaaren liegen sieben Jahre Abstand, die Brunacci-Bildnisse wurden 1868, die Nanna-Bildnisse 1861 signiert, wobei allerdings „Virginia“ schon 1863/64 begonnen wurde. Wie bereits erwähnt hatte Feuerbach sein erstes Modell Nanna 1860 vermutlich durch Vermittlung des in Rom tätigen englischen Künstlerkreises, zu dem er Kontakt hatte, kennen gelernt. Es gibt eine vorzügliche „La Nanna“-Serie von Frederic Lord Leighton. Der englische Erfolgsmaler stellte Nanna zwei Mal mit dem Attribut von Pfauenfedern als „Pavonia“ dar. Der Name verwandelt sie selbst zur „Pfauenäugigen“ und stellt neben der allgemein bekannten Symbolik, in der der Pfau für Schönheit, Eitelkeit und Stolz steht, einen mythologischen Bezug zur Himmelsgöttin Hera her, Gattin des Zeus und Schutzpatronin der Frauen und der Einehe.
Kindheit und Jugend (1829-1845): Beleuchtet Feuerbachs familiäre Prägung und seine ersten Schritte als Künstler im Umfeld einer "genialen", aber seelisch belasteten Familie.
Ausbildung in Düsseldorf (1845-1847): Beschreibt die akademische Ausbildung und die frühe Entwicklung einer antiakademischen Haltung.
München, Antwerpen, Paris (1848-1854): Analysiert Feuerbachs Suche nach künstlerischer Orientierung in verschiedenen europäischen Kunstzentren und den Einfluss von Thomas Couture.
Karlsruhe (1854-1855): Dokumentiert die problematische Zeit in Karlsruhe, geprägt von Ablehnung und persönlichen Konflikten.
Venedig, Florenz (1855-1856): Schildert die Inspiration durch die italienische Kunst und die Entstehung neuer Malstile während einer schweren persönlichen Krise.
Rom (1856-1865): Berichtet von Feuerbachs langem Aufenthalt in Rom, seinem Leidensweg und der existenziellen sowie künstlerischen Suche.
Die Seele Iphigenies als Spiegel künstlerischer Sehnsucht: Untersucht die ikonographische Bedeutung von Feuerbachs berühmtestem Thema und dessen literarische Bezüge.
Rom (1865-1872): Fokussiert auf die Beziehung zum Mäzen Schack und die Entwicklung der künstlerischen Reife in den späteren Jahren.
Die Idee der dialektischen Bilderpaare: Erläutert das Konzept der Bilderpaare als Ausdruck von dialektischen Gegensätzen in Feuerbachs Schaffen.
Wien (1873-1876): Beschreibt Feuerbachs Wiener Professur, die durch Konflikte mit der Kunstkritik und den Erfolg von Hans Makart überschattet war.
„Phänomenologie der Fehler“: ‚Fehlerhaftigkeit’ als Zeichen der Modernität: Analysiert den Vorwurf der "Fehlerhaftigkeit" als Ausdruck eines bewussten ästhetischen Programms.
Die letzten Lebensjahre: Zeichnet das Ende seines Lebens in Venedig und die zunehmende Resignation nach.
Nachruhm und Rezeption: Kritisiert die durch Henriette Feuerbach maßgeblich gesteuerte, idealisierende Rezeptionsgeschichte.
Anselm Feuerbach, Werkbiographie, Deutsch-Römer, Malerei, Moderne, Henriette Feuerbach, Iphigenie, Gastmahl, Künstlermythos, Klassizismus, Rezeptionsgeschichte, Kunstkritik, Rom, Wien, Kunst des 19. Jahrhunderts
Die Arbeit ist eine umfassende Werkbiographie des Malers Anselm Feuerbach, die sein Leben und Schaffen vor dem Hintergrund der europäischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts beleuchtet.
Zu den zentralen Themen gehören Feuerbachs künstlerische Entwicklung, sein Verhältnis zur akademischen Kunstkritik, seine komplexen Beziehungen zu seiner Stiefmutter Henriette und zu seinem Modell Nanna sowie die kritische Aufarbeitung seines Nachlasses.
Ziel ist es, Feuerbach aus der literarisierten Legendenbildung zu befreien und sein Werk durch eine neue Quellenanalyse als bewussten Beitrag zur Entwicklung der Moderne zu würdigen.
Es wird eine quellenkritische Methode angewandt, die insbesondere das "Vermächtnis" und die originalen Schriftquellen gegenüber der überlieferten Legende kritisch hinterfragt.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die seine künstlerische Ausbildung und Wanderjahre, sein Leben in Rom und Wien sowie die inhaltliche und formale Analyse seiner wichtigsten Bildserien umfassen.
Wichtige Begriffe sind Feuerbachs Rolle als Deutsch-Römer, seine "Fehlerhaftigkeit" als Modernitätsmerkmal, die Bedeutung von Sehnsuchtsmotiven und die kritische Distanz zur tradierten Kunstgeschichtsschreibung.
Durch die Manipulation und Veröffentlichung seines Nachlasses ("Vermächtnis") schuf sie ein idealisiertes, teils verklärtes Bild des "verkannten Genies", das die reale, oft schwierige Persönlichkeit des Künstlers überdeckte.
Der Autor zeigt auf, dass Feuerbach von akademischen Normen abwich, um eine rein anschauliche Repräsentation zu schaffen, was als Ausdruck seines modernen, bewussten Gestaltungswillens verstanden werden muss.
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