Masterarbeit, 2008
87 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Ein Blick in die Zukunft der Unternehmen
1.2 Zukünftige Herausforderungen für das Projektmanagement
1.3 Aufbau der Master Thesis
2 Grenzen eines fremdorganisierten, rational plangeleiteten Projektmanagements
2.1 Erwartungen an Planung im klassischen Sinne
2.2 Kritik des klassischen Planungsverständnisses
2.2.1 Abstrakte, rational analytische Planbarkeit ist eine Illusion
2.2.2 Fremdgesteuertes Organisieren beschneidet Initiative und Engagement
2.3 Empfehlung für einen veränderten Planungsansatz
2.3.1 Planen von Projektzielen
2.3.2 Planen von Kosten und Aufwänden
2.4 Fazit
3 Nicht-planungsgetriebene Selbstorganisation als Alternative für ein ausgewogenes Projektmanagement
3.1 Wie entsteht Ordnung in Projekten?
3.2 Was ist Selbstorganisation?
3.2.1 Autonome Selbstorganisation
3.2.2 Autogene Selbstorganisation
3.3 Theoretische Modelle sozialer Systeme und ihre Implikationen für Projektmanagement
3.3.1 Konstruktivistische Sozialtheorie nach Hejl
3.3.2 Theorie sozialer Systeme nach Luhmann
3.3.3 Sozialpsychologie des Organisierens nach Weick
3.3.4 Konzept der Selbstorganisation nach Probst
3.4 Kritische Würdigung: Wie passt Selbstorganisation in Projekte?
4 Studie: Projektmanagement im Umbruch
4.1 Fragen zur aktuellen Situation
4.2 Projekte und Fallbeispiele
4.3 Studienergebnis 1: Eine Landkarte für ausgewogenes Projektmanagement
4.3.1 Dimension 1: Vom planungsgeleiteten zum erkenntnisgeleiteten Vorgehen
4.3.2 Dimension 2: Von der Fremdorganisation zur Selbstorganisation
4.3.3 Verortung der Projekte und Fallbeispiele
4.4 Studienergebnis 2: Hypothesen für ein ausgewogenes Projektmanagement
4.4.1 Kommunikationsstrukturen
4.4.2 Organisations- und Projektkultur
4.4.3 Leitung und Führung
4.4.4 Ressourcenorientierung
4.4.5 Veränderung, Entwicklung, Lernen
4.4.6 Formale Strukturen
4.4.7 Ziele
4.4.8 Effektivität und Qualität
4.4.9 Arbeitszufriedenheit
4.4.10 Kooperation
4.4.11 Problemlösen
4.4.12 Kontexte und Umwelt
4.5 Fazit
5 Alternativen zum „klassischen“ Projektmanagement
5.1 Führungsmodelle
5.1.1 Leadership Compass
5.1.2 „Following part“ von Führung
5.1.3 Solo and Team Leader
5.2 Storytelling
5.3 Vernetztes Denken
5.3.1 Warum ist eine neue Art des Denkens erforderlich?
5.3.2 Sechs Fehler im Umgang mit komplexen Systemen
5.3.3 Bausteine des vernetzten Denkens
5.4 Dialog und Beratung
5.5 Dynamic Facilitation
5.6 „Open Space“-Projektorganisation
5.6.1 Was ist Open Space?
5.6.2 Die Open-Space-Projektorganisation
5.6.3 Skizze einer Open Space Projektorganisation
5.6.4 Erkenntnisse aus dem Modellprojekt
5.7 Agiles Projektmanagement mit Scrum
6 Fazit
Diese Master Thesis untersucht das Spannungsfeld zwischen klassischer Planungssicherheit und notwendiger Selbstorganisation in modernen Projekten. Das primäre Ziel ist es, die Grenzen traditioneller, fremdgesteuerter Projektmanagementansätze aufzuzeigen und praxistaugliche Alternativen zu entwickeln, die Selbststeuerungskräfte in Teams aktivieren, um so in einem hochdynamischen Umfeld erfolgreicher agieren zu können.
2.2.1 Abstrakte, rational analytische Planbarkeit ist eine Illusion
Planung impliziert eine geistige Vorwegnahme und ein möglichst exaktes Bild der kommenden Realität. Sie behandelt die künftig mögliche Wirklichkeit, die möglichst objektiv zu erfassen ist (Gälweiler 1986). Zur Sicherung dieser Objektivität sollen ein systematisches Vorgehen und der Einsatz von Planungstechniken beitragen. Dabei wird jedoch nicht berücksichtigt, dass Planung den Handlungskontext und die Rahmenbedingungen sowohl des Planenden als auch der Ausführenden aktiv mitgestaltet. Sie beeinflusst also die Zukunft und diese beeinflusste Zukunft wirkt wiederum auf die Planung zurück: ein Paradebeispiel für eine hochgradig rekursive Beziehung.
Damit rückt zwangsläufig die Frage in den Vordergrund, ob wir überhaupt in der Lage sind, die Realität zu erkennen und angemessen zu beschreiben. Vom konstruktivistischen Standpunkt aus gibt es auf diese Frage eine eindeutige Antwort:
„Erstens: Wir können eine von uns als unabhängig gedachte Welt prinzipiell nicht erkennen. Zweitens: Wir erzeugen die uns bekannte Welt mit Hilfe mentaler Operationen, mit Hilfe unserer Begriffe – d.h., die Idee von einer gegenüber unseren Vorstellungen unabhängigen Welt (Ontologie) ist obsolet.“ (Fischer 2000, S. 16) Der Konstruktivismus stellt das traditionelle Planungsverständnis, wonach eine Beschreibung der Realität unabhängig vom Beobachter möglich ist, auf den Kopf: Der kognitive Prozess dient nicht mehr dazu, die Realität möglichst wirklichkeitsnah und objektiv abzubilden, sondern hilft dem Einzelnen, mit den Schwierigkeiten seiner subjektiv wahrgenommenen Welt zurechtzukommen. Realität wird auf Basis vergangener Erfahrungen konstruiert. (Handlbauer 2000)
Sowohl unsere Wahrnehmung als auch unser Handeln sind geprägt durch unsere Erfahrungen, Absichten und Überzeugungen. Davon ist auch die Projektleitung nicht ausgenommen. Im Gegenteil: Jeder Versuch der Objektivierung erzeugt blinde Flecken in der Wahrnehmung, derer wir uns oft nicht bewusst sind. Planung kann entgegen dem klassischen Verständnis also kein objektiver, vom Planenden losgelöster Prozess sein. Deshalb und weil es über die Zukunft bekanntlich keine Gewissheit geben kann, wird Planung im Normalfall durch Ungewissheit und fehlende bzw. falsche Informationen geprägt sein.
1 Einleitung: Dieses Kapitel thematisiert die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit in der Wirtschaft und die daraus resultierende Notwendigkeit, Projektmanagement von einer rein fremdgesteuerten Planung hin zu flexibleren, selbstorganisierten Ansätzen weiterzuentwickeln.
2 Grenzen eines fremdorganisierten, rational plangeleiteten Projektmanagements: Die Analyse zeigt auf, dass klassische, rational-analytische Planungsmethoden in komplexen Umgebungen an ihre Grenzen stoßen, da sie die subjektive Realitätskonstruktion der Beteiligten ignorieren und Innovation hemmen.
3 Nicht-planungsgetriebene Selbstorganisation als Alternative für ein ausgewogenes Projektmanagement: Hier wird Selbstorganisation theoretisch fundiert, indem verschiedene Konzepte sozialer Systeme verglichen werden, um Selbstorganisation als essenzielles Phänomen für Projektorganisation zu identifizieren.
4 Studie: Projektmanagement im Umbruch: Anhand von Interviews und Fallbeispielen untersucht die Studie, wie Projekte bereits heute erfolgreich erkenntnisgeleitete Selbstorganisation implementieren und welche Faktoren dabei eine entscheidende Rolle spielen.
5 Alternativen zum „klassischen“ Projektmanagement: Dieses Kapitel stellt praktische Führungsmodelle, Methoden und Instrumente vor – wie Leadership Compass, Storytelling, Dynamic Facilitation und Open Space –, die eine Balance zwischen Struktur und Selbstorganisation ermöglichen.
6 Fazit: Die Master Thesis schließt mit der Erkenntnis, dass Projektmanagement kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch ist, und plädiert für ein Führungsverständnis, das auf Vertrauen und der Förderung von Selbstorganisation basiert.
Projektmanagement, Selbstorganisation, Fremdorganisation, Planungssicherheit, Systemtheorie, Erkenntnisgeleitetes Handeln, Komplexitätsmanagement, Projektkultur, Führung, Agile Methoden, Vernetztes Denken, Sinngebung, Sozialpsychologie, Transformation, Innovationsfähigkeit
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen klassischer, fremdgesteuerter Planung und der Notwendigkeit für Selbstorganisation in Projekten, um den Anforderungen einer zunehmend komplexen Welt gerecht zu werden.
Die zentralen Themen umfassen die systemtheoretische Fundierung von Organisationen, die Kritik an rein rational-analytischen Planungsansätzen sowie die praktische Anwendung von Alternativmethoden wie Agilem Projektmanagement und Dynamic Facilitation.
Das Hauptziel ist es, Denk- und Handlungsalternativen zum klassischen Projektmanagement aufzuzeigen, die innerhalb eines Teams vorhandene Fähigkeiten zur Selbstkoordination aktivieren, anstatt nur durch externe Kontrolle zu steuern.
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer und systemtheoretischer Konzepte sowie auf eine explorative, qualitative Studie, basierend auf Experteninterviews und Fallbeispielen aus der Wirtschaft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit dem traditionellen Planungsverständnis, eine theoretische Herleitung von Selbstorganisation und eine fundierte Studie inklusive konkreter Fallbeispiele, die den Umbruch im modernen Projektmanagement dokumentieren.
Die zentralen Begriffe sind Projektmanagement, Selbstorganisation, erkenntnisgeleitetes Handeln, Systemtheorie, Planungssicherheit, Komplexität und projektorientierte Unternehmensführung.
Autonome Selbstorganisation findet innerhalb vorgegebener Fremdstrukturen statt (Dezentralisierung der Detailplanung), während autogene Selbstorganisation einen Prozess beschreibt, der ohne direkte rationale Planung Einzelner Ordnung aus dem System heraus entstehen lässt.
Weil das Festhalten an Hierarchien, Privilegien und einem „Helden-Image“ der Führungskraft in komplexen, dynamischen Umgebungen Innovation hemmt und die notwendige Nutzung kollektiver Intelligenz im Team verhindert.
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