Bachelorarbeit, 2008
60 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Phänomen Analyse - Einstieg mit dem Erstaunen
Definition von Public Viewing
Skizzierung des Phänomens anhand zweier Beispiele aus dem Opernbereich
Beispiel I: Bayreuther Festspiele - „Gott sei Dank, das Wetter war schön“
Beispiel II: Staatsoper Unter den Linden - „Oper für alle“
3. Historische Analyse - ein Rückblick
Setting des anfänglichen Musiktheaters
Eine neue Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert
Setting der Wagner‘schen Oper
Über einen dunklen Opernsaal, ein verschwundenes Orchester und die Illusion
4. Mediale Analyse - eine Medienverschiebung
Das Ereignis im Ereignis
Public Viewing - ein neues Medium zwischen Publikum und Bühne?
Der Verlust des Auratischen
Erwidert die Leinwand den Blick?
5. Public Viewing zerstört die Aura - So what?
Der Gewinn im Neuen
Public Viewing als Forderung nach einer Erlebnishaftigkeit?
Zurück ins 18. Jahrhundert?
Die Öffentlichkeit verliert sich im Privaten
Führt Public Viewing Oper aus dem Dunkel des Wagner‘schen Opernsaals an das Tages licht einer neuen Öffentlichkeit?
Public Viewing als ein neuer Ort von Öffentlichkeit?
Oper, Ort und der Stadtraum
Was ist die Intention der Opernhäuser?
6. Nimmt Public Viewing die Oper mit in die Zukunft? - ein Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziologisch-medientheoretische Phänomen "Public Viewing" im Opernbereich. Dabei steht im Kern die Forschungsfrage, welchen Einfluss die Live-Übertragung von Operninszenierungen auf den öffentlichen Raum auf die Rezeption des Musiktheaters sowie auf das traditionelle Rezeptionssetting in den "heiligen Hallen" der Opernhäuser ausübt.
Über einen dunklen Opernsaal, ein verschwundenes Orchester und die Illusion
Es war Wagners Anspruch, dass sich der Zuschauer so fühlt, als wäre er Teil der Bühnenaufführung, „er soll das Gefühl haben im Kunstwerk zu atmen und zu leben.“ (Carnegy 2006: 37) Der Zuschauer sollte eingefangen und völlig aus seiner realen Situation herausgezogen werden. Zentraler Begriff bei Wagner ist folglich der Begriff der Illusion. Es sollte die totale Illusion auf der Bühne entstehen (vgl. Carnegy 2006: 69) oder wie Wagner formulierte, er wolle das „perfekte Theater der Illusion“ erschaffen, (vgl. Bowman 1966: 429/Carnegy 2006: 73) ganz im Sinne der Strömung des Illusionismus im 19. Jahrhundert. (vgl. Bowman 1966: 429)
Ein erstes Phänomen zur Erzielung dieser Wirkung, das das Opernsetting maßgeblich verändert hat, ist die Verdunkelung des Zuschauerraums. Eine erste Idee, welche Funktion Licht bzw. die Abwesenheit von Licht im Publikumssaal haben könnte, bekam Wagner 1837, als er in Riga die musikalische Leitung des Theaters übernahm. Zur damaligen Zeit war die Einführung der Dunkelheit eine völlige Überraschung und ein totales Novum. Die Argumentation hinter dieser Entscheidung war für Wagner, dass die Dunkelheit zwischen Bühne und Zuschauer dem Rezipienten als neutraler Raum dienen sollte, um ihm eine bestmögliche Illusion zu ermöglichen, da das Abschätzen der Distanz zwischen dem Zuschauer und der Bühne so erschwert wurde. (vgl. Carnegy 2006: 71) Nur so, in der Dunkelheit, schien Wagner seine Vision ermöglicht, dass sich das Publikum wie in einem Traum fühlte.
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der medialen Opernrezeption und die Relevanz von Public Viewing im heutigen Kontext.
2. Phänomen Analyse - Einstieg mit dem Erstaunen: Definition des Begriffs Public Viewing und Skizzierung anhand der Beispiele Bayreuther Festspiele und Staatsoper Unter den Linden.
3. Historische Analyse - ein Rückblick: Untersuchung der Entwicklung des Musiktheaters vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, inklusive Richard Wagners Einfluss auf das Opernsetting.
4. Mediale Analyse - eine Medienverschiebung: Medientheoretische Betrachtung der Veränderung der Wahrnehmung durch Kamera und Leinwand sowie des Benjamin'schen Aura-Begriffs.
5. Public Viewing zerstört die Aura - So what?: Kritische Auseinandersetzung mit der Eventkultur und der Frage, ob Public Viewing eine neue Form von Öffentlichkeit und Geselligkeit schafft.
6. Nimmt Public Viewing die Oper mit in die Zukunft? - ein Ausblick: Zusammenfassendes Fazit über die Rolle von Public Viewing als Ergänzung zur traditionellen Opernrezeption.
Public Viewing, Oper, Medientheorie, Walter Benjamin, Aura, Richard Wagner, Inszenierung, Musiktheater, Öffentlichkeit, Erlebnisgesellschaft, Live-Übertragung, Rezeption, Kultursoziologie, Medialisierung, Gesamtkunstwerk
Die Arbeit untersucht die medientheoretischen und soziologischen Auswirkungen von "Public Viewing" auf die Opernrezeption und das Verständnis von Öffentlichkeit im Musiktheater.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung des Opernbesuchs, der medientheoretischen Transformation des "Aura"-Begriffs nach Benjamin sowie der Analyse von Public Viewing als neues soziales Event.
Es soll analysiert werden, ob Public Viewing die Oper als "Eliten-Kunst" öffnet oder ob es sich lediglich um eine oberflächliche Eventisierung handelt, die das Wesen des Musiktheaters gefährdet.
Die Arbeit basiert auf einer soziologisch-medientheoretischen Analyse, die durch Literaturstudien und Experteninterviews mit Vertretern der Hamburger Staatsoper und der Staatsoper Unter den Linden ergänzt wird.
Der Hauptteil befasst sich mit der Transformation des Opern-Settings (Verdunkelung, Architektur), der Rolle des Mediums Kamera als Filter sowie dem Wandel von der bürgerlichen Öffentlichkeit zur modernen Erlebnisgesellschaft.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Aura, Medientheater, Erlebnisgesellschaft, Distanz, Illusion, Öffentlichkeit und Rezeptionssetting.
Wagner etablierte durch die Verdunkelung des Saals und das unsichtbare Orchester das Ideal einer totalen Illusion, welches das Opernsetting bis heute maßgeblich prägt und dem Public Viewing diametral gegenübersteht.
Der Aura-Begriff dient als theoretisches Korrektiv, um zu bewerten, was durch die mediale Reproduktion verloren geht und welche neuen Qualitäten durch das "Ereignis im Ereignis" (Public Viewing) möglicherweise entstehen.
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