Diplomarbeit, 2010
148 Seiten
1 Einleitung
2 Theorien über die räumliche Verteilung der Jugendkriminalität
2.1 Einordnung der Theorie sozialer Desorganisation unter den Theorien abweichenden Verhaltens
2.2 Sozialökologische Grundlagen der Theorie sozialer Desorganisation
2.2.1 Einführung in die Sozialökologie
2.2.2 Räumliche Verteilung der Jugendkriminalität in Chicago
2.2.3 Sozialökologische Theorien
2.3 Theorie sozialer Desorganisation
2.3.1 Begrifsdefinition und Begriffsursprung
2.3.2 Theorie sozialer Desorganisation als Subkulturtheorie
2.3.3 Theorie sozialer Desorganisation als Kontrolltheorie und Hypothesenbildung
3 Paneldatenanalyse der Jugendkriminalität in Deutschland
3.1 Operationalisierung der Variablen
3.1.1 Operationalisierung der abhängigen Variable
3.1.2 Operationalisierung der unabhängigen Variablen
3.2 Panelmodelle zur Erklärung der Jugendkriminalitätsraten
3.2.1 Einführung in die Paneldatenanalyse
3.2.2 Between-Effects-Modell
3.2.3 Fixed-Effects-Modell
3.2.4 Random-Effects-Modell
3.2.5 Modellwahl
3.3 Soziale Kontrolle als Mediator zwischen sozialer Desorganisation und der Jugendkriminalität
3.3.1 Einführung in die Mediatorenanalyse
3.3.2 Operationalisierung der Mediatorvariablen
3.3.3 Test auf die Mediationsbeziehung
4 Kritik und Ausblick
Ziel dieser Arbeit ist es, die fast 100 Jahre alte Theorie der sozialen Desorganisation aus der Chicago-School auf ihre Eignung zur Erklärung der regional unterschiedlichen Jugendkriminalitätsraten in deutschen Bundesländern zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu überprüfen. Dabei wird untersucht, inwiefern ökonomische und soziale Faktoren die Kriminalitätsraten beeinflussen.
2.2.2 Räumliche Verteilung der Jugendkriminalität in Chicago
Clifford Shaw und Henry McKay untersuchen in dem Buch “Juvenile Delinquency and Urban Areas“ (1969) in drei verschiedenen Zeiträumen die räumliche Verteilung der Jugendkriminalität über die Wohngebiete von Chicago.
Die unterschiedlichen Kriminalitätsraten erfassen sie anhand der Wohnorte von Jugendlichen im Alter von zehn bis 16 Jahren, die in einer oder mehreren der folgenden Kriminalitätsstatistiken erfasst wurden (vgl. Shaw/McKay, 1969, S. 47):
• Statistik über tatverdächtigte Jugendliche, die zu einer Anhörung vor dem Jugendgericht erscheinen mussten für die Zeiträume 1900-1906, 1917-1923 und 1927-1933
• Statistiken über Jugendliche, die zu Aufenthalten in Erziehungsanstalten (“correctional schools“) verurteilt wurden für dieselben Zeiträume
• Statistiken über Jugendliche, die von dem für Jugendkriminalität zuständigen Polizeibeamten verwarnt wurden für die Jahre 1926, 1927 und 1931
Shaw und McKay stellen für den Zeitraum von 1927 bis 1933 fest, dass die Wohnorte der in den verschiedenen Kriminalitätsstatistiken registrierten Jugendlichen äußerst ungleich über die Stadt verteilt sind. Die Kriminalitätsraten (Anzahl der registrierten Jugendlichen pro 100 jugendliche Bewohner des Wohngebiets) bei allen drei Kriminalitätsstatistiken sind in den zentrumsnahen Wohngebieten, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum zentralen Industrie- und Geschäftsbezirk liegen, am Höchsten und in den weit außerhalb am Rand der Stadt Chicago liegenden Vororten am Geringsten. “The areas with the highest rates are located directly south of the central business district, (…), low rates of delinquents will be noted in many of the outlying areas“ (ebd., S. 55).
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung der Arbeit anhand der regionalen Unterschiede in der Kriminalität in Deutschland und führt in die theoretischen sowie methodischen Ansätze ein.
2 Theorien über die räumliche Verteilung der Jugendkriminalität: Dieses Kapitel gibt einen umfassenden Überblick über Theorien abweichenden Verhaltens, mit Fokus auf die Sozialökologie und die Theorie der sozialen Desorganisation.
3 Paneldatenanalyse der Jugendkriminalität in Deutschland: Hier erfolgt die empirische Anwendung der Theorie auf deutsche Daten, unterteilt in die Operationalisierung, Panelmodellierung und Mediatorenanalyse.
4 Kritik und Ausblick: Das Fazit reflektiert die Ergebnisse der empirischen Analyse und diskutiert kritisch die Eignung der verwendeten theoretischen Modelle für den deutschen Kontext.
Jugendkriminalität, Soziale Desorganisation, Chicago-School, Paneldatenanalyse, Deutschland, Bundesländer, Sozialökologie, Kriminalsoziologie, Soziale Kontrolle, Armut, Ethnische Heterogenität, Bevölkerungsmobilität, Mediatorenanalyse, Fixed-Effects-Modell, Random-Effects-Modell
Die Arbeit untersucht, ob die klassische Theorie der sozialen Desorganisation, die ursprünglich in den USA zur Erklärung von Kriminalitätsraten in Großstädten entwickelt wurde, auf die aktuelle Situation der deutschen Bundesländer anwendbar ist.
Zentral sind die Theorien zur räumlichen Verteilung von Kriminalität, die Rolle der sozialen Desorganisation, sowie die statistische Analyse von Paneldaten.
Ziel ist die empirische Überprüfung, ob Faktoren wie Armut, ethnische Heterogenität oder Bevölkerungsfluktuation die Kriminalitätsraten in deutschen Bundesländern durch das Instrument der sozialen Kontrolle erklären können.
Die Arbeit nutzt statistische Paneldatenanalysen, um Daten für die deutschen Bundesländer im Zeitraum von 2004 bis 2007 auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Kapitel 2) und die empirische Paneldatenanalyse inklusive der Überprüfung von Mediatoreffekten durch soziale Kontrolle (Kapitel 3).
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Jugendkriminalität, Soziale Desorganisation, Paneldatenanalyse, Deutschland und Soziale Kontrolle charakterisieren.
Die Paneldatenanalyse erlaubt es, sowohl die Unterschiede zwischen den Bundesländern als auch zeitliche Entwicklungen zu berücksichtigen und dabei unbeobachtete Heterogenität zu kontrollieren.
Die soziale Kontrolle fungiert als Bindeglied (Mediator), durch das die strukturellen Merkmale eines Gebietes (wie Desorganisation) auf die Kriminalitätsraten wirken sollen.
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