Examensarbeit, 2009
20 Seiten, Note: 2,0
p1. Leitfrage des Erprobungsvorhabens
2. Unterrichtliche Bedingungsfelder
2.1 Lerngruppe und Lernausgangslage
2.2 Rahmenbedingungen
3. Unterrichtliche Entscheidungsfelder
3.1 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
3.2 Methodische Überlegungen und Entscheidungen
3.3 Planungsraster über die gesamte Einheit
4. Ausgewählte Aspekte der Unterrichtspraxis
4.1 Fachtag, 11.03.2009
4.2 Vortragsvormittag, 27.03.2009
5. Evaluation und persönliches Resümee
Das Hauptziel der Unterrichtseinheit ist es, Schülern des 12. Jahrgangs ein differenziertes Verständnis für das problematische Verhältnis der christlichen Kirchen zur jüdischen Bevölkerung in der NS-Zeit zu vermitteln und sie zur kritischen Reflexion dieses historischen Handelns zu befähigen.
3.1 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
Anfang des Jahres sorgte Papst Benedikt XVI. für einen Eklat. Mit einer einzigen Geste stürzte der Pontifex den Vatikan in eine Krise zunächst unabsehbaren Ausmaßes. Die Wiederaufnahme von vier exkommunizierten Bischöfen der rechtsorientierten, fundamentalistischen „Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X.“, der sogenannten Pius- Bruderschaft, in die katholische Kirche führte als erste Reaktion zu „Erstaunen, Ernüchterung und Empörung“20. Den Skandal, in dessen Folge zahlreiche Kirchenaustritte und grundlegende Diskussionen über das künftige Verhältnis der Religionen zueinander zu konstatieren waren, löste die Tatsache aus, dass einer der Wiederaufgenommenen der notorische Holocaust-Leugner, Bischof Richard Williamson, war.21 Nachdem sich die Römisch-katholische Kirche unter Papst Johannes Paul II. erstmals am 12. März 2000 im Pontifikalgottesdienst in St. Peter in Rom für die Verbrechen seiner Kirche entschuldigt hatte, wurde nun, neun Jahre später, wieder die Frage nach den antijudaistischen22 und antisemitistischen Wurzeln der Kirche laut.23 Sollte die Kirche ihre Ressentiments hinsichtlich der jüdischen Religion noch immer nicht überwunden haben?24 Die mit dieser aktuellen Frage verbundene „Tragik“ kann in ihrer ganzen Tragweite nur dann erfasst werden, wenn man einen Blick in die nationalsozialistisch bestimmte Vergangenheit des Christentums in Deutschland riskiert. Dabei müssen die „dunklen Stellen“, auch der evangelischen Kirche, kirchengeschichtlich aufgearbeitet und die Motive für damaliges Verhalten aufgezeigt werden.25 Dies wird auch in der vorliegenden UE durch verschiedene Zugänge in den drei wesentlichen Sequenzen (2-4) versucht.26
p1. Leitfrage des Erprobungsvorhabens: Einführung in das Thema und Definition der zentralen Forschungsfrage zum Verhalten der christlichen Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus.
2. Unterrichtliche Bedingungsfelder: Beschreibung der Lerngruppe, ihrer Ausgangslage sowie der formalen Rahmenbedingungen für die Durchführung der Unterrichtseinheit.
3. Unterrichtliche Entscheidungsfelder: Erläuterung der didaktischen und methodischen Überlegungen sowie Vorlage des detaillierten Planungsrasters für die gesamte Unterrichtseinheit.
4. Ausgewählte Aspekte der Unterrichtspraxis: Detaillierte Darstellung der schülerzentrierten Phasen, insbesondere des Fachtages in der Synagoge und des Vortragsvormittags.
5. Evaluation und persönliches Resümee: Auswertung der erreichten Lernziele und kritische Reflexion des Unterrichtsverlaufs sowie der erzielten Schülerergebnisse.
Nationalsozialismus, Christentum, Judentum, Kirchengeschichte, Antisemitismus, Widerstand, Anpassung, Religionsunterricht, Freiarbeit, Projektarbeit, Paul Schneider, Dietrich Bonhoeffer, Synagoge, Holocaust, Lernbuffet
Die Arbeit befasst sich mit der kirchengeschichtlichen Aufarbeitung des Verhältnisses der evangelischen und katholischen Kirche sowie ihrer Mitglieder zur jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit.
Zentral sind die Untersuchung von kirchenpolitischen Auseinandersetzungen, die Analyse von Widerstand und Anpassung sowie die Reflexion der antijudaistischen Tradition innerhalb der christlichen Kirchen.
Das Ziel ist, dass Schüler des 12. Jahrgangs das problematische Verhältnis der Kirchen zum Judentum im Dritten Reich differenziert erfassen und moralisch bewerten können.
Es werden Ansätze der Freiarbeit (Lernbuffet) und des projektorientierten Lernens sowie das Konzept des „Lernens am anderen Ort“ angewandt.
Der Hauptteil umfasst die theoretische Erarbeitung historischer Grundlagen, die Analyse christlicher Persönlichkeiten wie Paul Schneider und Dietrich Bonhoeffer sowie die praktische Umsetzung durch Schülervorträge.
Neben Begriffen wie Nationalsozialismus, Antisemitismus und Kirchengeschichte prägen die didaktischen Ansätze wie Freiarbeit und selbstorganisiertes Lernen die Arbeit.
Der Besuch dient der direkten Begegnung mit Jüdinnen und Juden, wodurch die Abstraktheit des kirchengeschichtlichen Themas durch „Oral History“ reduziert wird und ein neuer Zugang zur eigenen Identität eröffnet werden kann.
Die Autorin stellt fest, dass die Schüler ein differenzierteres Bild entwickeln konnten, auch wenn die Würdigung „kleinerer Taten“ des Widerstands im Vergleich zu prominenten Figuren wie Bonhoeffer eine Herausforderung blieb.
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