Doktorarbeit / Dissertation, 2006
324 Seiten, Note: 1
Zur Einführung
Die Hochschule für Gestaltung in Ulm oder: Ein Bauhaus für die Bundesrepublik Deutschland?
Standort Kassel: Chance für ein neues Bauhaus
Hesse und Hoffmann: Wieder ein Bauhaus Dessau nach dem Krieg?
Staatliche Hochschule für Architektur und Bauwesen: Wieviel Bauhaus verträgt der real existierende Sozialismus?
Die Bauhaus-Debatte 1953
Die Formalismus-Debatte
1988: ‚Experiment Bauhaus’: Eine Ausstellung im Rahmen des deutsch-deutschen Kulturabkommens
Das Bauhaus-Archiv in Berlin: Erster Hauptverwalter des Bauhaus-Erbes
Bauhaus-Universität Weimar: Neupositionierung und doppelte Vergangenheit einer Hochschule
Stiftung Bauhaus Dessau: gesamtdeutscher Erbverwalter mit sozialistischen Wurzeln
Das Bauhaus am Ende des 20. Jahrhunderts: Ein werbewirksamer Steinbruch der Geschichte
Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption des Bauhauses in den beiden deutschen Staaten sowie im wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche politische, soziale und kulturelle Funktion dem Bauhaus-Mythos in unterschiedlichen politischen Systemen zugeschrieben wurde und wie das "Bauhaus-Label" in wirtschaftlichen und kulturellen Diskursen instrumentalisiert wurde.
Bauhaus: Idee – Stil – Mythos
„Bauhaus gehört wie Kubismus oder Pop Art zu den international geläufigen Begriffen aus der Kunstwelt des 20 Jahrhunderts. Im Ausland wird das Bauhaus häufig sogar stellvertretend für die gesamte Moderne der 20er Jahre in Deutschland genannt, und besonders für Laien ist Bauhausstil bis heute ein Synonym für moderne Architektur.“ Architektur und Design, die beide als Massenmedien anzusehen sind, insofern sie massenhaft produziert werden und mit einem Massenpublikum in Kommunikation treten, haben zentrale Bedeutung für die Repräsentation und das Selbstverständnis von Staaten. Dieser Zusammenhang ist augenscheinlich an Monumentalbauten nationalsozialistischer oder stalinistischer Prägung (‚Zuckerbäckerstil’) nachvollziehbar. Bezogen auf den so genannten Bauhaus-Stil stellt sich die Frage, welche Inhalte damit kommuniziert werden; was also die architypischen Inhalte der Moderne der zwanziger Jahre sind:
1. Die Vorstellung von ewiger ästhetischer Aktualität, die sich auf der Idee des Funktionalismus gründet: Der mögliche Eindruck der Zeitlosigkeit, weswegen man schließlich von der ‚Klassische Moderne’ spricht, entsteht, weil sich in funktionalistischer Denkweise die ästhetische Ausprägung als Resultat einer strengen Funktionsanalyse des zu gestaltenden Gegenstandes ergibt. Die schöpferischen Elemente des Designprozesses werden auf diese Weise zugunsten der rationalen eingeschränkt. Funktionalismus ist daher die extremste Form einer vernunftgemäßen Gestaltung, wobei die rationalen Momente (Funktionen) über alle Zeiten hinweg Gültigkeit haben. Funktionales Design will nicht in erster Linie modisch sein, und was nie ‚in’ ist, wird nie ganz ‚out’ sein.
2. Bauhaus-Idee: Ich gehe in meinem Verständnis vom Bauhaus weitgehend mit Lothar Lang überein, der es 1966 als ein Brennspiegel versteht, in dem sich „zahlreiche künstlerische Auffassungen trafen“; bei aller Heterogenität des Lehrkörpers habe es dabei ein gemeinsames, klar umrissenes Ziel gegeben: „Änderung der Gesellschaft mit den Mitteln der Kunst“ Dieser Einschätzung folgt auch der Bauhäusler Hubert Hoffmann, der in Dessau nach dem Krieg ein neues Bauhaus aufzubauen versucht: Was sich konkret hinter der Vokabel ‚Bauhaus‘ verbirgt, ist schwer zu definieren, weil „es kein Dogma, keine Festlegung bestimmter Regeln gab, vielmehr eine Toleranz und Weiträumigkeit des Denkens, die den Dazukommenden immer wieder überraschte und zunächst einmal verwirrte.“
Die Hochschule für Gestaltung in Ulm oder: Ein Bauhaus für die Bundesrepublik Deutschland?: Dieses Kapitel analysiert die Gründung und Programmatik der HfG Ulm und untersucht, inwieweit die Schule als legitimer Bauhaus-Nachfolger fungierte oder das Label primär zur Profilbildung nutzte.
Standort Kassel: Chance für ein neues Bauhaus: Es wird untersucht, wie an Kasseler Kunstschulen ohne explizite Bauhaus-Bezugnahme pädagogische Bauhaus-Methoden in einer politisch weniger exponierten Umgebung praktiziert wurden.
Hesse und Hoffmann: Wieder ein Bauhaus Dessau nach dem Krieg?: Der Fokus liegt auf den konkreten Bemühungen von Fritz Hesse und Hubert Hoffmann, das Bauhaus in Dessau unmittelbar nach 1945 institutionell wiederaufzubauen.
Staatliche Hochschule für Architektur und Bauwesen: Wieviel Bauhaus verträgt der real existierende Sozialismus?: Das Kapitel beleuchtet die schwierige Bauhaus-Rezeption in Weimar unter der politischen Kontrolle der SBZ und DDR und die zunehmende ideologische Einengung.
Die Bauhaus-Debatte 1953: Eine Analyse der architekturtheoretischen Kontroverse zwischen Rudolf Schwarz und Walter Gropius über die Bewertung des Funktionalismus.
Die Formalismus-Debatte: Dieses Kapitel arbeitet auf, wie das Bauhaus in der DDR zum Sündenbild der Formalismus-Kampagne stilisiert wurde, um eine ideologische Abgrenzung zu forcieren.
1988: ‚Experiment Bauhaus’: Eine Ausstellung im Rahmen des deutsch-deutschen Kulturabkommens: Eine Untersuchung der politischen Bedeutung dieser Ausstellung als Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland in den späten 80er Jahren.
Das Bauhaus-Archiv in Berlin: Erster Hauptverwalter des Bauhaus-Erbes: Dieses Kapitel erörtert die Rolle des Bauhaus-Archivs bei der wissenschaftlichen Konservierung und institutionellen Verwaltung des Bauhauserbes.
Bauhaus-Universität Weimar: Neupositionierung und doppelte Vergangenheit einer Hochschule: Die Auseinandersetzung der Hochschule mit ihrem Erbe nach 1989 und die Findung eines neuen Selbstverständnisses unter der Marke "Bauhaus-Universität".
Stiftung Bauhaus Dessau: gesamtdeutscher Erbverwalter mit sozialistischen Wurzeln: Eine Analyse der Restitution und Etablierung der Stiftung unter den veränderten Bedingungen nach der Wende.
Das Bauhaus am Ende des 20. Jahrhunderts: Ein werbewirksamer Steinbruch der Geschichte: Das abschließende Kapitel kritisiert die ökonomische Vermarktung und Instrumentalisierung des Bauhauses als "Marke" im ausgehenden 20. Jahrhundert.
Bauhaus, Bauhaus-Rezeption, DDR-Kulturpolitik, Nachkriegsarchitektur, Funktionalismus, Formalismus-Debatte, HfG Ulm, Bauhaus Dessau, Bauhaus-Universität Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin, Politische Funktion, Kulturabkommen, Denkmalpflege, Industriedesign, Moderne.
Die Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des Bauhauses in Deutschland von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und beleuchtet, wie das Bauhaus-Image in politisch divergenten Systemen funktionalisiert wurde.
Zentral sind die wechselseitige Beeinflussung von Architektur, Politik und Kultur, die Instrumentalisierung des Bauhauses in Ost- und Westdeutschland sowie die Herausbildung eines Bauhaus-Mythos.
Die Hauptfrage ist, welche Rolle das Bauhaus bei der kulturpolitischen Profilbildung in beiden deutschen Staaten während des Kalten Krieges spielte und wie sich diese Funktion nach der Wiedervereinigung veränderte.
Die Arbeit nutzt eine komparative historische Analyse, die sowohl institutionelle Entwicklungen als auch den Diskurs in Fachzeitschriften, Zeitungen und Archiven untersucht.
Der Hauptteil analysiert spezifische Institutionen wie die HfG Ulm, die Kasseler Kunstschulen sowie die Zentren in Dessau, Weimar und Berlin in ihren jeweiligen historischen Phasen.
Bauhaus, Bauhaus-Rezeption, DDR-Kulturpolitik, Nachkriegsarchitektur, Funktionalismus, Formalismus-Debatte, Bauhaus-Archiv Berlin.
Das Bauhaus wurde in der DDR zunächst als antikapitalistisch legitimiert, später im Zuge der Formalismus-Debatte jedoch als "dekadent" und bürgerlich diffamiert, um den sozialistischen Realismus durchzusetzen.
Nach 1989 wandelt sich das Bauhaus von einem politisch umkämpften Instrument hin zu einem ökonomisch vermarktbaren Kulturgut und Symbol der nationalen kulturellen Identität.
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