Masterarbeit, 2010
84 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1 Körperlich-sportliche Aktivität
1.1 Körperlich-sportliche Aktivität und Gesundheit
1.2 Traditionelle Sportarten
1.3 Alternativer Sport bzw. Introspektive-Aktivitäten
1.4 Physiotherapie
2 Gesundheit und Gesundheitsmodelle
2.1 Pathogenetische Modelle
2.2 Salutogene Gesundheitsmodelle
2.2.1 HEDE Kontinuum (health-disease continuum)
2.2.2 Kohärenzgefühl
2.2.3 Stressoren und Widerstandsressourcen
2.2.4 Kohärenzgefühl und Gesundheit
2.2.5 Entwicklung des Kohärenzgefühls
2.2.6 Kritik am Konstrukt Kohärenzgefühl
2.3. Programmierte Steigerung des SOC
2.3.1 SOC-Steigerung durch kognitive Maßnahmen
2.3.2 SOC-Steigerung durch physische Maßnahmen
3 Fragestellung/Hypothesen
3.1 Methode/Forschungsdesign
3.1.1 Ethische und datenrechtliche Aspekte
3.1.2 Stichprobe
3.2 Variablen/Erhebungsinstrumente
3.3 Gütekriterien
4 Ergebnisse
4.1 Allgemeine Beschreibung der Stichprobe
4.2 Erfassung des Kohärenzgefühls zu t1 & t2
4.3 Erfassung Aktivitätsniveau
4.4 Korrelation SOC und Aktivitätsniveau
4.4.1 Gruppenvergleich - Mittelwerte SOC
4.4.2 Aktivitätsart
4.5 Lebenszufriedenheit
5 Diskussion
5.1 Mögliche Messfehler, Fehlerquellen und statistische Verzerrungen
5.2 Zukünftige Forschungsbemühungen
6 Schlussfolgerung
6.1 Salutogenese in der Physiotherapie
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial motorischer Aktivitäten zur Steigerung des Kohärenzgefühls (Sense of Coherence, SOC) nach Aaron Antonovsky. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Formen körperlicher Betätigung – traditionellen Sportarten und introspektiven, achtsamkeitsbasierten Methoden – und der Ausprägung des Kohärenzgefühls zu analysieren, um physiotherapeutische Handlungsoptionen zur Gesundheitsförderung zu erweitern.
2.2.2 Kohärenzgefühl
Was erhält Menschen gesund? Diese Frage stellte sich auch Antonovsky in den 1970er Jahren. Bei einer Untersuchung israelischer Frauen, bei der nur im sekundären Zusammenhang nach einem Aufenthalt in einem Konzentrationslager gefragt wurde, stellte sich heraus, dass immerhin 29 % dieser Frauen sich in einer guten emotionalen und physischen Verfassung befanden. Von diesem Ergebnis überrascht, entwickelte Antonovsky das theoretische Model der Salutogenese, das der Frage nachgeht, welche Stress-Bewältigungsstrategien (Coping) dem Menschen innewohnen.
Antonovsky entwarf aufgrund seiner Überlegungen das Konstrukt des Kohärenzgefühls, welches eine individuelle Grundhaltung gegenüber der Welt (extern) und des Lebens (intern) widerspiegelt. Antonovsky definiert das SOC als „eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass
1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind;
2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen;
3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.“ (Antonovsky, 1997, S. 36).
Genauer betrachtet setzt sich das Kohärenzgefühl, seiner Beschreibung nach aus den drei Dimensionen Verstehbarkeit (comprehensibility), Handhabbarkeit (manageability) und Bedeutsamkeit (meaningfulness) zusammen.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit evidenzbasierter Physiotherapie und die Relevanz biopsychosozialer Ansätze gegenüber rein biomedizinischen Modellen für eine erfolgreiche Gesundheitsförderung.
1 Körperlich-sportliche Aktivität: Dieses Kapitel definiert und unterteilt körperliche Aktivitäten in traditionelle und introspektive Formen und betrachtet deren gesundheitliche Auswirkungen sowie deren Relevanz für die Physiotherapie.
2 Gesundheit und Gesundheitsmodelle: Hier erfolgt eine Gegenüberstellung von pathogenetischen und salutogenetischen Modellen, mit Fokus auf das Kohärenzgefühl, dessen Komponenten und Möglichkeiten seiner Steigerung.
3 Fragestellung/Hypothesen: Das methodische Vorgehen wird beschrieben, das als Prä-Post-Studie die Veränderung des Kohärenzgefühls im Zusammenhang mit verschiedenen Bewegungsaktivitäten bei 45 Probanden untersucht.
4 Ergebnisse: Die statistische Analyse zeigt die Entwicklung des SOC und des Aktivitätsniveaus der Teilnehmer über einen Zeitraum von 6-8 Wochen auf und prüft die aufgestellten Hypothesen.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, wobei insbesondere die Korrelation zwischen traditionellen Sportarten und SOC sowie die Limitationen der Studie kritisch beleuchtet werden.
6 Schlussfolgerung: Das Kapitel schließt mit Implikationen für die physiotherapeutische Praxis, insbesondere zur Förderung von Ressourcen durch gezielte Aktivität und salutogene Kommunikation.
Salutogenese, Kohärenzgefühl, Sense of Coherence, Physiotherapie, Motorische Aktivitäten, Introspektive Aktivitäten, Gesundheitsförderung, Prävention, Belastbarkeit, Handhabbarkeit, Verstehbarkeit, Bedeutsamkeit, Sporttherapie, Rückenschmerz, Lebenszufriedenheit
Die Arbeit untersucht, ob und wie motorische Aktivitäten dazu beitragen können, das Kohärenzgefühl (SOC) – ein zentrales Konstrukt der Salutogenese – zu steigern, um damit die Gesundheit und Lebenszufriedenheit von Menschen positiv zu beeinflussen.
Die Arbeit verknüpft die Konzepte der Gesundheitsförderung und Physiotherapie. Dabei stehen die Abgrenzung pathogenetischer und salutogenetischer Modelle, die Einordnung verschiedener Bewegungsformen und deren Wirkung auf die psychische und physische Widerstandsfähigkeit im Fokus.
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu prüfen, ob sich durch eine gezielte Steigerung des Aktivitätsniveaus, insbesondere durch traditionelle Sportarten oder introspektive Aktivitäten wie Yoga, das Kohärenzgefühl der Probanden in einem Zeitraum von 6-8 Wochen signifikant verbessern lässt.
Die Autorin wählte einen prospektiven, beobachtenden Ansatz in Form einer fragebogengestützten Prä-Post-Messung. Dabei wurden das Aktivitätsniveau und die SOC-Werte von 45 Probanden zu zwei Zeitpunkten erhoben und miteinander korreliert.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung zu Gesundheitsmodellen und motorischen Aktivitäten, die detaillierte Darstellung des Forschungsdesigns sowie eine umfassende Auswertung und Diskussion der empirischen Daten in Bezug auf die untersuchten Befragtengruppen.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Salutogenese, Kohärenzgefühl, Physiotherapie, körperliche Aktivität, Belastbarkeit und gesundheitliche Ressourcensteigerung geprägt.
Die Physiotherapie wird nicht nur als kurative Disziplin verstanden, sondern soll sich vermehrt ganzheitlichen, salutogenen Ansätzen öffnen. Der Autor zeigt auf, wie Therapeuten durch die Wahl der Kommunikation und die Förderung aktiver Trainingsprogramme das Kohärenzgefühl ihrer Patienten unterstützen können.
Der Autor unterscheidet diese Gruppen, um herauszufinden, ob leistungsfokussierte „traditionelle“ Sportarten andere Auswirkungen auf das SOC haben als „introspektive“ Aktivitäten (z. B. Yoga, Feldenkrais), die stärker auf Körperwahrnehmung und Achtsamkeit setzen.
Obwohl die Studie keine durchgehende SOC-Steigerung für alle Gruppen bestätigen konnte, liefert sie wichtige Hinweise darauf, dass insbesondere die Handhabbarkeitskomponente des SOC durch gezielte physische Aktivitäten positiv beeinflusst werden kann.
Das metabolische Äquivalent (MET) dient als objektives Maß, um den Energieverbrauch verschiedener körperlicher Aktivitäten zu quantifizieren und so eine vergleichbare Datengrundlage für die Auswertung des Aktivitätsniveaus der Probanden zu schaffen.
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