Bachelorarbeit, 2010
70 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Der aktivierende Sozialstaat
2.1 Aktivierende Arbeitsmarktpolitik
2.1.1 Das Prinzip des „Förderns und Forderns“
2.1.2 Ko-Produktion sozialer Leistungen
2.2 Die besondere Problematik älterer Langzeitarbeitsloser
2.3 Beauftragung Dritter
2.4 Zwischenfazit
3 Analyse von Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen
3.1 Prinzipal-Agent-Theorie
3.2 Der beauftragte Dritte als Agent
3.3 Der beauftragte Dritte als Prinzipal
3.4 Doppeltes Prinzipal-Agent-Modell
4 Methodische Herangehensweise
5 Aktivierung älterer Langzeitarbeitsloser bei Beauftragung Dritter
5.1 Analyse der Kooperation zwischen den Akteuren
5.1.1 Zusammenarbeit von privatem Träger und Projektteilnehmer
5.1.2 Zusammenarbeit von privatem Träger und ARGE
5.2 Untersuchung der Aktivierungs- und Vermittlungsprozesse
5.2.1 Aktivierungs- und Steuerungsmechanismen privater Träger
5.2.2 Aktivierungs- und Steuerungsmechanismen der ARGE
6 Resümee
Die Arbeit untersucht, wie bei der Beauftragung privater Dritter das Problem der Aktivierung von (älteren) Langzeitarbeitslosen trotz bestehender Steuerungs- und Kontrolldefizite in Prozessen kollektiver Ko-Produktion bewältigt werden kann. Dabei wird analysiert, welche Konflikte entstehen und mit welchen Strategien die beteiligten Akteure diese Hindernisse überbrücken.
3.1 Prinzipal-Agent-Theorie
Unter Beziehungen im Sinne von Prinzipal-Agent versteht man eine dyadische Auftragnehmer-Auftraggeber-Beziehung, die anhand eines Vertrages definiert wird (vgl. Eisenhardt 1989: 58). Der Auftraggeber (Prinzipal) delegiert eine oder mehrere Aufgaben an einen Auftragnehmer (Agenten), der diese dann im Interesse des Prinzipals ausführen soll. Dem Agenten wird bei der Erfüllung seiner Aufgaben ein gewisser Entscheidungsspielraum gewährt, somit fungiert er als Vertreter des Prinzipals und erhält für diesen Dienst eine finanzielle Entlohnung (vgl. Richter/Furubotn 1996: 163 und Saam 2002: 2). Die Prinzipal-Agent-Theorie, auch Agenturtheorie genannt, beschäftigt sich mit bestehenden Interessenkonflikten zwischen Prinzipal und Agent (vgl. Schreyögg 2003: 446), „analysiert typische Probleme solcher Auftragsbeziehungen und erörtert, durch welche Mechanismen sie sich effizient handhaben lassen.“ (Saam 2002: 2f.) Ihre zentrale Forschungsfrage bezieht sich auf die optimale Ausgestaltung des Vertrages zwischen Prinzipal und Agent. Dabei sollte man jedoch berücksichtigen, dass unter der Annahme begrenzter Rationalität nur unvollständige Verträge erklärt werden können (vgl. Furubotn/Richter 1991: 4).
Die Prinzipal-Agent-Theorie „erklärt das Verhalten von individuellen Akteuren, die durch einen Vertragsabschluß [sic!] in eine asymmetrische Austauschbeziehung eintreten.“ (Saam 2002: 2) Asymmetrien zwischen Prinzipal und Agent werden bzgl. des Informationsstandes, der Risikoneigung und der Ziele unterstellt. Zielkonflikte entstehen durch unterschiedliche Präferenzen von Prinzipal und Agent. Beiden geht es dabei um die Maximierung ihres individuellen Nutzens. Auch die Risikoneigung des Prinzipals unterscheidet sich von der des Agenten. Beide sind in unterschiedlich hohem Maße dazu bereit, für die Umsetzung ihrer Ziele Risiken in Kauf zu nehmen. Im Standardmodell gilt der Prinzipal als Risikoneutral, wohingegen der Agent als eher Risikoscheu angesehen wird (vgl. ebenda 19ff.). Die Risikoverteilung zwischen Prinzipal und Agent spielt bzgl. der Vertragsausgestaltung der beiden Parteien eine wesentliche Rolle. Ein geringes Risiko auf Seite des Agenten führt zu einem Mangel an Anreizen, was ihn dazu veranlasst, keine hohen Leistungen zu erbringen.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die wachsende Bedeutung und Problematik älterer Langzeitarbeitsloser und stellt die Forschungsfrage zur Aktivierung bei Beauftragung Dritter.
2 Der aktivierende Sozialstaat: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des aktivierenden Sozialstaats, das Prinzip „Fördern und Fordern“ sowie die spezifischen Hindernisse älterer Langzeitarbeitsloser.
3 Analyse von Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen: Hier wird die Prinzipal-Agent-Theorie zur Untersuchung der Kooperationsbeziehungen zwischen ARGE, privaten Trägern und Arbeitsuchenden herangezogen und in ein doppeltes Modell erweitert.
4 Methodische Herangehensweise: Das Kapitel beschreibt den Einsatz qualitativer Experteninterviews und die Kriterien für die Auswahl der untersuchten Fallbeispiele.
5 Aktivierung älterer Langzeitarbeitsloser bei Beauftragung Dritter: Dieses Kapitel analysiert die empirischen Ergebnisse zur Zusammenarbeit der Akteure und vergleicht die Steuerungsmechanismen privater Träger mit denen der ARGE.
6 Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Effektivität der Zusammenarbeit sowie die Notwendigkeit konzeptioneller Anpassungen bei Eingliederungsmaßnahmen.
Aktivierung, Langzeitarbeitslosigkeit, Sozialstaat, Prinzipal-Agent-Theorie, Ko-Produktion, Empowerment, Arbeitsmarktpolitik, ARGE, private Träger, Beschäftigungsfähigkeit, ältere Arbeitnehmer, Intervention, Vermittlung, Sanktionierung, Netzwerkarbeit
Die Arbeit untersucht die Problematik der Aktivierung älterer Langzeitarbeitsloser, wenn staatliche Stellen wie die ARGE Aufgaben an private Dienstleister übertragen.
Zentrale Themen sind der aktivierende Sozialstaat, die Ko-Produktion von Dienstleistungen, Prinzipal-Agent-Beziehungen zwischen den beteiligten Akteuren und die Bedeutung der Gruppendynamik.
Es soll geklärt werden, wie trotz bestehender Steuerungs- und Kontrolldefizite bei privaten Trägern eine erfolgreiche Aktivierung der Zielgruppe erreicht werden kann.
Die Autorin führt eine qualitative Inhaltsanalyse auf Basis von Experteninterviews mit Vertretern der ARGE und eines privaten Bildungsträgers durch.
Der Hauptteil widmet sich theoretischen Grundlagen, der Modellierung der Akteursbeziehungen und der empirischen Untersuchung eines spezifischen Projekts zur Aktivierung Älterer.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Aktivierung, Empowerment, Prinzipal-Agent-Theorie, "Fördern und Fordern" sowie das Spannungsfeld zwischen Kooperation und Kontrolle.
Private Träger nutzen eher pädagogische Ansätze und Gruppendynamik, während die ARGE über stärkere, formalisierte Sanktionsmöglichkeiten verfügt.
Die Arbeit stellt fest, dass ein guter persönlicher Kontakt zwischen ARGE und Träger essenziell ist, um Hindernisse abzubauen und die Vermittlung erfolgreich zu koordinieren.
Die Gruppendynamik dient als wirkungsvoller Ersatz für fehlende direkte staatliche Sanktionsmittel und fördert die Eigenverantwortung der Teilnehmer.
Aufgrund von Finanzierungsänderungen und der Erfahrung, dass Betreuungsabgaben die "Linie" der Vermittlung unterbrechen, soll die Betreuung künftig wieder stärker intern durch die ARGE erfolgen.
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