Masterarbeit, 2008
157 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
I. Einleitung
II. Hauptteil
II.1 Annäherungen an die Hygiene - Rahmenbedingungen für die Entstehung des Hygiene-Museums
II.1.1 Hygiene als Kulturbegriff.
II.1.2 Eine kurze hygienische Stadtgeschichte Dresdens von 1880 – 1920
II.1.3 Das hygienische Engagement Karl August Lingners
II.2 Die Entstehung des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden 1900-1912
II.2.1 Vom Odol zur Deutschen Städtebauausstellung 1903
II.2.2 Die 1. Deutsche Städteausstellung 1903 mit der Sonderausstellung Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung
II.2.3 Der Weg zur Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911
II.2.4 Die Internationale Hygiene-Ausstellung 1911
II.3 Die Entwicklung des Deutschen Hygiene-Museums 1912-1931
II.3.1 Das Deutsche Hygiene-Museum ohne Haus 1912 – 1929
II.3.2 Das Deutsche Hygiene-Museum im eigenen Haus
II.3.3 Das Deutsche Hygiene-Museum und die II. Internationale Hygieneausstellung 1930
III. Resümée
IV. Abstract
V. Anhang
V.1 Exkurs: Ein Versuch über großbürgerliches Mäzenatentum bei Lingner
V.2 Verzeichnis der wichtigsten Personen und ihrer Funktion im Museum
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Entstehung und Entwicklung des Deutschen Hygiene-Museums (DHMD) im Zeitraum von 1900 bis 1931 darzustellen und diese in Bezug zu den Wandlungen des Hygienediskurses zu setzen. Dabei wird untersucht, inwieweit das Museum als Teil der Bewältigung der Moderne fungierte und welche anthropologischen Grundannahmen sowie Wissenspraxen das DHMD popularisierte.
II.2.1 Vom Odol zur Deutschen Städtebauausstellung 1903
„Mich selbst [K. A. Lingner] hat ein Zufall auf das Gebiet der Sozialhygiene geführt. Meine geschäftlichen Unternehmungen machten es vor mehreren Jahren notwendig, mich eingehend mit dem in voller Entwicklung befindlichen Desinfektionswesen zu beschäftigen, und so kam ich zu dem Studium der sozialhygienischen Literatur.“
Nach der Jahrhundertwende erweiterte sich der Fokus von Lingners hygienischem Engagement beträchtlich. Wie das Zitat zeigt, reflektierte er selbst auch diese Veränderung seines Arbeitsbereiches. Er folgte dabei zum Teil der oben beschriebenen grundsätzlichen Ausweitung des Hygienediskurses von der Auslösungshygiene zur Sozialhygiene. LINGNER gelangte durch Erfahrungen aus seinen Initiativen zu der Einsicht, dass wirksame Gesundheitsvorsorge auf die aktive Mithilfe der Bevölkerung und damit auf ein beträchtliches individuelles Wissen angewiesen ist. Dementsprechend zielte sein folgendes Engagement immer stärker darauf ab, die Bevölkerung systematisch zu „Fragen der individuellen und öffentlichen Gesundheitspflege“ zu belehren. Erste dahingehende Initiativen waren die erwähnte Lesehalle sowie die Beratungsangebote der Kinderpoliklinik und der Zentralstelle für Zahnhygiene und der Zentralstelle für Desinfektion. Diese Tätigkeiten waren nicht mehr nur der Bekämpfung von Bakterien oder der konkreten Abhilfe bei Krankheiten gewidmet, sondern auch die vorbeugende Information gewann an Bedeutung. Das Individuum wurde also nicht mehr nur Maßnahmen unterzogen oder diese wurden an ihm oder seiner Umgebung durchgeführt, sondern das Individuum selbst sollte zum wissenden Akteur werden. Wobei dies drohte mit den Interessen der, sich gerade professionalisiert habenden und auf Status bedachten, Ärzte zu kollidieren. Diese sahen die Vermittlung von medizinischem Wissen an Laien oftmals mit Skepsis. Lingner begegnete deren Einwänden dadurch, dass er – ganz konform mit der Wissenschafts- und Autoritätshörigkeit der Zeit – die unbedingte medizinische Autorität der Ärzte, bei seinen Bemühungen um hygienische Volksbildung, immer unterstrich. Deutlich wird, dass es bei dem Engagement Lingners nicht darum ging, die sozialen Verhältnisse, die ja die Lebensbedingungen letztlich bestimmten, zu verändern. Er nahm an, dass Belehrung, das Vorführen guter Beispiele und Hilfe im Ernstfall (zum Beispiel bei vernachlässigten Säuglingen) ausreichen würden, um Gesundheit zu erzielen.
I. Einleitung: Die Einleitung verortet das Hygiene-Museum im Kontext der Moderne, des Wissenswandels und des Hygienediskurses als Versuch, gesellschaftlichen Herausforderungen und Unsicherheiten zu begegnen.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Rahmenbedingungen, die Entstehung sowie die institutionelle Entwicklung des Deutschen Hygiene-Museums von den ersten Anfängen bis 1931 unter Berücksichtigung kulturgeschichtlicher Entwicklungen.
III. Resümée: Das Resümée fasst die Ergebnisse zusammen, identifiziert das Museum als hybrides Produkt seiner Zeit und reflektiert über die anthropologischen Grundannahmen, die die Wissenspraxis des DHMD leiteten.
IV. Abstract: Englische Zusammenfassung der Arbeit.
V. Anhang: Der Anhang enthält Exkurse, Personen- und Abkürzungsverzeichnisse sowie ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis.
Deutsches Hygiene-Museum, DHMD, Hygienebewegung, Karl August Lingner, Sozialhygiene, Konditionalhygiene, Auslösungshygiene, Volksbelehrung, Menschenbild, Menschenökonomie, Wissenskultur, Industrialisierung, Medizinisches Wissen, Internationale Hygiene-Ausstellung, Museumsgeschichte
Die Arbeit untersucht die Geschichte, Entstehung und inhaltliche Ausrichtung des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden im Zeitraum von 1900 bis 1931 als einen zentralen Bestandteil der damaligen Hygienebewegung und modernen Wissenskultur.
Die Arbeit beleuchtet die medizinisch-naturwissenschaftliche Aufklärung, die Rolle des Mäzens Karl August Lingner, die Bedeutung von Großausstellungen sowie die Transformation gesellschaftlicher Diskurse über Gesundheit und den menschlichen Körper.
Ziel ist es, die Entwicklung des Museums zu analysieren und zu zeigen, wie das DHMD versuchte, durch moderne Vermittlungsmethoden ein rationalistisches Menschenbild zu verbreiten und als gesellschaftliches Stabilisierungsinstrument zu dienen.
Der Autor wählt einen kultur- und medizingeschichtlichen Ansatz, kombiniert mit einer Quellenanalyse zeitgenössischer Denkschriften, Ausstellungskataloge und Programmschriften, um die Wissenspraxis des Museums innerhalb ihrer historischen Rahmenbedingungen zu verorten.
Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert und behandelt die Bedingungen der Hygienebewegung, die Rolle Lingners, die Wegbereiter (Ausstellung 1903, IHA 1911), die schwierigen Jahre von Krieg und Inflation sowie die Etablierung des Museums in der Weimarer Republik bis zur Eröffnung des eigenen Hauses.
Wichtige Begriffe sind Hygienebewegung, Menschenökonomie, Wissenskultur, Sozialhygiene, Volksbelehrung und der „Gläserne Mensch“ als zentrales Symbol der damaligen Wissensvermittlung.
Lingner war der maßgebliche Initiator und Ideengeber. Sein Geschäftsmodell (Odol) und sein unternehmerisches Geschick bei der Vermarktung von Hygiene als wissenschaftlich fundierte Lebensführung prägten die Vermittlungsarbeit des Museums nachhaltig.
Das DHMD propagierte ein technisch geprägtes Körperbild, in dem der Mensch analog zu einer Maschine oder einem Zellstaat funktionalisiert wurde, um als leistungsfähige Ressource innerhalb einer „Volksgemeinschaft“ zu fungieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

