Magisterarbeit, 2009
69 Seiten, Note: 1,6
1 Einleitung
2 Der Minnesang
2.1 Entstehung und Entwicklung
2.2 Der Untertyp ‚Kreuzlied’
3 Die politischen Hintergründe
3.1 Der Dritte Kreuzzug (1189 – 1192)
3.2 Der ‚deutsche Kreuzzug’ von 1197
4 Die gesellschaftlichen Hintergründe
4.1 Die Herausbildung des Ritterideals zur Stauferzeit
4.2 Das ritterliche Tugendsystem
5 Einzeluntersuchungen
5.1 Friedrich von Hausen (um 1150 – 6. Mai 1190)
5.1.1 Zur Person des Dichters
5.1.2 Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9)
5.2 Albrecht von Johansdorf (um 1180 – nach 1209)
5.2.1 Zur Person des Dichters
5.2.2 Guote liute, holt die gâbe (MF 94,15)
5.3 Hartmann von Aue (um 1160 – ca. 1220)
5.3.1 Zur Person des Dichters
5.3.2 Ich var mit iuwern hulden (MF 218,5)
6 Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Minne und Gottesliebe in der hochmittelalterlichen Kreuzzugslyrik. Im Zentrum steht die Frage, ob die Dichter das Minnemotiv primär als Mittel der Kreuzzugspropaganda einsetzten oder ob darin ein tieferer, persönlicher Konflikt zwischen Minnedienst und Gottesdienst ausgedrückt wird, der die ritterliche Lebensführung des hohen Mittelalters maßgeblich prägte.
5.1.2 Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden (MF 47,9)
Im Mittelpunkt von Hausens wohl berühmtesten Lied Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden, das auf 1188/89 datiert wird, steht das Motiv des Zwiespalts zwischen herze und lîp, das seine Wurzeln im Kreuzlied Ahi, Amors, com dure departie des Trouvères Conon de Béthune (ca. 1150-1219) hat. „In der Dichtung Friedrichs von Hausen vollzieht sich sichtbar der Einbruch der Kreuzzugs-Wirklichkeit in eine formal gewandte, an französischen Vorbildern geschulte Minnedichtung“, so Wentzlaff-Eggebert.
Linde Baecker bezeichnet das Gedicht aufgrund ebendieser persönlichen Note als „echtes Erlebnisgedicht“. Friedrich von Hausen gehörte nicht nur zum engsten Kreis um Friedrich Barbarossa, sondern nahm nachweislich selbst am Dritten Kreuzzug teil. Beim Lesen des Liedes spürt man förmlich, wie der Dichter angesichts von Kreuzzugsaufruf und Kreuznahme seine eigene Verzweiflung in Worte zu fassen versucht.
Im Gegensatz zu Lied MF 45,37, in dem der Dichter den Konflikt zwischen Frauen- und Gottesminne durch den Abbruch des Minnedienstes und die Aufnahme des Gottesdienstes diachron löst, „lässt er sich jetzt eine in der Persönlichkeitsspaltung ‚herze’ – ‚lip’ metaphorisierte synchrone Konfliktlösung einfallen“. Bei Conon de Béthune ist die Metapher von der Trennung des Herzens und des Leibes angesichts des bevorstehenden Kreuzzuges lediglich kurz angedeutet und „stellt nur den Höhepunkt einer effektvollen Schilderung dar“. Hausen hingegen stellt unmittelbar am Anfang seines „Konfliktgedichtes“ fest, dass Herz und Leib sich trennen wollen (Z. 1) und so ist sein Lied ferner als ein „ganzes Gedicht auf das Herz“ zu bezeichnen, wie Friedrich-Wilhelm Wenzlaff-Eggebert bemerkt. Hermann Ingebrand verweist auf die Tatsache, dass dem Herzen in Hausens Lyrik stets eine „überragende Rolle zukommt“.
1 Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der historischen Relevanz der Kreuzzüge sowie der zentralen Forschungsfrage zum Verhältnis von Minne und Gottesliebe.
2 Der Minnesang: Überblick über die Entwicklung des Minnesangs als höfische Dichtung und Definition des Kreuzliedes als spezifischen, inhaltlich bestimmten Untertyp.
3 Die politischen Hintergründe: Darstellung des Dritten Kreuzzugs (1189-1192) und des deutschen Kreuzzugs von 1197 als maßgebliche historische Rahmenbedingungen für die zeitgenössische Lyrik.
4 Die gesellschaftlichen Hintergründe: Analyse der ritterlich-höfischen Vorstellungswelt sowie des Tugendsystems (z. B. triuwe, staete, mâze) als Grundlage für das Verständnis des ritterlichen Handelns.
5 Einzeluntersuchungen: Detaillierte philologische Interpretation ausgewählter Lieder von Friedrich von Hausen, Albrecht von Johansdorf und Hartmann von Aue hinsichtlich ihrer individuellen Behandlung der Minne- und Kreuzzugsthematik.
6 Schluss: Synthese der Ergebnisse zur unterschiedlichen Konfliktbewältigung bei den untersuchten Dichtern und abschließende Einschätzung der Funktion der Minne innerhalb der Kreuzzugslyrik.
Kreuzzugslyrik, Minnesang, Friedrich von Hausen, Albrecht von Johansdorf, Hartmann von Aue, Gottesminne, Frauenminne, herzeliebe, Ritterideal, Stauferzeit, Dritter Kreuzzug, Minnedienst, Gottesdienst, Tugendsystem, höfische Kultur.
Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Minne und Gottesliebe in der hochmittelalterlichen Kreuzzugslyrik des 12. Jahrhunderts.
Die zentralen Themen sind der Dienst am himmlischen Herrn (Gott) im Vergleich zum ritterlichen Dienst an der Minneherrin, eingebettet in den historischen Kontext der Kreuzzugsbewegung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Dichter den persönlichen Konflikt zwischen ritterlichen Liebespflichten und religiösen Forderungen im Kontext der Kreuzzüge literarisch verarbeitet haben.
Die Arbeit nutzt eine philologische Analyse und Interpretation ausgewählter Lieder, ergänzt durch die Einbeziehung historischer Kontexte und maßgeblicher mediävistischer Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und gesellschaftliche Kontextualisierung (Hintergründe des Minnesangs, Ritterideal) sowie detaillierte Einzelinterpretationen von Liedern der Dichter Friedrich von Hausen, Albrecht von Johansdorf und Hartmann von Aue.
Zentrale Begriffe sind Kreuzzugslyrik, Minnesang, Gottesminne, herzeliebe, Ritterideal und die staufische Zeit.
Im Gegensatz zu anderen Dichtern, die den Minnedienst oft als Torheit oder unvereinbaren Gegensatz zum Gottesdienst darstellen, harmoniert Johansdorf diese Pflichten durch den Begriff der herzeliebe, die den Ritter auch während des Kreuzzugs seelisch und moralisch unterstützt.
Hartmann von Aue vertritt eine rigorose Position, in der die irdische Minne zugunsten des Gottesdienstes aufgegeben werden muss, da er die irdische Minne als eine den wahren Glauben behindernde Fiktion entlarvt.
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