Examensarbeit, 2010
77 Seiten, Note: 1,3
Didaktik für das Fach Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
I. Zweitspracherwerbshypothesen und Fehlerentstehungsfaktoren
1. Fehlerdefinitionen
2. Kontrastivhypothese
2.1. Entstehung und Inhalte
2.2. Kritik an der Kontrastivhypothese
2.3. Fehlergenese
3. Identitätshypothese
3.1. Entstehung und Inhalt
3.2. Kritik an der Identitätshypothese
3.3. Fehlergenese
4. Interlanguagehypothese
4.1. Entstehung und Inhalt
4.2. Fehlergenese
4.3. Kritik an der Interlanguagehypothese
II. Die mündliche Fehlerdidaktik im Englischunterricht
1. Formen der Reaktion auf Fehler
1.1. Korrektur
1.2. Reparatur
1.3. Reformulation
1.4. Ignorieren, Missbilligen, Helfen
2. Korrekturtypen
2.1. Fremdinitiierte Fremdkorrektur
2.2 Selbstinitiierte Fremdkorrektur
2.3. Fremdinitiierte Selbstkorrektur
2.4. Selbstinitiierte Selbstkorrektur
3. Korrekturverhalten in Abhängigkeit von Lernstand, Unterrichtsphasen und anderen Bedingungen
3.1. Schülerpersönlichkeit
3.2. Anspruchsniveau
3.3. Unterrichtsphase
3.4. Fehlerarten
3.5. Aufwand- Wirkung- Verhältnis
III). Einstellung zu und Umgang mit mündlichen Fehlern bei Schülern und Lehrern in der Praxis – eine empirische Untersuchung
1. Methodologie
1.1. Testschule und Testpersonen
1.2. Materialien und Vorgehen
1.3. Erwartungen an die Einstellung zu und den Umgang mit mündlichen Fehlern bei Schülern und Lehrern
2. Auswertung
2.1. Auswertung der Fragebögen
2.2. Auswertung der Hospitationen unter Bezugnahme der Ergebnisse der Fragebögen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Feld der mündlichen Fehlerkorrektur im Englischunterricht, wobei der Fokus auf dem theoretischen Verständnis von Fehlern und deren praktischer Handhabung in der Schule liegt. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen fachdidaktischen Ansprüchen und der tatsächlichen Unterrichtspraxis zu beleuchten und Empfehlungen für einen lernförderlichen Umgang mit Fehlern abzuleiten.
1. Fehlerdefinitionen
Es herrscht keine einheitliche Meinung darüber, wie eine angemessene Fehlerdefinition lauten könne oder ob überhaupt eine solche Definition vorgenommen werden sollte. Kleppin (1998: 20 – 22) stellt verschiedene Kriterien auf, unter denen jeweils eine Fehlerdefinition betrachtet werden kann. Ihrer Ansicht nach können Fehler unter den Gesichtspunkten Korrektheit, Verständlichkeit, Situationsangemessenheit, unterrichtsabhängige Faktoren, Flexibilität und Lernerbezogenheit untersucht werden. Legt man einem Fehler das Kriterium Korrektheit zugrunde, so handelt es sich entweder um eine Abweichung vom Sprachsystem (Definition A) oder um eine Abweichung von den geltenden linguistischen Normen (Definition B). Bei Definition A handelt es sich um einen reinen Regelverstoß einer Sprache (z.B. *He go to school), bei Definition B hingegen wäre ein Satz wie *I eated an apple vom Wortbildungssystem zwar möglich, jedoch würde er von einer geltenden linguistischen Norm abweichen.
Des Weiteren kann ein Fehler auch ein Verstoß gegen die Art und Weise sein, wie man innerhalb einer Sprachgemeinschaft spricht und handelt (Definition C). Die Sprachwirklichkeit, d.h. wie man in englischsprachigen Ländern spricht, wird als Bezugsgröße angenommen. Dabei ergibt sich jedoch das Problem, was als Bezugsgröße angesehen werden soll (ein Dialekt, die Sprache einer bestimmten sozialen Schicht etc.). Eine solche deskriptive Norm als Vergleichsgröße ist im Unterricht aber nicht handhabbar.
Wird ein Fehler unter dem Gesichtspunkt Verständlichkeit betrachtet, so ist ein Fehler entweder das, was ein Kommunikationspartner (Definition D) oder ein native speaker (Definition E) nicht versteht. Hierbei ist das Kriterium, ob ein Fehler die Kommunikation behindert oder nicht. Alles, was verstanden wird, obgleich Abweichungen von einer grammatischen Regel feststellbar sind, gilt nicht als Fehler. So könnte beispielsweise der Kommunikationspartner ein Mitlernender sein, der eine fehlerhafte Äußerung versteht, die ein Muttersprachler nicht mehr versteht. Darüber hinaus korrigieren Muttersprachler viel toleranter, da sie sich an der Gebrauchsnorm und nicht an bloßen Regeln orientieren.
I. Zweitspracherwerbshypothesen und Fehlerentstehungsfaktoren: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle des Zweitspracherwerbs, wie die Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese, und zeigt die Entwicklung vom Verständnis des Fehlers als Defizit zum Fehler als Lernschritt.
II. Die mündliche Fehlerdidaktik im Englischunterricht: Hier werden didaktische Reaktionsmöglichkeiten auf Fehler sowie verschiedene Korrekturtypen analysiert und in Abhängigkeit von Faktoren wie Unterrichtsphase und Fehlerart bewertet.
III). Einstellung zu und Umgang mit mündlichen Fehlern bei Schülern und Lehrern in der Praxis – eine empirische Untersuchung: Das Kapitel präsentiert eine eigene empirische Studie an einer Testschule, die die Einstellung von Lehrern und Schülern sowie das tatsächliche Korrekturverhalten in der Praxis mittels Fragebögen und Hospitationen untersucht.
Fehlerkorrektur, Englischunterricht, Zweitspracherwerb, Interlanguage, Fehlergenese, Korrekturtypen, Fremdsprachendidaktik, Lernerstrategien, Sprachbewusstsein, Kommunikation, empirische Untersuchung, Sprachdidaktik, Fehlerdefinition, Unterrichtsphasen, Fremdsprachenlernen.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der mündlichen Fehlerkorrektur im Englischunterricht, von theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs bis hin zur praktischen Umsetzung und den Einstellungen der Beteiligten.
Zentrale Themen sind Fehlerdefinitionen, Spracherwerbshypothesen, didaktische Formen der Fehlerreaktion sowie die empirische Analyse von Korrekturverhalten in verschiedenen Unterrichtsphasen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer Fehler korrigieren, wie dies von Schülern wahrgenommen wird und inwieweit diese Praxis mit fachdidaktischen Anforderungen übereinstimmt.
Es wurde ein methodischer Dreiklang aus Literaturrecherche, einer anonymen Fragebogenaktion bei Schülern und Lehrern sowie fokussierten Hospitationen in unterschiedlichen Jahrgangsstufen gewählt.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Hypothesen zur Fehlerentstehung dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Didaktik der mündlichen Fehlerkorrektur und der Auswertung der empirischen Daten.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fehlerkorrektur, Interlanguage, Spracherwerbshypothesen, empirische Untersuchung und didaktisches Korrekturverhalten geprägt.
Während die Kontrastivhypothese Fehler als störende Interferenz ansieht, betrachtet die Identitätshypothese Fehler als entwicklungsspezifisch und die Interlanguage-Hypothese als Zeichen einer aktiven Auseinandersetzung mit der Zielsprache.
Unterschiedliche Phasen (z.B. Vorlesen vs. Kommunikation) haben unterschiedliche Ziele; während beim Vorlesen Korrektheit im Fokus stehen kann, hat in freien Gesprächsphasen die Aufrechterhaltung des Kommunikationsflusses (message before accuracy) Vorrang.
Die Untersuchung zeigt, dass erfahrene Lehrer tendenziell gelassener mit Fehlern umgehen, während jüngere Lehrkräfte oder Referendare eher zu direkten Korrekturen neigen.
Die meisten Schüler wünschen sich korrigiert zu werden, ziehen es aber vor, ihre Äußerung zu Ende bringen zu dürfen, anstatt sofort unterbrochen zu werden.
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