Masterarbeit, 2018
90 Seiten
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die politischen Orientierungen von kaufmännisch-verwaltenden und handwerklich-technischen Auszubildenden in Niedersachsen. Sie zielt darauf ab, mögliche Unterschiede in deren politischen Einstellungen zu identifizieren und die Relevanz dieser Befunde für die politische Bildung im dualen Ausbildungssystem herauszuarbeiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Inwiefern unterscheiden sich niedersächsische Auszubildende in kaufmännisch-verwaltenden und handwerklich-technischen Berufen in ihren politischen Orientierungen?“
Strukturelle Dimensionen in der politischen Identität
Politische Orientierung ist die übergeordnete Bezeichnung für Wissen, Erkenntnisse, Gefühle, Einstellungen, sowie Werte und Normen, die in Bezug auf politische und soziale Objekte gesetzt werden (vgl. Easton & Dennis 1969, S. 5). In einer näheren Betrachtung der politischen Orientierung eignen sich Parteien als Ankerpunkte, sollten aber nicht fundamental als Richtwerte angesehen werden, da sie regelmäßig ihr Programm ändern und damit auch ihre politische Einstellung. Vielmehr sind politische Orientierungen ein Zusammenschnitt subjektiver Gründe und theoretischer Überlegungen zu gesellschaftlichen Verhältnissen in denen sich der/die Auszubildende befindet, beziehungsweise mit denen er/sie sich konfrontiert (vgl. Held, Horn & Marvakis 1996, S. 23)
Die politische Orientierung, oder auch politische Einstellung, äußert sich insbesondere in den Medien des Öfteren negativ, wenn Ablehnungen seitens der Bevölkerung gegenüber den Politiker formuliert werden. Schlagwörter wie „Wutbürger“ oder „Politikverdrossenheit" weisen dabei auf eine negative Bewertung der Politik hin. Dabei ist der Gegenstand politischer Einstellungen wesentlich diverser. Von der Bewertung einzelner Regierungs- und Parlamentsbeschlüsse (z.B. Gesetz zur Gleichgeschlechtlichen Ehe), über Vorschläge gesellschaftlicher Probleme durch Parteien und Gewerkschaften (z.B. Migrationspolitik), Eindrücke zu einer Partei im Allgemeinen (z.B. hinsichtlich ihrer politischen Aktivitäten in der Vergangenheit) bis zu Einstellungen darüber, wie Entscheidungen in der Politik getroffen werden (z.B. unzureichende Berücksichtigung der Wählermeinung im politischen Alltag der repräsentativen Demokratie), umfasst die politische Orientierung eine große Anzahl von Dimensionen, die die Einstellung des Individuum beeinflussen (vgl. Gille, Krüger & de Rijke 2000, S. 206). In der Literatur wurde in der Vergangenheit zumeist versucht, die Gesamtheit der Politik in Einstellungen zu klassifizieren. Dabei wurde der Begriff „politische Kultur“ von Almond und Verba (1965, S. 4ff.) konstruiert, welcher die Summe der politischen Orientierungen in Bezug auf den bestehenden politischen Objekten beschreibt.
In einer umfassenderen Beschreibung lässt sich die Orientierung in sechs verschiedene Dimensionen, oder auch Orientierungsobjekte, untergliedern (vgl. Niedermayer 2005, S.16). Fünf davon sind struktureller Natur, beziehen sich also auf die politische Partizipation und die Art und Weise des Politischen. Zu den strukturellen Dimensionen gehört zum einen die eigene politische Rolle, die vor allem das politische Interesse und das staatsbürgerliche Selbstverständnis innehat. Die Identifizierung mit dem politischen Führungspersonal ist ein weiterer Unterpunkt innerhalb der politischen Orientierung. Des Weiteren ist die Einstellung gegenüber politischen Institutionen, wie zum Beispiel Verfassungsorganen, Gerichten und der Verwaltung ein Aspekt der politischen Orientierung. Die Einstellung des Subjekts gegenüber demokratischen Verfahren, dem Grundgesetz und der politischen Ordnung kann als vierte Dimension der politischen Orientierung gesehen werden. Die fünfte Dimension der politischen Orientierung gilt dem Verhältnis des Individuums zur politischen Gemeinschaft, wozu die Haltung gegenüber Mitbürgern, Medien und dem Staat erläutert werden kann.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein, beleuchtet die politische Heterogenität junger Wähler und den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien wie der AfD, woraus die Forschungsfrage der Arbeit abgeleitet wird.
2 Konzeptioneller Rahmen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der politischen Orientierung dargelegt, einschließlich ihrer Dimensionen, relevanter Modelle (Links-Rechts-Schema, Politischer Kompass, Milieus) sowie das deutsche duale Ausbildungssystem und bisherige empirische Forschungen in diesem Kontext.
3 Empirischer Befund: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Studie, inklusive des Untersuchungsdesigns, der Hypothesenbildung, des verwendeten standardisierten Fragebogens, der Durchführung von Pretests, der Stichprobenziehung sowie der geprüften Gütekriterien.
4 Empirische Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der quantitativen Erhebung und interpretiert diese. Dabei werden insbesondere die Unterschiede in den politischen Orientierungen zwischen kaufmännisch-verwaltenden und handwerklich-technischen Auszubildenden analysiert und statistisch bewertet.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Forschungsergebnisse, einer Diskussion der Implikationen für die politische Bildung in Berufsschulen und dem Aufzeigen von zukünftigem Forschungsbedarf und möglichen Handlungsempfehlungen.
Politische Orientierung, Auszubildende, Berufszweige, Empirische Untersuchung, Politische Identität, Rechtsextremismus, AfD, Duales Ausbildungssystem, Politische Bildung, Niedersachsen, Links-Rechts-Schema, Institutionenvertrauen, Soziodemographischer Hintergrund, Urteilsfähigkeit, Populismus
Die Arbeit untersucht die politischen Orientierungen von Auszubildenden in kaufmännisch-verwaltenden und handwerklich-technischen Berufen in Niedersachsen, um festzustellen, ob es signifikante Unterschiede zwischen diesen Gruppen gibt.
Die zentralen Themenfelder sind politische Orientierung, politische Identität, das duale Ausbildungssystem in Deutschland, der Einfluss von Bildung und Beruf auf politische Einstellungen sowie die Analyse von rechtsextremen Tendenzen und die Haltung zur AfD unter jungen Erwachsenen.
Das primäre Ziel ist es, Unterschiede in den politischen Einstellungen der beiden Ausbildungsgruppen zu identifizieren. Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern unterscheiden sich niedersächsische Auszubildende in kaufmännisch-verwaltenden und handwerklich-technischen Berufen in ihren politischen Orientierungen?“
Es wird eine quantitative empirische Studie mittels eines standardisierten Fragebogens durchgeführt, basierend auf einer Primäranalyse von selbst erhobenen Daten in Form einer Querschnittsstudie.
Der Hauptteil behandelt das Untersuchungsdesign, die Hypothesenaufstellung, das Erhebungsinstrument, die Durchführung eines Pretests, die Stichprobenziehung, die Gütekriterien und die Auswertungsmethode, gefolgt von der Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse.
Politische Orientierung, Auszubildende, Berufszweige, Empirische Untersuchung, Politische Identität, Rechtsextremismus, AfD, Duales Ausbildungssystem, Politische Bildung, Niedersachsen, Links-Rechts-Schema, Institutionenvertrauen.
Diese beiden Berufsgruppen stellen die zahlenmäßig größten Gruppen im Ausbildungswesen dar und sind daher besonders relevant für eine Untersuchung politischer Orientierungen im Kontext der beruflichen Bildung.
Die Studie konstatiert, dass ein niedrigerer Bildungsabschluss eher mit einer Ausbildung im Handwerk und häufiger mit rechtsextremen Orientierungen korreliert, während höhere Bildungsabschlüsse eher zu kaufmännischen Berufen und seltener zu rechtsextremen Einstellungen führen.
Statistisch signifikante Unterschiede konnten im Vertrauen in die Bundesregierung und in Gewerkschaften festgestellt werden: Kaufmännische Auszubildende vertrauen der Bundesregierung mehr, während handwerklich-technische Auszubildende ein höheres Vertrauen in Gewerkschaften aufweisen.
Angesichts der Ergebnisse, insbesondere der AfD-Affinität bei handwerklich-technischen Auszubildenden, wird Handlungsbedarf für Schulen und Unternehmen formuliert, um durch gezielte politische Bildung (z.B. Projekte gegen Rechtspopulismus) die Urteilsfähigkeit junger Menschen zu fördern und demokratiefeindlichen Einstellungen entgegenzuwirken.
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