Diplomarbeit, 2010
103 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
Teil I. HISTORISCHER HINTERGRUND
1. Bachs Werdegang zum Musiker und die ersten Anstellungen
1.1 Bach als Schüler
1.2 Lüneburg
1.3 Arnstadt
1.4 Mühlhausen
1.5 Weimar
1.6 Köthen
2. Bachs Bildung und musikalische Fertigkeiten im Spiegel der Zeit
2.1 Gelehrsamkeit des rechten Kapellmeisters
2.2 Septem artes liberales
2.2.1 Trivium – Wortwissenschaften
2.2.1.1 Grammatik
2.2.1.2 Rhetorik und Poetik
2.2.1.3 Dialektik
2.2.2 Quadrivium – Zahlenwissenschaften
2.2.2.1 Musik und Mathematik
2.2.2.2 Astronomie
2.2.2.3 Logik
2.3 Bach als Geiger und Organist
Teil II. AUFFÜHRUNGSPRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE EINER INTERPRETATION
3. Glaubwürdige Quellen als Grundlage zur verständnisvollen Wiedergabe
3.1 Was ist Aufführungspraxis?
3.2 Probleme der Notation
3.3 Bachs Autograph und andere Manuskripte
3.4 Erst- und Neudrucke
3.4.1 Ausgabe Johann Joachims vom Jahr 1908
4. Wichtige Merkmale der Musizierpraxis im 17. und 18. Jahrhundert
4.1 Musik als Fremdsprache
4.2 Takthierarchie
4.3 Zur Tongebung
4.4 Zur Artikulation
4.4.1 Bindebögen
4.4.2 Staccato und spiccato
4.4.3 Passagen
4.5 Instrumentarium
4.6 Abstrichregel
Teil III. PRAKTISCHE ANWEISUNGEN UND EMPFEHLUNGEN ZU AUSGEWÄHLTEN PASSAGEN
5. Partita E-Dur als Beispiel pars pro toto
6. Beschreibung der Tanzcharaktere und daraus resultierende Hilfe zur Interpretation
6.1 Tempo, Stil und Charakter
6.2 Tanzcharaktere im Einzelnen
6.2.1 Preludium
6.2.2 Loure
6.2.3 Gavotte en Rondeau
6.2.4 Menuett
6.2.5 Bourée
6.2.6 Gigue
7. Detaillierte Betrachtung einiger wichtiger Prinzipien und Klangeffekte für die Musizierpraxis
7.1 inégal-Spiel
7.2 Bindebögen
7.3 Arpeggio
7.4 Besonderheiten und Klangeffekte
7.5 Vibrato
Postskriptum
Diese Diplomarbeit untersucht die Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach als ein Lehrbuch der Violintechnik. Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis für die aufführungspraktischen Aspekte der Barockmusik zu schaffen, indem historische Quellen, theoretische Schriften und der biographische Hintergrund von Bach analysiert werden, um eine fundierte Basis für eine moderne Interpretation zu bieten.
3.1 Was ist Aufführungspraxis?
Die Entstehung der Sonaten und Partiten für Violine, liegt nun mehr als 290 Jahre zurück. Selbstverständlich wurden uns keine klanglichen Aufnahmen aus dem 18. Jahrhundert überliefert. Es wurde auch keine schriftliche Anweisung oder ein kritisches Vorwort Johann Sebastian Bachs gefunden, die uns über sein Anliegen eine Nachricht geben würden. Es sind nur die dicht mit Hand beschriebenen Notenblätter, die das Bachsche Meisterwerk der Willkür nachfolgender Generationen preisgeben.
Die Musik der barocken Epoche wird häufig wegen ihrer wohlklingenden Harmonien für einfach und oft sogar einfältig gehalten, was jedoch bedeutet, dass sie heute missverstanden und deswegen auch unterschätzt wird. Um solche Musik der früheren Datierungen verständnisvoll zu interpretieren, ist es unentbehrlich ihr gerecht vorzugehen und ihren Inhalt nach den Prinzipien der „Werktreue“ zu entdecken. Das bedeutet, wie Nikolaus Harnoncourt sagt, die historische Musik nicht in unsere Zeit hereinzuholen, sondern sich selbst in die Vergangenheit, in die Zeit ihres Entstehens, zu versetzen.
Ähnliche Aufforderung zu einer möglichst bedachtsamen Widergabe der Musik lesen wir schon bei Johann Mattheson. Für die Praxis eines Musikers sei notwendig: „(...) Daß man (...) einen vorgängigen Unterricht von dem Wesen der Ton Lehre haben, und: Daß der Klang, nach seiner Natur untersuchet werden müsse. Daß es dabey nöthig sey, die Geschichte der Music einzusehen; Ihren Gebrauch und Nutzen im gemeinen Wesen, Die dazu erforderlich Leibes-Stellungen, Die Intervalle, nach ihrer Maasse oder Gestalt, Die Zeichen der Klänge, Die Ton- und Die Schreib-Arten der Setz-Kunst wol zu verstehen.“
1. Bachs Werdegang zum Musiker und die ersten Anstellungen: Detaillierte Schilderung von Bachs frühen Lebensjahren und seiner beruflichen Entwicklung bis zur Zeit in Köthen.
2. Bachs Bildung und musikalische Fertigkeiten im Spiegel der Zeit: Erläuterung der Bedeutung der „sieben freien Künste“ und theoretischer musikalischer Disziplinen für Bachs Werdegang.
3. Glaubwürdige Quellen als Grundlage zur verständnisvollen Wiedergabe: Untersuchung der historischen Quellenlage der Sonaten und Partiten und die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Ausgaben.
4. Wichtige Merkmale der Musizierpraxis im 17. und 18. Jahrhundert: Analyse zentraler historischer Spieltechniken wie Artikulation, Takthierarchie und Tongebung.
5. Partita E-Dur als Beispiel pars pro toto: Praktische Anwendung der gewonnenen theoretischen Erkenntnisse am Beispiel der Partita III in E-Dur.
6. Beschreibung der Tanzcharaktere und daraus resultierende Hilfe zur Interpretation: Analyse der Spezifika der in den Partiten verwendeten Tänze und deren Einfluss auf die musikalische Gestaltung.
7. Detaillierte Betrachtung einiger wichtiger Prinzipien und Klangeffekte für die Musizierpraxis: Vertiefende Auseinandersetzung mit technischen Details wie inégal-Spiel, Bindebögen, Arpeggio und Vibrato.
Johann Sebastian Bach, Sonaten und Partiten, Aufführungspraxis, Violintechnik, Barockmusik, historische Quellen, Tanzcharaktere, Rhetorik, Artikulation, inégal-Spiel, Bindebögen, Arpeggio, Klangeffekte, Musizierpraxis, Werktreue
Die Arbeit beleuchtet die Sonaten und Partiten von J.S. Bach unter dem Aspekt der historischen Aufführungspraxis, um dem heutigen Interpreten ein tieferes Verständnis für die technische und gestalterische Umsetzung zu vermitteln.
Zentrale Themen sind der biographische Hintergrund, die Bedeutung der historischen Schulbildung im Kontext der "sieben freien Künste", sowie die spezifischen spieltechnischen Anforderungen der Barockzeit.
Das primäre Ziel ist es, durch die Einbeziehung historischer Traktate und Quellen eine fundierte Basis zu schaffen, damit Musiker das Werk abseits heutiger Konventionen werkgetreu interpretieren können.
Die Autorin kombiniert biographische Forschung mit der Analyse zeitgenössischer musiktheoretischer Schriften von Autoren wie Mattheson, Werckmeister und Quantz, um daraus praktische Anweisungen für die Aufführung abzuleiten.
Im Hauptteil werden aufführungspraktische Grundlagen wie Artikulation, Takthierarchie und Instrumentenkunde diskutiert sowie exemplarisch auf die Tanzsätze der Partita E-Dur angewendet.
Die Arbeit dreht sich primär um die Begriffe J.S. Bach, aufführungspraktische Spielweisen, historische Notation, Rhetorik in der Musik und die spezifische Auslegung von Tanzcharakteren.
Die Autorin steht revidierten Ausgaben kritisch gegenüber, da diese häufig durch Bearbeitungen des 19. Jahrhunderts den ursprünglichen Notentext verfälschen und die lebendige Interpretation einschränken.
Es handelt sich um eine französische Spielweise, bei der gleich notierte Noten ungleichmäßig ausgeführt werden, um die Musik lebendiger und affektvoller zu gestalten, was für eine werkgerechte Interpretation essenziell ist.
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