Magisterarbeit, 2009
119 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Voraussetzungen der Betrachtung
2.1. Außenpolitik –Eine Definition für den Fall Ungarns
2.2. Forschungsstand und Vorgängerstudien
3. Geschichte, Geographie und traditionelle Beziehungen
3.1. Die Geschichte des ungarischen Staates – ein Kurzabriss
3.2. Exkurs: Die ungarische Geographie und ihre politische Bedeutung
4. Sicherheitslage, Auslandseinsätze und NATO-Mitgliedschaft
4.1. Ungarns Sicherheitslage, historische Lehren und die aktuelle ungarische Sicherheitsstrategie
4.2. NATO-Mitgliedschaft und Auslandseinsätze
a) Einführung
b) Die ungarische Rolle in Afghanistan
c) Ungarn und der Irakkrieg seit 2003
d) Innenpolitische Folgen und Bilanz der NATO-Mitgliedschaft
e) Der Fall Kosovo
5. Die Frage der ungarischen Minderheiten und die Nachbarschaftspolitik
5.1. Einführung
5.2. Die Beziehungen zur Slowakei
5.3. Die Beziehungen zu Rumänien
5.4. Die Beziehungen zu Slowenien
5.5. Die Beziehungen zu Kroatien
5.6. Die Beziehungen zu Serbien
5.7. Die Beziehungen zur Ukraine
6. Besondere Beziehungen
6.1. Die russisch-ungarischen Beziehungen und die Frage der Energiesicherheit
6.2. Ungarn und Österreich
6.3. Ungarn und die EU
a) Der EU-Beitritt und seine Folgen
b) Exkurs – Wirtschaftsintegration und Innenpolitik
c) Aussichten
7. Theoretische Einordnung und Ausblick
8. Fazit
Diese Arbeit analysiert die Außenpolitik der Republik Ungarn im Zeitraum von 2004 bis 2009, unter besonderer Berücksichtigung der ersten fünf Jahre der EU-Mitgliedschaft des Landes. Die Forschungsfrage untersucht, wie innenpolitische Faktoren, Sicherheitsinteressen und die Minderheitenproblematik die außenpolitische Gestaltung Ungarns beeinflussten und inwieweit diese durch die Mitgliedschaft in westlichen Bündnissen geprägt wurden.
1. Einleitung
Wer sich in der letzten Zeit ein Bild des Ungarns der vergangenen Jahre machen wollte und dabei die Überschriften von Artikeln der ausländischen Presse seiner Betrachtung zugrunde legte, musste zu dem Schluss kommen, dass er sich mit ‚dem Schandfleck Europas‘ beschäftige, der ‚unter der Fahne der Faschisten‘ ein ‚Säbelrasseln‘ mit seinen Nachbarn betreibe, die Roma im Land unterdrücke und ‚tausendjährige Komplexe‘ pflege. Ungarn erschiene als ein Land in dem ‚Rechtsradikale triumphieren’, ‚Holocaust-Leugnung und Rassismus‘ an der Tagesordnung sind und wo ‚Wahllügen‘ und ‚Offshore-Ritter‘ die Politik bestimmten.
Ein solches Bild von Ungarn wäre natürlich verzerrt. Dennoch findet sich all das Genannte in der ungarischen Realität wieder und hat mittlerweile auch ganz klare politische Folgen, bis hin auf die europäische Ebene: Das Ergebnis der vergangenen Europawahl, war für die Proeuropäer in Ungarn ein herber Rückschlag. Fast drei Viertel aller Stimmen erhielten Parteien der politischen Rechten, fünfzehn Prozent aller Stimmen fielen sogar auf die rechtsextremistische Jobbik-Partei. Einige Kommentatoren merkten daraufhin an, dass wie in vielen anderen Ländern auch, die Abstimmung nicht Europa, sondern den innenpolitischen Akteuren gegolten habe. Das trifft zweifelsohne zu. Es ist sogar noch zu kurz gegriffen. Denn in Ungarn hat in den vergangenen Jahren die innenpolitische Lage immer stärkeren Einfluss auf die Gestaltung der Außenpolitik gewonnen. Nach der Vollendung der Integration in NATO und EU ist vor allem die Frage der ethnisch-ungarischen Minderheiten immer stärker in den Vordergrund getreten. Gleichzeitig bemühte sich Ungarn seinen neuen Bündnisverpflichtungen nachzukommen, weil es zur Wahrung seiner nationalen Sicherheit an der langfristigen Stabilität von NATO und EU interessiert ist.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die verzerrte Wahrnehmung Ungarns in der internationalen Presse und stellt die zentrale These auf, dass die innenpolitische Lage zunehmend die Außenpolitik des Landes prägt.
2. Voraussetzungen der Betrachtung: In diesem Kapitel wird eine für Ungarn spezifische Definition von Außenpolitik erarbeitet und der aktuelle Forschungsstand zur ungarischen Außenpolitik kritisch diskutiert.
3. Geschichte, Geographie und traditionelle Beziehungen: Der Abschnitt bietet einen historischen Abriss des ungarischen Staates sowie eine Analyse der geopolitischen Bedeutung der ungarischen Geographie für die nationale Sicherheit.
4. Sicherheitslage, Auslandseinsätze und NATO-Mitgliedschaft: Hier werden die historische Sicherheitslage, die aktuelle Sicherheitsstrategie und die ungarischen Militäreinsätze, insbesondere in Afghanistan und im Irak, unter dem Gesichtspunkt der NATO-Mitgliedschaft untersucht.
5. Die Frage der ungarischen Minderheiten und die Nachbarschaftspolitik: Dieses Kapitel widmet sich der zentralen Herausforderung der Minderheitenpolitik und analysiert detailliert die bilateralen Beziehungen Ungarns zu seinen Nachbarstaaten.
6. Besondere Beziehungen: Der Fokus liegt auf der Energiesicherheit in den Beziehungen zu Russland, dem speziellen Verhältnis zu Österreich und der Rolle Ungarns innerhalb der EU.
7. Theoretische Einordnung und Ausblick: Es wird versucht, die ungarische Außenpolitik mithilfe des „Two Level Game“-Modells theoretisch zu erfassen und einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung zu geben.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Verschiebung der außenpolitischen Prioritäten von der Westintegration hin zur Minderheiten- und Nachbarschaftspolitik zusammen und betont die Volatilität durch innenpolitische Zwänge.
Ungarn, Außenpolitik, Europäische Union, NATO, Minderheitenpolitik, Nachbarschaftspolitik, Energiesicherheit, Sicherheitspolitik, Innenpolitik, Transformation, Regierungsführung, bilaterale Beziehungen, Rechtsradikalismus, ethnische Minderheiten, Systemtransformation.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der ungarischen Außenpolitik in den Jahren 2004 bis 2009, also in den ersten fünf Jahren der EU-Mitgliedschaft, und untersucht deren Struktur sowie treibende Faktoren.
Zentrale Felder sind die Sicherheitsstrategie Ungarns im NATO-Kontext, der Umgang mit der ethnisch-ungarischen Minderheitenfrage, die Beziehungen zu den Nachbarstaaten sowie die Energiesicherheit, insbesondere in Bezug auf Russland.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum sich die außenpolitischen Schwerpunkte Ungarns nach dem EU-Beitritt verändert haben und welche Rolle dabei innenpolitische Faktoren spielen.
Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Methode, wertet Monographien, Aufsätze sowie ungarische und internationale Pressebeiträge aus und nutzt theoretische Ansätze, insbesondere das „Two Level Game“-Modell von Robert Putnam, zur Einordnung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und geografische Einordnung, eine Untersuchung der Sicherheitspolitik und Auslandseinsätze, eine detaillierte Länderstudie zur Nachbarschafts- und Minderheitenpolitik sowie eine Analyse der Energie- und EU-Politik.
Wichtige Begriffe sind Außenpolitik, NATO, EU, Minderheitenpolitik, regionale Integration, Energiesicherheit, innenpolitische Polarisierung und bilaterale Abkommen.
Der Skandal schwächte die Regierung Gyurcsány innenpolitisch massiv und ermöglichte es der Opposition, insbesondere dem FIDESZ, ein zweites politisches Gravitätszentrum zu bilden und die Außenpolitik aktiv mitzugestalten.
Aufgrund der geschichtlichen Folgen des Vertrags von Trianon leben etwa ein Drittel aller ethnischen Ungarn im Ausland, was die Minderheitenpolitik sowohl zu einer außenpolitischen Notwendigkeit als auch zu einem innenpolitisch hochsensiblen und oft populistisch genutzten Thema macht.
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