Masterarbeit, 2010
162 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
2.1 Theoretische Überlegungen und Entstehung
2.2 Gesetzliche Regelungen
2.2.1 Bundesebene
2.2.2 Länderebene
2.2.3 EU-Recht
2.3 Rechtsprechung durch das Bundesverfassungsgericht
3. Die Aufsicht des öffentlich rechtlichen Rundfunks
3.1 Interne Aufsicht
3.1.1 Rundfunk- oder Fernsehrat
3.1.2 Verwaltungsrat
3.1.3 Intendant
3.2 Externe Aufsicht
3.2.1 Rechtsaufsicht
3.2.2 Exkurs: Finanzbedarfsermittlung durch die KEF
3.2.3 Finanzaufsicht
4. Der Untersuchungsgegenstand: Die Causa Brender/Koch
4.1 Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF)
4.1.1 Geschichte und Kennzahlen
4.1.2 Aufsichtsstruktur
4.2 Chronologie der Causa Brender/Koch
4.3 Berichterstattung zur Causa Brender/Koch
5. Empirische Analyse
5.1 Forschungsleitfragen
5.2 Stichprobenauswahl
5.3 Methodik
5.4 Kategoriensystem
5.4.1 Erstellung des Kategoriensystems
5.4.1.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung
5.4.1.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung
5.4.1.2.1 Stichprobenauswahl
5.4.1.2.2 Erhebungskriterien
5.4.1.2.3 Erhebung und Auswertung
5.4.1.2.4 Bildung der Unterkategorien
5.4.2 Codierung
5.4.3 Pretest
5.4.3.1 Stichprobenauswahl
5.4.3.2 Codierer-Schulung
5.4.3.3 Ergebnis
5.4.3.4 Überarbeitung des gesamten Codebuchs
5.5 Erhebung
5.5.1 Auswahl und Schulung der Codierer
5.5.2 Durchführung
5.6 Auswertung
5.6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.6.2 Analyse der Ergebnisse
5.7 Methodenkritik
6. Fazit
Die Arbeit untersucht, wie überregionale Printmedien über politische und staatliche Einflussnahme auf Personalentscheidungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk am Beispiel der sogenannten "Causa Brender/Koch" berichten. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine empirische Inhaltsanalyse herauszufinden, ob und wie diese Medien die Unabhängigkeit und Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bewerten und ob sie eine Reform des bestehenden Systems fordern.
Die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Die Rundfunkfreiheit ist das wesentliche Element der medialen Ordnung in Deutschland. Sie „ist Teil der umfassenden Medienfreiheit, die Freiheit der Medien ist Teil der allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglichen Kommunikationsfreiheit und diese ist ein unabdingbarer Bestandteil einer freien Gesellschaft“ (Hoffman-Riem 2003), definiert der ehemalige Verfassungsrichter Hoffman-Riem. Die alliierten Besatzungsmächte legten den Grundstein für die Umsetzung dieser Freiheit nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, als sie den Rundfunk in Deutschland mit dem grundlegenden Ziel neu aufbauten, einen Missbrauch des Rundfunks, wie im Nationalsozialismus vorgekommen, zu verhindern. Dabei setzten die Alliierten auf drei Prinzipien: Die Unabhängigkeit durch Ausschluss jeglichen Staatseinflusses, die Dezentralisierung (dies war vor allem eine US-amerikanische Forderung, denn Briten und Franzosen besaßen sehr wohl eine zentrale Rundfunkorganisation) und schließlich die Unabhängigkeit des Rundfunks von dem beherrschenden Einfluss einer einzelnen gesellschaftlichen Kraft, um die Zugangssicherung für alle Bürger zu gewährleisten (vergl. Schreier 2001, S.34).
Die Staatsferne sowie die organisatorische und programmliche Binnenpluralität sind deshalb bis heute die Grundprinzipien des Rundfunks. Dies gilt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ebenso wie für den privaten Rundfunk, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität (vergl. Verheugen 1995, S.11). Dabei geht das duale Rundfunksystem Deutschlands von der Annahme aus, der private Rundfunk sei alleine nicht in der Lage, die Anforderungen der Rundfunkfreiheit zu erfüllen. Dies liegt zunächst an den begrenzten Verbreitungswegen (zumindest früher, heute kann dieser Punkt durchaus anders gesehen werden), an einer nicht gegebenen Garantie für unabhängige, vielfältige und ausgewogene Berichterstattung aufgrund wirtschaftlicher Interessen sowie dem damals unterentwickelten Angebot.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik um die Nichtverlängerung des Vertrags von Nikolaus Brender beim ZDF und die damit verbundenen Fragen zur Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
2. Die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Theoretische Grundlagen und gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Staatsferne und Rundfunkfreiheit in Deutschland definieren.
3. Die Aufsicht des öffentlich rechtlichen Rundfunks: Analyse der internen Kontrollgremien (Rundfunkrat, Verwaltungsrat, Intendant) und der externen Aufsichtsmechanismen.
4. Der Untersuchungsgegenstand: Die Causa Brender/Koch: Historischer Überblick über das ZDF, die Aufsichtsstruktur des Senders und die konkrete Chronologie der Auseinandersetzung um Nikolaus Brender.
5. Empirische Analyse: Beschreibung des Forschungsdesigns, der Stichprobenbildung, der Inhaltsanalyse sowie der Entwicklung und Verfeinerung des Kategoriensystems.
6. Fazit: Zusammenfassende Interpretation der Analyseergebnisse im Hinblick auf die aufgestellten Hypothesen und Reflexion über die Rolle der Presse im deutschen Mediensystem.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Staatsferne, Rundfunkfreiheit, Causa Brender, Nikolaus Brender, Roland Koch, ZDF, Verwaltungsrat, Inhaltsanalyse, Medienberichterstattung, Pressefreiheit, Aufsichtsgremien, Programmauftrag, Duales Rundfunksystem, Medienordnung.
Die Master Thesis untersucht die Berichterstattung überregionaler Printmedien über staatliche Einflussnahme auf Personalentscheidungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, illustriert am konkreten Fall der Nichtverlängerung des Vertrags des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender (sog. Causa Brender/Koch).
Die zentralen Themen sind das Prinzip der Staatsferne des Rundfunks, die Strukturen der Aufsichtsgremien (insbesondere der Verwaltungsrat des ZDF), die Rolle politischer Akteure wie Roland Koch und die kritische Selbstverteidigung journalistischer Prinzipien durch die Presse.
Die zentrale Frage lautet: "Wie berichten überregionale Printmedien über politische/staatliche Einflussnahme (auf Personalentscheidungen) beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Fall Brender/Koch?"
Der Autor verwendet eine empirische Inhaltsanalyse, konkret eine themenorientierte Themen-Frequenzanalyse, um die Bewertungen und Meinungen in 231 Zeitungsartikeln systematisch zu erfassen und zu kategorisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und einen empirischen Teil, in dem das Kategoriensystem entwickelt, getestet (Pretest) und schließlich auf die gesammelten Artikel angewendet wird.
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie "Staatsferne", "ZDF", "Brender", "Medienberichterstattung", "Gremienaufsicht" und "Inhaltsanalyse" charakterisieren.
Die Analyse zeigt, dass die Medien Roland Koch in der Mehrheit kritisch sehen und seine Argumente (z.B. mangelnde Quoten) als vorgeschoben oder falsch interpretieren; er wird oft als "Drahtzieher" einer parteipolitischen Einflussnahme dargestellt.
Brender wird von den untersuchten Zeitungen weitgehend positiv als Symbol für journalistische Unabhängigkeit und Geradlinigkeit dargestellt, während die Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrats, seinen Vertrag nicht zu verlängern, überwiegend auf Ablehnung stößt.
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