Magisterarbeit, 2004
82 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Kultur- und Interkulturalitätstheorie
2.1 Der Kulturbegriff: Eine Annäherung
2.2 Interkulturalität
2.2.1 Fremdheit und Fremdenfeindlichkeit
2.2.2 Stereotypie und Vorurteil
2.2.3 Zur Problematik interkulturellen Verstehens
2.2.4 Interkulturelle Interaktion
2.2.5 Multikulturalismus-Modelle
2.2.6 Das Modell des ‚Dritten Raums’
2.3 (Kulturelle) Identität
2.3.1 Identität und Repräsentation
3. Die Darstellung von Migranten im Neuen Deutschen Film
3.1 Die Anfänge des Neuen Deutschen Films
3.2 Rainer Werner Fassbinders ‚Katzelmacher’
3.3 ‚Kino der Fremdheit’
3.4 ‚Kino der Métissage’
4. Interkulturalität im Neuen Deutschen Kino: Zwei exemplarische Filmanalysen
4.1 Zur Vorgehensweise
4.2 Eine Analyse von R. W. Fassbinders ‚Angst essen Seele auf’
4.2.1 Entstehungskontext
4.2.2 Zu Filminhalt und Handlungsaufbau
4.2.3 Die Filmfiguren und ihre kulturelle Prägung
4.2.3.1 Emmi
4.2.3.2 Ali
4.2.4 (Interkulturelle) Interaktion
4.2.5 Vorurteil, Stereotypie und filmische Repräsentation
4.3 Eine Analyse von Fatih Akins ‚Kurz und Schmerzlos’
4.3.1 Entstehungskontext
4.3.2 Zu Filminhalt und Handlungsaufbau
4.3.3 Die Filmfiguren und ihre kulturelle Prägung
4.3.3.1 Costa, Bobby und Gabriel
4.3.3.2 Identitätsstiftung durch Alltagskultur
4.3.4 (Interkulturelle) Interaktion
4.3.5 Vorurteil, Stereotypie und filmische Repräsentation
4.4 Diskussion der Filme im Entwicklungskontext
5. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die Darstellung interkultureller Aspekte und deren Funktion als Repräsentationssystem in ausgewählten Filmen von Rainer Werner Fassbinder und Fatih Akin. Ziel ist es, durch eine interdisziplinäre Filmanalyse aufzuzeigen, wie kulturelle Differenz filmisch inszeniert wird und welche Identitätskonzepte in diesem Kontext artikuliert werden.
4.2.3.1 Emmi
In der ersten Filmsequenz bekommt der Zuschauer einen ersten Eindruck und erste Informationen über die Protagonisten vermittelt. Der Film beginnt, wenn Emmi durch die Tür einer Kneipe tritt. Die grauen Strähnen im unfrisierten Haar und einige Falten verraten, dass sie wahrscheinlich um die sechzig ist. Emmis Alter und ihr etwas derangiert wirkendes Äußeres wird durch die Art der Montage betont, die alternierend den Blick auf Emmi richtet, dann wieder auf die Leute, die sie vom Tresen aus beobachten. Emmi bildet einen Gegensatz zu der stark geschminkten, auffällig frisierten und aufreizend gekleideten Wirtin, die mit zwei dunkelhäutigen Männern an der Bar steht. Sie alle, auch die Personen im Hintergrund der Kneipe, sind circa 30 bis 35 Jahre alt, wodurch Emmis fortgeschrittenes Alter visuell kontrastiert wird.
Bereits in der ersten Szene gewinnt der Zuschauer den Eindruck, dass Emmi einsam ist. Monologartig entschuldigt sie sich bei der Kneipenwirtin für ihr Auftauchen, indem sie - wie bei einsamen Menschen zu beobachten - ihre Entscheidungsfindung laut repetiert ("Verzeihen Sie, aber draußen regnet es so stark...verstehen Sie? Und da hab’ ich gedacht...Emmi, hab ich gedacht, geh doch einfach rein in die Wirtschaft", 0:02:08). Der Grund für Emmis Einsamkeit erschließt sich dem Zuschauer nach und nach durch Emmis Gespräche mit Ali. So erzählt Emmi während ihres ersten Tanzes, dass sie Witwe sei, später erfährt man, dass ihr Mann aus Polen kam, im zweiten Weltkrieg ‚Fremdarbeiter’ war und 1955 gestorben ist.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Medienrezeption von Fatih Akin ein und skizziert das Ziel der Arbeit, interkulturelle Aspekte in Filmen von Akin und Fassbinder kulturtheoretisch zu analysieren.
2. Kultur- und Interkulturalitätstheorie: Dieses Kapitel erläutert zentrale Begriffe wie Kulturbegriff, Identität und Interkulturalität und diskutiert verschiedene theoretische Ansätze zur Fremdheit und Akkulturation.
3. Die Darstellung von Migranten im Neuen Deutschen Film: Ein historischer Abriss der Filmgeschichte, der die Darstellung von Migranten vom 'Kino der Fremdheit' bis hin zum 'Kino der Métissage' nachzeichnet.
4. Interkulturalität im Neuen Deutschen Kino: Zwei exemplarische Filmanalysen: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der konkreten Filmanalyse von 'Angst essen Seele auf' und 'Kurz und Schmerzlos' unter Berücksichtigung von Figurenzeichnung, filmischen Mitteln und gesellschaftlichem Kontext.
5. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und diskutiert, wobei die Filme als Teil eines Entwicklungszusammenhangs und hinsichtlich ihres Beitrags zur interkulturellen Kommunikation bewertet werden.
6. Anhang: Der Anhang bietet detaillierte Sequenzprotokolle zu den beiden analysierten Filmen sowie ein umfassendes Literaturverzeichnis.
Interkulturalität, Neuer Deutscher Film, Fassbinder, Fatih Akin, Identität, Migration, Repräsentation, Stereotypen, Fremdheit, Akkulturation, interkulturelle Interaktion, Film Noir, Identifikation, gesellschaftlicher Kontext, Medienwissenschaft.
Die Arbeit analysiert die filmische Darstellung von Interkulturalität und interkulturellen Beziehungen im Neuen Deutschen Kino am Beispiel von Werken von Rainer Werner Fassbinder und Fatih Akin.
Die zentralen Themen umfassen Kulturtheorien, Konzepte der Identitätsbildung, die historische Entwicklung der Darstellung von Migranten im deutschen Film sowie die Untersuchung von Stereotypen und Machtverhältnissen in den untersuchten Filmen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kulturelle Differenz in Filmen inszeniert wird, welche Bedeutung diese Filme als Repräsentationssysteme haben und ob sie die Integration oder das gegenseitige Verständnis fördern oder behindern.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der kulturwissenschaftliche Theorien mit film- und literaturwissenschaftlichen Parametern verknüpft, ergänzt durch eine detaillierte Sequenzanalyse der Filme.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Kultur- und Interkulturalitätsmodelle, einen historischen Überblick über das Migrantenkino und eine detaillierte exemplarische Filmanalyse von 'Angst essen Seele auf' und 'Kurz und Schmerzlos'.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturalität, kulturelle Identität, Repräsentation, Stereotypisierung, Transnationalität und die soziologische Einordnung von Migrationserfahrungen.
Fassbinder nutzt die Filme als gesellschaftskritisches 'Lehrstück' zur Reflexion von Rassismus und Vorurteilen, während Akins Filme eher eine transnationale 'Positivutopie' und die multiple Identität der zweiten/dritten Generation fokussieren.
Die 'Kanak Sprak' wird als bewusster Code und soziolektales Element eingesetzt, das die Identifikation mit multiethnischen Netzwerken und einer bestimmten Subkultur unterstreicht.
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