Diplomarbeit, 1997
124 Seiten, Note: 2.00
Teil I: Die Idee der Genossenschaft
1. Historische Entstehungsursachen der modernen Genossenschaft
2. Kollektive Selbsthilfe versus Fremdhilfe
3. Der Idealtypus der Genossenschaft
3.1. Freiwilligkeit
3.2. Das Förderungsprinzip
3.3. Das Identitätsprinzip
3.4. Die Genossenschaft als Sozialgemeinschaft
3.5. Das Demokratieprinzip
3.6. Selbstverwaltung und Selbstverantwortung
3.7. Nicht geschlossene Mitgliederzahl
3.8. Genossenschaften und Wirtschaftssystem
4. Die Genossenschaftsidee und ihre historischen Wurzeln in verschiedenen sozialen Schichten
4.1. Städtische Arbeiter und Genossenschaft
4.1.1. Arbeiter und Produktivgenossenschaft
4.1.2. Arbeiter und Konsumgenossenschaft
4.2. Selbständige Handwerker und Genossenschaft
4.3. Bauern und Genossenschaft
5. Eine grobe Kategorisierung von Genossenschaftsarten
5.1. Vollgenossenschaften und hilfswirtschaftliche Genossenschaften
5.2. Unternehmens- und Haushaltsgenossenschaften
5.3. Verkäufer-und Käufergenossenschaften
Teil II: Konsumgenossenschaftliche Ziel- und Strategievorstellungen
1. Allgemeine konsumgenossenschaftliche Ziele
2. Die Rochdaler Grundsätze
2.1. Offene Mitgliedschaft
2.2. Das Rückvergütungsprinzip
3. Gesamtgesellschaftliche Konsumgenossenschaftskonzeptionen
3.1. Eduard Pfeiffer
3.2. Heinrich Kaufmann
3.3. Konsumgenossenschaftliche Eigenproduktion versus Produktivgenossenschaften
3.4. Peter Schlack
4. Konsumgenossenschaften und erwerbswirtschaftliche Konkurrenz
5. Das Nichtmitgliedergeschäft
Teil III: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung
1. Vereinzelte konsumgenossenschaftliche Gründungen (1850 - 1864)
2. Die Entwicklung zur Konsumgenossenschaftsbewegung (1864 - 1903)
3. Die ´Ära Heinrich Kaufmann` (1903 - 1933)
4. Die nationalsozialistische Zerschlagung der Konsumgenossenschaften
5. Die Wiederaufbauphase nach dem 2. Weltkrieg (1945 - 1960)
6. Die konsumgenossenschaftliche Krise und der Weg zur co op AG
7. Das Schicksal der co op AG
8. Die Reste der Konsumgenossenschaftsbewegung
Teil IV: Ursachen für den Bedeutungsverlust der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung
1. Der organisatorische Wandel 1967 - 1974
2. Der Verfall der genossenschaftlichen Demokratie
3. Gemeinwirtschaftliches Selbstverständnis
4. Das Nichtmitgliedergeschäft
5. Die veränderte Konkurrenzsituation
6. Rechtliche Begrenzungen konsumgenossenschaftlicher Entwicklung
7. Das Verschwinden traditioneller Zielgruppen
8. Zusammenfassung der Ergebnisse
Teil V: Zukunftsperspektiven der Konsumgenossenschaften in Deutschland
1. Die internationale Bedeutung der Konsumgenossenschaften
2. Die Rolle als Marktgegengewicht
3. Zukunftsperspektiven im ´Öko-Bereich`
4. Marktnischen für Konsumgenossenschaften
4.1. Neue Dorf-Konsumgenossenschaften
4.2. ´Internet-Shopping` und neue Dienstleistungen
5. Die Eigenkapitalausstattung
6. Schlußbemerkungen
Diese Arbeit analysiert die historische Entwicklung, die Ziele und den Bedeutungsverlust der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung. Dabei wird untersucht, inwieweit das genossenschaftliche Ideal der Bedarfsdeckung durch Selbsthilfe in der modernen Marktwirtschaft noch Bestand haben kann und welche Zukunftsperspektiven sich für diese Organisationsform ergeben.
3.2. Heinrich Kaufmann
Heinrich Kaufmann (1864 - 1928) war im Zeitraum von 1903 - 1928 die führende Persönlichkeit im Zentralverband deutscher Konsumvereine. Sein Einfluß war so groß, daß das konsumgenossenschaftliche Entwicklungsstadium von der Jahrhundertwende bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten häufig als die „Ära Heinrich Kaufmann“ bezeichnet wird.
Im Gegensatz zu Eduard Pfeiffer lehnte Kaufmann Produktivgenossenschaften als gescheitertes Experiment ab. Statt unabhängiger, für den Markt produzierender Produktivgenossenschaften wollte er, daß den Konsumgenossenschaften Eigenproduktionsbetriebe angegliedert werden. Dadurch sollte ein Teil der gesellschaftlichen Produktion zur „Dienerin des Verbrauchs“ werden. Im Laufe der Zeit sollte „an die Stelle einer individualistischen und kapitalistischen, auf Profitstreben und einer ungerechten Verteilung des Arbeitsertrages beruhenden Produktion für den Markt (...) eine gemeinnützige genossenschaftliche Bedarfsdeckungswirtschaft der Produktion für den organisierten Konsum“ treten.
Die einzelnen Konsumgenossenschaften eines Landes sollten eine Großeinkaufsgesellschaft für den zentralen Einkauf und die zentrale Produktion gründen. Diese „Konsumgenossenschaft der Konsumgenossenschaften“ sollte wiederum mit den Großeinkaufsgesellschaften anderer Länder eine internationale Großeinkaufsgesellschaft gründen: „Im Geiste erblicken wir eine internationale Großeinkaufsgesellschaft, die sowohl ein überwältigend großes Handelsunternehmen mit Kontoren; Einkaufshäusern und Lagern in allen Teilen der Welt als auch ein überwältigend großes Produktionsunternehmen mit zahlreichen Fabriken in den geeigneten Produktionsgebieten ist, mit Plantagen in allen Tropengegenden zur Erzeugung tropischer Rohstoffe, mit Bergwerken in allen Ländern zur Hebung der Bodenschätze, mit eigenen Verkehrsunternehmungen, die über Land und Meer alle genossenschaftlichen Organisationen miteinander in Verbindung bringen, und mit einer internationalen Genossenschaftsbank als Geldausgleichsstelle der genossenschaftlichen Kapitalien.“
Teil I: Die Idee der Genossenschaft: Dieses Kapitel erläutert die historischen Entstehungsursachen und definiert den Idealtypus der Genossenschaft anhand zentraler Prinzipien wie Freiwilligkeit, Förderungsprinzip und Demokratie.
Teil II: Konsumgenossenschaftliche Ziel- und Strategievorstellungen: Hier werden die allgemeinen Ziele, die Rochdaler Grundsätze und die verschiedenen strategischen Konzeptionen bedeutender Akteure wie Pfeiffer, Kaufmann und Schlack analysiert.
Teil III: Geschichte der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung: Dieses Kapitel zeichnet den zeitlichen Verlauf der Bewegung von den Anfängen über die „Ära Heinrich Kaufmann“ bis hin zur Zerschlagung im Nationalsozialismus und der späteren Wiederaufbauphase nach.
Teil IV: Ursachen für den Bedeutungsverlust der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung: Eine detaillierte Untersuchung der Gründe für den Niedergang, wie der organisatorische Wandel zur co op AG, der Verlust demokratischer Strukturen und die veränderte Konkurrenzsituation.
Teil V: Zukunftsperspektiven der Konsumgenossenschaften in Deutschland: Abschließend werden internationale Ansätze wie die Schweizer Migros betrachtet und Möglichkeiten für Konsumgenossenschaften in der modernen Wirtschaft, etwa im Öko-Bereich, erörtert.
Konsumgenossenschaften, Selbsthilfe, Bedarfsdeckungswirtschaft, Rochdaler Grundsätze, Heinrich Kaufmann, Genossenschaftsdemokratie, co op AG, Eigenproduktion, Rückvergütung, Gemeinwirtschaft, Wettbewerb, Strukturwandel, Mitgliederförderung, Öko-Bereich, Genossenschaftsrecht.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Zukunftsperspektiven der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung vom 19. Jahrhundert bis Ende der 1990er Jahre.
Die zentralen Themen sind das genossenschaftliche Selbsthilfeprinzip, die historische Geschichte der Bewegung, die Ursachen für den wirtschaftlichen Niedergang in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie theoretische Konzepte zur Modernisierung.
Das Ziel ist es, die historischen Gründe für das Scheitern großer genossenschaftlicher Konzepte (wie der co op AG) zu verstehen und zu evaluieren, ob und wie Konsumgenossenschaften heute noch eine relevante Rolle als Marktgegengewicht spielen können.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgreifende historische und wirtschaftssoziologische Analyse, die durch die Auswertung zeitgenössischer Fachliteratur, Statistiken und genossenschaftlicher Konzepte fundiert wird.
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln, die strategischen Zielvorstellungen (Pfeiffer, Kaufmann, Schlack), die Geschichte der Bewegung und die strukturellen Ursachen des Bedeutungsverlustes nach 1945.
Die wichtigsten Begriffe sind Konsumgenossenschaften, Selbsthilfe, Bedarfsdeckung, Genossenschaftsdemokratie, co op AG und Gemeinwirtschaft.
Laut Autor liegt der Unterschied in der Zielsetzung: Während die Aktiengesellschaft auf Gewinnmaximierung für Kapitalanleger abzielt, verfolgt die Genossenschaft das Prinzip der Bedarfsdeckung ihrer Mitglieder (Bedarfsdeckungswirtschaft).
Der Autor führt dies auf den organisatorischen Zwang zur Anpassung an erwerbswirtschaftliche Strukturen zurück, was zu Zentralisierung, Verlust der genossenschaftlichen Demokratie und Entfremdung der Mitglieder führte.
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