Bachelorarbeit, 2010
43 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Individuelle und kollektive Konstruktion der Wirklichkeit
2.1. Das kollektive Gedächtnis und Erinnerung
2.2. Das kommunikative und kulturelle Gedächtnis
2.2.1. Materiell vs. Elektronisch
2.2.2. Speicherkapazität vs. Langzeitstabilität
2.2.3. Schnelle Zirkulation & erweiterter Zugriff
3. Medien und kollektives Gedächtnis
3.1. Materielle Dimension
3.2. Soziale Dimension
3.2.1. Produktionsseitige Funktionalisierung
3.2.2. Rezeptionsseitige Funktionalisierung
4. Medien und Erinnerung
4.1. Neue Medien und das Ende der Erinnerung
5. Das kulturelle Bildgedächtnis
5.1. Bild vs. Ikone
5.2. Wort vs. Bild
6. Inszenierung kollektiver Erinnerung
6.1. Erzählung
6.2. Ausstellen
6.3. Inszenieren
6.3.1. Geschichtsdarstellung im Film
6.3.2. Audio-Inszenierung als Psychokino
7. Conclusio
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen kulturellen und kollektiven Erinnerungsprozessen und deren medialer Vermittlung. Dabei wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss mediale Strukturen – insbesondere der technologische Wandel – auf die Konstitution und Stabilität des kollektiven (Bild-)Gedächtnisses ausüben, wobei die Konstruktion von Wirklichkeit durch mediale Träger im Zentrum steht.
2.2.1. Materiell vs. Elektronisch
Die erste Veränderung findet sich in der Materialität, da vor allem durch die Entmaterialisierung von festen zu flüssigen Datenträgern, Konsequenzen in Bezug auf die Langzeitspeicherung drohen. „Stromstöße und Schaltkreise sind von einer anderen Materialität als Pergament, Papier, Silbersalze, Zelluloid und Magnetbänder.“
Information auf elektronischen Datenträgern hinterlassen keine Spuren oder Rückstände in Form von Ablagerungen. Für neue Medien wie das Internet, greifen die üblichen Speichermetaphern, welche sich auf paradigmatische Orte und Depots wie Magazine, Dachkammern oder Kisten beziehen, nicht mehr. Es existiert ein riesiger Datenpool ohne Langzeitspeicher dessen Anfänge bereits im Dunkeln liegen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die allgegenwärtige Bildpräsenz ein und umreißt die mediale Vermittlung kollektiver Gedächtnisprozesse als zentrales Forschungsfeld.
2. Individuelle und kollektive Konstruktion der Wirklichkeit: Dieses Kapitel diskutiert grundlegende Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs sowie Aleida und Jan Assmann, um den sozialen Rahmen des Erinnerns zu bestimmen.
3. Medien und kollektives Gedächtnis: Hier wird der kulturwissenschaftliche Kompaktbegriff nach Astrid Erll angewandt, um Medien als materielle und soziale Systeme der Erinnerung zu analysieren.
4. Medien und Erinnerung: Dieses Kapitel beleuchtet kritisch, wie aktuelle Medientechnologien sowohl als Ermöglicher als auch als Verhinderer von Erinnerungsprozessen wirken können.
5. Das kulturelle Bildgedächtnis: Es wird untersucht, wie sich Bilder durch Stilisierung, Auswahl und Wiederholung in das kollektive Gedächtnis einschreiben und zu Ikonen werden.
6. Inszenierung kollektiver Erinnerung: Hier werden unterschiedliche Darstellungsverfahren von Geschichte – Erzählen, Ausstellen und Inszenieren – anhand praktischer Beispiele diskutiert.
7. Conclusio: Die Arbeit fasst zusammen, dass Erinnerung stets medial vermittelt ist und dass digitale Medien trotz ihrer Volatilität die Relevanz einer gezielten Erinnerungspolitik unterstreichen.
Iconic Turn, kollektives Bildgedächtnis, kulturelles Gedächtnis, Erinnerungskultur, Speichergedächtnis, Funktionsgedächtnis, Medientechnologie, Kanonisierung, Ikonisierung, Medienstruktur, Gedächtnistheorie, Intermedialität, Digitalisierung, Erinnerungspolitik
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie unser kollektives Gedächtnis durch Medien geprägt und geformt wird, insbesondere im Hinblick auf den Wandel von analogen zu digitalen Speichermedien.
Im Fokus stehen Gedächtnistheorien, die materielle und soziale Dimension von Medien, die Ikonisierung von Bildern sowie die verschiedenen Formen der geschichtlichen Inszenierung.
Ziel ist es zu ergründen, wie Veränderungen in der Medienstruktur (vom Buch zum Internet) das kollektive Gedächtnis beeinflussen und wie Bilder in diesem Prozess ausgewählt und kanonisiert werden.
Die Arbeit basiert methodisch auf einer fundierten Recherche und Analyse einschlägiger kulturwissenschaftlicher Literatur zur Gedächtnistheorie und Medientheorie.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gedächtnismodellen, eine Analyse von Medientechnologien und deren Auswirkung auf Erinnerung sowie die praktische Untersuchung von Inszenierungsformen wie Film und Audio-Installationen.
Die zentralen Begriffe umfassen den "Iconic Turn", das kollektive Bildgedächtnis, Speicher- und Funktionsgedächtnis sowie die mediale Kanonisierung.
Neue Medien verändern die Materialität und Langlebigkeit von Speichermedien, was laut Autor sowohl Risiken (Datenverlust) als auch Chancen für die Sichtbarkeit von Erinnerung bietet.
Ein "Bild" wird durch Stilisierung, Auswahl und häufige Wiederholung im kulturellen Kontext zu einer "Ikone", die reflexartig abrufbar ist und ein Ereignis repräsentiert.
Dieser Begriff wird im Zusammenhang mit Audio-Inszenierungen (z.B. Audioweg Gusen) verwendet, bei denen Klänge und Stimmen die Besucher dazu anregen, eigene innere Bilder der unsichtbaren Vergangenheit zu erzeugen.
Die Materialität beeinflusst die Langzeitstabilität und die "Aura" von Informationsträgern; digitale Medien sind "flüssiger" und weniger an physische Orte gebunden als etwa Stein oder Papier.
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