Forschungsarbeit, 2001
57 Seiten, Note: 1,0
1.Einleitung
2. Die Ethnographische Gesprächsanalyse
2.1. Zur Methodik der Untersuchung adoleszenter Kommunikationskultur in Peer-Groups
2.2. Zur Methodik einer ethnographischen Gesprächsanalyse
2.2.1. Sequenzanalytisches Prinzip der sukzessiven Sinnentfaltung und –bestimmung
2.2.2. Detaillierte Sequenzanalyse
2.3. Die Datenerhebung
3.Die Analyse “Kippen/Regeln”
3.1. Das Transkript “Kippen/Regeln”
3.2. Die Gesprächsanalyse der Sequenz “Kippen/Regeln”
3.2.1. Grundstruktur jugendlicher Gespächspraktik
3.2.2. Faktisches Problem: implizite Regeln
3.2.3. Rhetorische Strategien / Techniken des Klagens von Markus,
durch welche der Handlungsdruck auf die anderen erhöht wird
3.2.4. Insuffizienz der rhetorischen Strategien Markus‘
3.2.5. Prinzip “Eigenverantwortlichkeit”
3.2.6. Vorwurf – Gegenvorwurf & Forderung nach Themenwechsel durch die Gruppe
3.2.7. Markus anerkennt die Regel der “Eigenverantwortlichkeit”
3.2.8. Rekurs auf Unernsthaftigkeit &. Explizivität der Interaktion
3.3. Resumé
4.Die Analyse “Shots”
4.1. Das Transkript “Shots”
4.2. Gesprächsanalyse der Sequenz “Shots”
4.2.1. Rahmenbedingungen/Hintergrundwissen
4.2.2. Exklusionsverfahren/Vergemeinschaftung
4.2.3. Statuskonstitution/-darstellung
4.2.4. Konsumregeln
a) Der gemeinschaftliche Charakter des Haschischkonsums
b) Spezifische Rauchmodalität in dieser Interaktion
4.2.5. Verhältnis von Spaß & Ernst
4.3. Resumé
5. Fallübergreifender Vergleich
5.1. Regeln
5.2. Konfliktaustragung
5.3. Gruppenstil
5.4. Status
Die vorliegende Arbeit untersucht mikrosoziologisch Formen der Konfliktkommunikation innerhalb einer jugendlichen Peer-Group. Das primäre Ziel ist es, den Begriff der „Konflikt-Kultur“ im Kontext jugendlicher Interaktionsformen zu verorten und zu analysieren, wie soziale Konflikte im Alltag ausgetragen, verhandelt und durch gruppenspezifische Normen reguliert oder vermieden werden.
3.2.2. Faktisches Problem: implizite Regeln
Z.7: “ich bring nix mehr mit ins jugendhaus” rekurriert darauf, dass es anscheinend normal ist, etwas mitzubringen. Bezugnehmend auf Z.1-2: ”...die ganzen gauloises kippen...” läßt sich schließen, dass es nicht normal ist alle Zigaretten einer anderen Person weg zu rauchen. Es erscheint demzufolge normal überhaupt Zigaretten mitzubringen, von denen sich die Allgemeinheit möglicherweise – in Maßen – bedienen darf. In dem vorliegenden Fall wurde diese Regel in bedeutendem Maße überschritten bzw. verletzt. Aus Markus Äußerung Z.4-5 läßt sich herauslesen, dass angesichts der Menge die er geraucht hat und der noch in seinem Päckchen verbleibenden Menge, auf die Unverhältnismäßigkeit hinsichtlich des Zigarettenkonsums zwischen dem was er geraucht hat und dem was die anderen geraucht haben, hingewiesen wird. Später in Z.22 wird er sagen, dass er noch fünf Stück hat, womit er sich in gewisser Weise dahingehend entlarvt, dass sein anfängliches Beklagen darüber, dass sein Päckchen leer sei, nicht stimmt. Diese Lüge, betrachtet vor dem zeitlichen Hintergrund ihres Ausdrucks im Zusammenhang der Expressivität, resultierend aus der Verärgerung durch den Verlust, bekommt vielmehr den Charakter einer Übertreibung und veranschaulicht wie Markus die Situation empfindet.
Obwohl noch fünf Zigaretten übrig sind, empfindet er die Packung als leer. Es geht ihm hierbei offenbar vielmehr um das Maß, also um das Verhältnis zwischen individuellem Eigentum und der (Nicht-)Respektierung des persönlichen Besitzes durch seine Freunde. Auch wenn jeder nur eine Zigarette nimmt, verliert der Geber dadurch eine Menge. Markus macht den anderen keine Vorwürfe wegen des Geldes, das er durch das Schnorren der anderen verliert, sondern ist vermutlich wütend, weil man ihm bzw. seinem Besitz nicht den nötigen Respekt entgegenbringt.
1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Arbeit in der interaktionstheoretischen Konfliktforschung und stellt die Forschungsfrage nach den Korrelationen zwischen medialer und alltäglicher Konfliktaustragung.
2. Die Ethnographische Gesprächsanalyse: Dieses Kapitel führt in die methodischen Grundlagen ein und erläutert das Vorgehen bei der sequentiellen Analyse von natürlichsprachlichen Gesprächsdaten.
3. Die Analyse “Kippen/Regeln”: Die Analyse dieser Sequenz thematisiert den Konflikt um die Respektierung persönlichen Eigentums und zeigt die Wirksamkeit impliziter Gruppenregeln bei der Problembearbeitung auf.
4. Die Analyse “Shots”: Das vierte Kapitel untersucht durch die Sequenz „Shots“ Mechanismen der Vergemeinschaftung, Exklusionsverfahren und die Konstitution von Status innerhalb der Peer-Group.
5. Fallübergreifender Vergleich: Der Vergleich fasst die Ergebnisse hinsichtlich der identifizierten Regeln, Konfliktaustragungsmuster und Gruppenstile zusammen und stellt sie in einen theoretischen Zusammenhang.
Ethnographische Gesprächsanalyse, Konfliktkommunikation, Peer-Group, Jugendsoziologie, Konfliktvermeidung, Konsumregeln, Statusdarstellung, Exklusionsverfahren, Soziale Positionierung, Interaktionstheorie, Alltagspraxis, Vergemeinschaftung, Normsetzung, Gesprächspragmatik, Eigenverantwortlichkeit
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Konfliktkommunikation innerhalb einer jugendlichen Peer-Group im Alltag und untersucht, wie Jugendliche soziale Konflikte in ihren Gesprächen verhandeln.
Im Zentrum stehen die Konzepte der „Konflikt-Kultur“, der Statuskonstitution, der Konsumregeln innerhalb von Gruppen und der Dynamik von Zugehörigkeit und Ausgrenzung.
Das Ziel ist es, die „Konflikt-Kultur“ Jugendlicher zu verorten und zu verstehen, welche kommunikativen Verfahren sie bei der Auseinandersetzung mit sozialen Konflikten einsetzen.
Es wird die ethnographische Gesprächsanalyse nach Dr. Arnulf Deppermann angewandt, die auf der sequentiellen Untersuchung von natürlich aufgezeichneten Gesprächsdaten basiert.
Der Hauptteil analysiert zwei spezifische Gesprächssequenzen („Kippen/Regeln“ und „Shots“) hinsichtlich rhetorischer Strategien, impliziter Normen und der Machtdynamik innerhalb der Gruppe.
Wichtige Begriffe sind unter anderem ethnographische Gesprächsanalyse, Peer-Group, Konfliktvermeidung, Statuskonstitution und Exklusionsverfahren.
Die impliziten Regeln führen dazu, dass persönliche Probleme nicht offen oder konstruktiv adressiert werden können, da die Gruppe den Konsum oder die Aufrechterhaltung einer „spaßigen“ Atmosphäre über das individuelle Anliegen stellt.
Der Status eines Gruppenmitglieds, wie zum Beispiel Denis, ermöglicht es, Konsumregeln willkürlich aufzustellen und zu ändern, wobei die anderen Mitglieder den Statusvorteil anerkennen oder aus taktischen Gründen nicht widersprechen.
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