Magisterarbeit, 2010
122 Seiten, Note: 1,0
I. Einführung
I.1 Fokus und Aufbau der Arbeit
I.2 Begriffsbestimmung zu Migration
I.3 'Cap Vert et au-delà' – Forschungsrahmen und Untersuchungsfeld
II. Methodologie und theoretischer Rahmen der Studie
II.1 Ethnographische Feldforschung und Methode
II.1.1 Teilnehmende Beobachtung und Datenerhebung
II.1.2 Das ethnographische Feld und seine Grenzen
II.2 Theorien zu internationaler Migration
II.2.1 Rational Choice Models
II.2.2 Neue Ökonomie der Arbeitsmigration
II.2.3 Theorie der Migrationsnetzwerke
II.3 Soziokulturelle Konzepte zu Migration
II.3.1 Sozialkapitaltheorie
II.3.2 Kulturelles Kapital und Feldwechsel nach Pierre Bourdieu
II.3.3 Migration als 'rite de passage'
II.4 Zur Anthropologie der Migration
III. Irreguläre Migration von Afrika nach Europa – politischer und historischer Kontext
III.1 Irreguläre Migration und Europas Präventionspolitik
III.1.1 Transkontinentale Migrationspolitik der EU
III.1.2 Grenzschutzagentur Frontex
III.1.3 Mythos 'Festung Europa'
III.2 Historische Einbettung der Süd-Nord-Migrationsbewegung
III.2.1 (West-) Afrikanische Mobilität
III.2.2 Trans-Sahara-Migration
III.2.3 Irreguläre mediterrane Migration
IV. Globale, regionale und lokale Faktoren – zur Genese der Pirogen-Migration im Senegal
IV.1 Transatlantische Bootsmigration
IV.2 Ökonomische, demographische und politische Gründe – ein Profil
IV.2.1 Politpropaganda - 'sopi' vs. 'mal traite(u)r'
IV.3 Maritime Ressourcen und die Rolle der Fischer
IV.3.1 Die Ausbeutung des Meeres als sozioökonomische Dimension
IV.3.2 Die Fischer als Vorhut
IV.4 Art und Weise der Emigration – Visum vs. Landweg vs. Piroge
IV.4.1 Formale Visaverteilung
IV.4.2 Zum Gerücht vom informellen Visum
IV.4.3 Irreguläre Migrationswege und die Option der Piroge
V. Struktur, Organisation und Ablauf der Pirogen-Migration
V.1 Ablegeorte und Route
V.2 Organisation und Logistik der maritimen Passage
V.2.1 Ausstattung
V.2.2 Informelle Netzwerke – die Organisation der Abfahrt
V.2.3 Bootsmannschaft und Seemannskunst
V.3 Die Überfahrt
VI. 'Tenter sa chance' ou 'rester les bras croisés' – soziokulturelle Dynamiken auf Akteursebene
VI.1 Religiöse und kognitive Elemente als Begleiter und Erklärungsformel
VI.1.1 Spirituelle Praxis und die Rolle des Marabout
VI.1.2 Gottes- und Schicksalsglaube
VI.1.3 Risikobewusstsein und der Umgang mit Angst
VI.2 Der Wille zur Emigration – Motive und Verführung
VI.2.1 Mediale Welt und Propaganda
VI.2.2 Die Rolle der Familie im Entscheidungsprozess
VI.2.3 Bedeutung der Frauen und Heiratswesen
VI.2.4 Vorige Migranten, peer group und kumulative Wirkung
VI.3 Handlungsstrategien – praktischer Zugang und Finanzierung
VII. Zusammenfassung und Konklusion
VII.1 Lokalisierung und soziokulturelle Genese
VII.2 Soziale Mobilität - Netzwerke und Inspiration
Die Arbeit untersucht die soziokulturellen Hintergründe und Entscheidungsprozesse, die senegalesische Männer dazu bewegen, die irreguläre und riskante Flucht über den Atlantik per Fischerboot (Piroge) auf die Kanarischen Inseln zu wagen. Der Fokus liegt dabei auf einer akteursorientierten ethnographischen Perspektive, die über rein ökonomische Erklärungsmodelle hinausgeht.
II.1.1 Teilnehmende Beobachtung und Datenerhebung
„Participant obeservation – establishing a place in some natural setting on a relatively long-term basis in order to investigate, experience and represent the social life and social processes that occur in that setting – comprises one core activity in enthnographic fieldwork“ (Emerson et al. 2001:352).
Die Ankunft im Feld und die Bildung günstiger Rollenbeziehungen sind für die Durchführbarkeit einer ethnographischen Forschung von zentraler Bedeutung (Knorr 1973:309). Nach erfolgreichem Zugang sind das Eintauchen in das alltägliche Leben und die Bedeutungssysteme der Menschen sowie die aufkommenden ethischen und politischen Fragen das besondere Interesse der teilnehmenden Beobachtung (Emerson et al.2001:352). Um dies zu ermöglichen, galt es für mich möglichst viel Zeit mit den Akteure zu verbringen.
Zugang zum Feld
Da das Thema der migration clandestine im Senegal (auch medial) sehr präsent und in aller Munde war, gab es viele Menschen, die etwas darüber zu erzählen wussten, die angaben, jemanden zu kennen oder etwas gehört hatten. Trotz dieser durchaus wertvollen Informationen, galt es jedoch, explizite Daten aus erster Hand zu erheben. Aufgrund des informellen, seitens der Behörden sogar illegalen, Charakters des Themas, war es am Anfang nicht einfach, Personen zu finden, die – ob als einfacher Migrant, Seemann, Organisator oder in anderer Rolle – in die Pirogen-Migration involviert und bereit waren, darüber zu sprechen. Insbesondere der Kontakt zu Personen, die eine Emigration planten oder aktuell aktiv waren, gestaltete sich schwierig und es zeigte sich bald, dass les rapatriés (rückgeführte Migranten) einfacher zu erreichen waren.
I. EINFÜHRUNG: Die Arbeit leitet in die Problematik der irregulären Bootsmigration vom Senegal auf die Kanaren ein und definiert den wissenschaftlichen Rahmen der Untersuchung.
II. METHODOLOGIE UND THEORETISCHER RAHMEN DER STUDIE: Dieses Kapitel erläutert den ethnographischen Ansatz sowie soziologische und anthropologische Konzepte, die zum Verständnis der Migrationsbewegungen herangezogen werden.
III. IRREGULÄRE MIGRATION VON AFRIKA NACH EUROPA – POLITISCHER UND HISTORISCHER KONTEXT: Hier werden die europäische Abschottungspolitik (Frontex) und die historischen Wurzeln der westafrikanischen Mobilität beleuchtet.
IV. GLOBALE, REGIONALE UND LOKALE FAKTOREN – ZUR GENESE DER PIROGEN-MIGRATION IM SENEGAL: Das Kapitel analysiert, warum speziell der Fischereisektor und die politische Lage im Senegal die maritime Migration befeuerten.
V. STRUKTUR, ORGANISATION UND ABLAUF DER PIROGEN-MIGRATION: Eine detaillierte Untersuchung darüber, wie die Bootsüberfahrten logistisch organisiert werden und welche Rolle die Bootsmannschaften dabei spielen.
VI. 'TENTER SA CHANCE' OU 'RESTER LES BRAS CROISÉS' – SOZIOKULTURELLE DYNAMIKEN AUF AKTEURSEBENE: Fokus auf die Rolle von Spiritualität, Familie, Ehe und den Einfluss voriger Migranten auf die Entscheidung zur Emigration.
VII. ZUSAMMENFASSUNG UND KONKLUSION: Abschließende Betrachtung, die betont, dass die Migration primär eine soziokulturelle Reaktion auf das lokale Umfeld und eine Strategie zur sozialen Mobilität ist.
Pirogen-Migration, Senegal, Kanarische Inseln, irreguläre Migration, Ethnographie, Fischerei, Marabout, soziale Mobilität, Bourdieu, Kapitaltheorie, rite de passage, Frontex, Westafrika, Bootsmigration, Migrationsnetzwerke.
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Organisationsformen der irregulären Emigration von senegalesischen Männern per Fischerboot auf die Kanarischen Inseln.
Zentrale Themen sind soziokulturelle Motive, der Einfluss lokaler Netzwerke, die Rolle religiöser Autoritäten (Marabouts) und die Auswirkungen der europäischen Grenzschutzpolitik.
Ziel ist es, zu verstehen, warum Menschen trotz hoher Lebensrisiken die irreguläre Migration wählen und wie diese Entscheidung in ihren sozialen und kulturellen Kontext eingebettet ist.
Es handelt sich um eine ethnographische Fallstudie, die auf teilnehmender Beobachtung, informellen Gesprächen und semi-strukturierten Interviews mit den Betroffenen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den politischen Kontext, die Analyse lokaler Faktoren (insbesondere des Fischereisektors) sowie eine detaillierte Untersuchung der Organisation und der individuellen Entscheidungsdynamiken.
Schlüsselbegriffe sind Pirogen-Migration, soziale Mobilität, ethnographische Fallstudie, kulturelles Kapital und irreguläre Migration.
Die Fischer dienen als Vorhut der Migration, da sie durch ihr inkorporiertes Wissen über das Meer und die Navigation der Pirogen über das notwendige Kapital verfügen, um die Passage zu steuern.
Der Ausdruck bedeutet 'Barcelona oder das Jenseits' und verdeutlicht die absolute Entschlossenheit der Migranten, ihr Ziel in Europa zu erreichen oder das Risiko des Todes in Kauf zu nehmen.
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